Chop Studie

CHOPIn den letzten Jahrzehnten hat die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen, wie in anderen europäischen Ländern, auch in Deutschland dramatisch zugenommen (Fisberg et al, 2004; Koletzko et al, 2002). Dazu tragen sicher Essverhalten und Bewegungsmangel entscheidend bei, aber auch die Form der frühkindlichen Ernährung könnte einen langfristigen Einfluss haben. Mehrere epidemiologische Studien zeigten, dass das Risiko von späterem Übergewicht bei gestillten Kindern signifikant niedriger als bei Formelmilch ernährten Kindern ist (von Kries et al, 2002; Arenz et al, 2004). Da in der Formelmilch der Proteingehalt deutlich höher ist als in der Muttermilch, leitet sich daraus die Frage ab, ob die Höhe der frühkindlichen Eiweißzufuhr längerfristig die körperliche Entwicklung der Kinder und die spätere Tendenz zum Übergewicht beeinflusst (Koletzko et al, 2009). Dieser Frage geht das European Childhood Obesity Project (CHOP-Studie) nach. Von Oktober 2002 bis Juni 2004 wurden in fünf europäischen Ländern (Belgien, Spanien, Italien, Polen, Deutschland mit Studienzentren in München und Nürnberg) 1678 Säuglinge innerhalb der ersten beiden Lebensmonate in die Studie eingeschlossen. Diejenigen Kinder, die nach dem 2. Monat nicht mehr gestillt wurden, erhielten randomisiert entweder eine Nahrung mit niedrigem Eiweißgehalt (1,8 g/100kcal bzw. als Folgemilch 2,2 g/100 kcal) oder eine Formelmilch mit höherem Eiweißgehalt (2,9 g/100kcal bzw. 4.4 g/100kcal) während des ersten Lebensjahres. Der Eiweißgehalt hielt sich dabei im Rahmen, der auf dem Markt zu kaufenden und zugelassenen Flaschenmilchnahrungen. In der ersten Studienphase wurden bei Studieneintritt und im Alter von 3, 6, 12, 18 und 24 Monaten nach genau standardisierten Verfahren anthropometrische Messungen (Größe, Gewicht, Hautfalten etc.) vorgenommen und mit Hilfe von 3-Tages Ernährungsprotokollen (monatlich im 1. Jahr, vierteljährlich im 2. Jahr) die gesamte Nahrungsaufnahme der Kinder dokumentiert.

298 gestillte Kinder und 322 Kinder aus der Hochproteingruppe, bzw. 313 Kinder aus der Niedrigprotein Gruppe, konnten bis zum Alter von 2 Jahren nachuntersucht werden. Dabei zeigte sich, dass sich die Energieaufnahme zwischen den Formelmilchkindern nicht unterschied. Die Aufnahme an Eiweiß allerdings war im ersten Lebensmonaten in der Hochproteingruppe über 60 % höher als in der Niedrigproteingruppe. Mit zunehmender Bedeutung der Beikost verringerte sich der Unterschied im Alter von einem Jahr auf 22 % und im zweiten Jahr fanden sich erwartungsgemäß keine Unterschiede mehr. Im Gewicht-pro-Länge und im Body-Mass-Index zeigten sich ab dem Alter von 6 Monaten Unterschiede, die sich bis in das Alter von 2 Jahren fortsetzten, an dem sich für diese Parameter statistisch signifikante Gruppenunterschiede fanden (Koletzko et al, 2009). Dabei verhielten sich die Kinder mit der niedrigeren Eiweißzufuhr ähnlich den gestillten Kindern, während hohe Eiweißzufuhr mit höheren Werten assoziiert war. Dies spricht für die Hypothese, dass hohe Eiweißaufnahme über höheres IGF-1 zu erhöhter Gewichtszunahme führt. Der in anderen Studien beobachtete Zusammenhang zwischen Gewicht im Alter von 2 Jahren und späterem Übergewicht legt nahe, dass die frühkindliche Eiweißzufuhr das spätere Adipositas Risiko beeinflusst (Toschke et al, 2004).

Mit Hilfe weitere Förderung durch die EU konnte die Nachverfolgung der Kinder fortgesetzt werden und im Moment laufen die Untersuchungen im Alter von 5 und 6 Jahren, die zeigen werden in wieweit sich der beobachtete Effekt fortsetzt.

Ansprechpartner

Prof.Dr. Berthold Koletzko office.koletzko@med.uni-muenchen.de
Prof. Dr. Rüdiger von Kries rüdiger.von-kries@med.uni-muenchen.de
Dr. Hans Demmelmair hans.demmelmair@med.uni-muenchen.de
Dr. Veit Grote veit.grote@med.uni-muenchen.de


Referenzen

(1)   Fisberg M, Baur L, Chen W, Hoppin A, Koletzko B, Lau D, et al. Obesity in children and adolescents: Working Group report of the second World Congress of Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2004 Jun;39 Suppl 2:S678-S687.

(2)   Koletzko B, Girardet JP, Klish W, Tabacco O. Obesity in children and adolescents worldwide: current views and future directions--Working Group Report of the First World Congress of Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2002;35 Suppl 2:S205-S212.

(3)   von Kries R, Toschke AM, Wurmser H, Sauerwald T, Koletzko B. Reduced risk for overweight and obesity in 5- and 6-y-old children by duration of sleep--a cross-sectional study. Int J Obes Relat Metab Disord 2002 May;26(5):710-6.

(4)   Arenz S, Ruckerl R, Koletzko B, von Kries R. Breast-feeding and childhood obesity - a systematic review. Int J Obes Relat Metab Disord 2004 Oct;28(10):1247-56.

(5)   Koletzko B, von KR, Monasterolo RC, Subias JE, Scaglioni S, Giovannini M, et al. Can infant feeding choices modulate later obesity risk? Am J Clin Nutr 2009 May;89(5):1502S-8S.

(6)   Koletzko B, von KR, Closa R, Escribano J, Scaglioni S, Giovannini M, et al. Lower protein in infant formula is associated with lower weight up to age 2 y: a randomized clinical trial. Am J Clin Nutr 2009 Apr 29.

(7)   Toschke AM, Grote V, Koletzko B, von Kries R. Identifying children at high risk for overweight at school entry by weight gain during the first 2 years. Arch Pediatr Adolesc Med 2004 May;158(5):449-52.

 

 

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Kinder- und Kinderpoliklinik

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