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Neue Ausrichtung der Forschung nach der Fusion mit der Kinderpoliklinik

Jeder Umbruch bringt auch neue Chancen mit sich. Durch die Zusammenführung der beiden Kinderkliniken unter der Ägide von Dietrich Reinhardt konnte ein neues wegweisendes Konzept der Forschungsorganisation in der Kinderklinik realisiert werden. Die experimentellen Forschungslabore beider Kliniken wurden durch die Errichtung eines Forschungszentrums mit 900 m2  Forschungsfläche in einem benachbarten würfelförmigen Gebäude räumlich zusammengeführt und organisatorisch gebündelt. Die Umbaumaßnahmen und eine zeitgemäße Einrichtung dieses Zentrums wurden durch substantielle Spendenbeiträge der Christiane Herzog-Stiftung für Kinder mit Cystischer Fibrose ermöglicht. Seit der Eröffnung des Forschungszentrums im September 2002, in das zunächst 6 experimentell arbeitende Forschergruppen einzogen, wurde der Kubus, wie die Labore salopp im Klinik-Jargon genannt werden, zu einem Synonym für die grundlagenorientierten Forschungsaktivitäten an der Klinik. In einer baulichen Erweiterungsphase wurde das Forschungszentrum noch durch Räume für Arbeitsgruppen der kinderchirurgischen Klinik erweitert und dadurch eine fruchtbare Zusammenarbeit auf den Weg gebracht.
Das klinisch-chemische Routinelabor, die diagnostisch tätigen Speziallabore, sowie bioanalytische Laboreinheiten wurden nach umfänglichen Renovierungsmaßnahmen wieder im Altbestand der Klinik angesiedelt. Ebenso sind die klinisch-epidemiologisch tätigen Forschergruppen noch räumlich getrennt vom zentralen Forschungskubus tätig. Durch die Summe dieser Baumaßnahmen konnte jedoch eine weitgehende organisatorische Trennung von Dienstleistungslaboratorien und den Laborbereichen der rein experimentellen Forschungsrichtungen vollzogen werden. Im Zuge der räumlichen Konzentrierung der Forschungslabore wurde eine Reihe von gemeinsam genutzten Forschungseinrichtungen (core units) und Gerätschaften aufgebaut. Diese umfassen mehrere Räume für Gewebekulturen, ein zentrales PCR Labor, ein Labor für Post-PCR Auswertungen und für rekombinante Proteinexpressionen, eine Einheit für alle Mikroskopierverfahren, und das Radioaktivitätslabor. Der Betrieb der entstandenen Forschungsstrukturen ist dadurch wesentlich ökonomischer als vor dieser Neuorganisation. Weiters wird damit indirekt, über eine regelmäßig notwendige Kommunikation und Interaktion in den gemeinsam genutzten Einrichtungen, die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen gefördert. Trotz der in Bezug auf die Subspezialitäten stark unterschiedlichen inhaltlichen Arbeitsfelder konnte ein hohes Maß an Synergien über die gemeinsam genutzten Methoden der molekularen Medizin erreicht werden. In den letzten Jahren wurde dadurch eine große Vielfalt an hausinternen und interdisziplinären Kollaborationen bei Forschungsprojekten entwickelt, die weit über die inhaltlichen Grenzen der krankheitsbezogenen Subspezialitäten hinausgehen. Die derzeit verfolgten experimentellen Arbeitsrichtungen und die seit 2003 operative Forschungsorganisation ist in untenstehender Abbildung stark vereinfacht skizziert.

 

operative Forschungsorganisation

 

Dem Stiftungszweck entsprechend und infolge den vom Klinikdirektor, Prof. Dietrich Reinhardt eingebrachten Arbeitsschwerpunkten konnten insbesondere zahlreiche Projekte auf dem Gebiet der Lungenforschung eingeworben und angesiedelt werden. Derzeit sind 18 Arbeitsgruppen mit Projekten der experimentellen Grundlagenforschung im Forschungszentrum tätig. Eine vollamtliche Leitung, mehr moderierend als dirigierend, eine leitende MTLA und eine Halbtagssekretärin versuchen die kreativen Energien einer Vielzahl von Mitarbeitern im täglichen Betrieb in geordnete Bahnen zu lenken.  Wöchentlich abgehaltene, work in progress (WIP) Seminare fördern den Informationsfluss und den Wissenstransfer der Arbeitsgruppen untereinander.

Nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über die personelle Zusammensetzung zum Stand Dezember 2009.

