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München feiert Weltfrühchentag und gibt den Kleinsten eine Stimme

Jedes zehnte Kind ist frühgeboren

Eine spezielle Versorgung und mehr familiäre Unterstützung, wenn es um die Kleinsten der Kleinen geht: Diese Forderungen  stehen im Mittelpunkt des Weltfrühgeborenentages, der am 17. November startet. Internet-Nutzer, die ihre Stimme für eine verbesserte Frühchenversorgung abgeben, unterstützen damit einen Aktionsaufruf, der am 23. November im EU-Parlament eingebracht wird. Prominente Unterzeichner sind die EU-Parlamentsabgeordneten Dr. Angelika Niebler und der Arzt  Dr. Peter Liese.

Wer selbst ein Frühchen bekommen hat oder bei anderen die Zeit vor und nach einer Frühgeburt miterlebt hat, kennt das Gefühl der Hilflosigkeit: Auch wenn das medizinische Versorgungsniveau für Babies in Deutschland und den meisten europäischen Ländern hoch ist, werden die speziellen Anforderungen von Frühchen oft nur unzureichend berücksichtigt. Auch fehlt es an einer umfassenden Aufklärung zum Thema: „Schwangere wissen heute immer noch zu wenig darüber, wie sie einer Frühgeburt besser vorbeugen können. Betroffene Eltern benötigen mehr Anleitung und Informationen darüber, was sie für ihr Frühgeborenes vor und nach dem Klinikaufenthalt tun können und wo sie Unterstützung erhalten“, berichtet Silke Mader, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende von EFCNI. Laut einer europaweiten Erhebung über Prävention und Versorgung von Frühchen (EU Benchmarking Report 2009/2010 „Too Little, Too Late?“) könnten tausende von Todesfällen im Kindesalter, chronische Leiden und andere Beschwerden, die auf eine zu frühe Geburt zurückgehen, durch eine verbesserte Schwangeren- und Neugeborenenversorgung vermieden werden.

10 Schritte auf dem Weg zum europaweiten Standard

Wenn Dr. Angelika Niebler am 23. November gemeinsam mit Dr. Peter Liese und weiteren EU-Parlamentskollegen den Aktionsaufruf im Europa-Parlament vorstellt, dann hofft sie einen weiteren Meilenstein für die Verankerung eines europäischen Qualitätsstandards für die Frühchenversorgung zu setzen: „Als Schirmherrin der EFCNI liegt es mir am Herzen, die gesundheitsfördernde Versorgung Neu- und Frühgeborener einheitlich zu regeln und die Prävention zu verbessern. Jede online abgegebene Stimme hilft, unseren Forderungen mehr Gewicht zu verleihen. Denn Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft.“ Dr. Peter Liese fasst das Anliegen des am 23. November erstmals offiziell vorgestellten 10-Punkte-Forderungskatalogs zusammen: „Die Kette von der gewissenhaften Aufklärung zum Thema Frühgeburt, über eine einheitliche Qualität der klinischen Versorgung, bis hin zu erweiterten Programmen der Nachsorge, wenn das Baby heranwächst, muss auf ein einheitlich hohes Niveau gebracht werden“. Für Deutschland sieht der EFCNI-Report vor allem Handlungsbedarf in der Politik. Bisher gibt es keine einheitlichen Qualitätsstandards zur Versorgung und Behandlung von Frühgeborenen in Kliniken. „ Zudem mangelt es an familiärer Unterstützung und einer entwicklungsfördernden, familienzentrierter Betreuung von früh- und krank geborenen Kindern und deren Familien“, sagt Hans-Jürgen Wirthl, Vorsitzender des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e. V.