 

Grundausstattung

Drittmittel

AG-Leiter (Klinik und Forschung; 20%)
AG-Leiter (Forschung; 100%) 11* Teilzeit

11* Teilzeit
1


7

Post Docs
(Biologie, Vet.med, Med)

 

15

Doktoranden (rer.nat)
(Biologie, Pharmazie, Vet.med, Informatik, Ernährungsmedizin)

 

26

MTAs, CTAs, TAs

6

12

ca. 40 medizinische Doktoranden

 

 

Total

18

60

 

Die Mehrheit der AG-Leiter ist in der Klinik ärztlich tätig und sie betreuen ihre jeweiligen Drittmittel-Projekte und Mitarbeiter der Forschung in zeitlichen Lücken und freien Zeiten. Infolge des sehr hohen Anteils an durch Drittmittel finanzierten Personalstellen besteht auch eine hohe Fluktuation bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern. Trotzdem kann,  insbesondere durch die inzwischen hohe Zahl an ganztägig in der Forschung beschäftigten Naturwissenschaftern (Post-Docs), eine sehr gute Betreuungsintensität der Doktoranden gewährleistet werden. Die nun erreichte hohe kritische Masse an Expertise vor Ort und deren interdisziplinäre Zusammensetzung versammelt ein breites know-how bei  fast allen molekulargenetischen, biochemischen und zellbiologischen Fragen.   

Erfreulich ist auch die Entwicklung dass es mehreren Forschern in kompetitiven Wettbeweben gelungen ist, durch herausragende Forschungsanträge über einen längeren Zeitraum ihre eigene Stelle und die ihrer Mitarbeiter zu finanzieren. Diese Förderschienen und/oder Exzellenzprogramme umfassen eine klinische Kooperationsgruppe mit dem Helmholtz Zentrum München, BioFuture-Preisträger (BMBF), BayGen Förderung durch das bayerische Wissenschaftsministerium, ein Programm zur molekularen Ernährungsforschung, sowie das Emmy-Noether Programm der DFG.

Ohne Hinzuzählung von medizinischen Doktoranden sind variabel zwischen 70 und 80 Mitarbeiter im experimentellen Forschungszentrum tätig. Davon wird der ganz überwiegende Teil (60) durch Drittmittel finanziert. Weitere 60 Personalstellen sind überwiegend den großen Verbundprojekten der epidemiologischen Forschung oder den an Patienten orientierten klinischen Forschungsprojekten der Klinik zuzuordnen. Gemessen an der Zahl der durch Drittmittel finanzierten Mitarbeiter (120) besteht insgesamt ein sehr ausgewogenes Verhältnis zwischen den epidemiologisch/klinischen Forschungsprojekten und den Projekten der experimentellen Grundlagenforschung.

Der vorliegende Bericht würde insbesondere in der Beschreibung der epidemiologischen und klinischen Forschung der Klinik unvollständig bleiben, ohne die weiter bestehenden strukturellen Probleme zu benennen. Die hohe Produktivität einzelner Arbeitsgruppen (z.B. Asthma und Allergie oder Ernährungsforschung) hinsichtlich hochrangiger Publikationen und Einwerbung von großen Summen an Drittmitteln, verschleiert die Problematik des physician scientist, des Wissenschafters, der immer zugleich mit klinischen und wissenschaftlichen Anforderungen zu kämpfen hat. Es fehlt den jungen Pädiatern der Klinik vielfach die Zeit sich einem klinisch relevanten Thema wissenschaftlich vertieft zu widmen, und dieses Wissen wieder in die Klinik zurück zu tragen. Nur eine solch enge Verzahnung kann zu einer wirklichen translationalen Medizin führen. Dazu müssen in der Zukunft klare und bessere Mechanismen für partielle Freistellungen von klinischer Arbeit  geschaffen werden, die es jungen Pädiatern erlauben beide Aspekte der Pädiatrie, die klinischen wie wissenschaftliche Aspekte, eingehend zu vertiefen.
Die in der modernen Medizin zunehmend erforderliche interdisziplinäre Arbeit erfordert  Zeit zum Austausch, zum verstehen lernen der jeweils anderen Disziplin und zum gegenseitigem Gedankenaustausch. Auch die derzeit sehr begrenzten Räumlichkeiten erschweren eine enge interdisziplinäre Verzahnung von klinisch-epidemiologischen und experimentell forschenden Arbeitsgruppen der Klinik.
In der näheren Zukunft sollte deshalb ein pädiatrisches Forschungszentrum angestrebt und realisiert werden, welches möglichst alle an der Klinik vertretenen Forschungsrichtungen in einer interdisziplinären Einheit zusammenfasst.

 

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