 Sichere Versorgung von Geburt bis über die Entlassung hinaus

„Hochrisiko-Perinatologie muss die umfassende diagnostische und therapeutische Versorgung der Schwangeren und ihrer ungeborenen Kinder bis zur Geburt sichern. Neben den bekannten Aufgaben bei der Behandlung schwangerschaftbezogener Erkrankungen und Problemen der ungeborenen Kinder bedingt das steigenden Durchschnittsalter der Schwangeren auch höhere Frequenzen komplexer mütterlicher Erkrankungen die zeitgleich mit der Schwangerschaft behandelt werden müssen. Diese Ansprüche können nur durch die breite Kompetenz eines Klinikums der Maximalversorgung angeboten und gesichert werden und bedürfen einer Kultur der vertrauensvollen jahrelang gepflegten Interdisziplinarität bei der Geburtshelfer und Neonatologen die Behandlung mit den beteiligten Fachdisziplinen koordinieren.“ fordert PD Dr. Uwe Hasbargen, Leiter des Perinatalzentrums Großhadern.

In einem modernen Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe, wie z. B. Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München oder im Dritten Orden München, überleben heute auch kleinste Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von 500 bis 750g zu über 80%. Eltern, Ärzte, Pflegende sind dadurch oft mit der Grenze des Machbaren konfrontiert. „Die Betreuung dieser Kinder ebenso wie die Versorgung schwer kranker reifer Neugeborener zum Beispiel mit Lungenversagen erfordert deshalb ein interdisziplinäres professionelles Team, welches früh Eltern in die Betreuung der Kinder einbindet.  Dies ist das Ziel der integrierten Versorgung von Mutter und Kind in unserem Zentrum“ sagt Priv. Doz. Dr. Andreas W. Flemmer, stellv. Leiter der Neonatologie der Kinderklinik am Perinatalzentrum Großhadern.

„Die neonatologische Hochleistungsmedizin im Perinatalzentrum, die heute Kindern nach extremer Frühgeburt oder mit schweren angeborenen Fehlbildungen einen aussichtsreichen Start ins Leben ermöglichen kann, darf nach der Entlassung aus der Klinik nicht abreißen.  Vielmehr stellt die Maximaltherapie am Lebensanfang für Medizin und Gesellschaft eine Verpflichtung für die langfristige Nachbetreuung bis ins Schulalter dar“, sagt Prof. Jochen Peters.  „Das Klinikum Dritter Orden stellt sich dieser Verantwortung mit seinen Angeboten der Nachsorge „Bunter Kreis“ und der ambulanten medizinischen und psychosozialen Betreuung in seinem Sozialpädiatrischen Zentrum.“ 

Erste Muttermilchbank bald auch in München:

Spendenscheck

Im Klinikum Großhadern wird zudem ein neues Projekt mit Spendengeldern u.a. von Frühstart ins Leben e.V. unterstützt – eine Muttermilchbank. „In dieser Bank können Mütter, die überschüssige Milch haben, diese anderen Frühgeborenen zur Verfügung stellen. Damit können auch die allerkleinsten Kinder bereits am ersten Lebenstag Muttermilch erhalten und sind so besser gegen Infektionen über den Magen-Darm-Kanal geschützt“, sagt Prof. Andreas Schulze. Die Muttermilchbank wird zunächst nur für die Kinder im Uniklinikum Großhadern zur Verfügung stehen. Die Dimensionen werden ca. 100 Portionen sein, die die Spenderinnen unentgeltlich zur Verfügung stellen mit höchsten Sicherheitsauflagen. Vergleichbare Banken gibt es bereits seit Jahren in Leipzig und Dresden und anderen Kliniken in den neuen Bundesländern und in Europa, USA, Australien, nicht aber in den alten Bundesländern. Also keine neue Idee, aber ein ehrgeiziges Projekt. Das Klinikum in Großhadern plant, die Bank im kommenden Jahr zu eröffnen. Es gibt bereits jetzt einen eigenen Raum für Milchaufbereitung auf der Station, der mit Spezialgeräten aufgerüstet wurde.

Online-Sprachrohr für Frühchen ab 17. November 2011

Die neue Webseite www.ene-mene-mini.eu ist eine Informationsplattform rund um Frühchen. Neben Wissenswertem zu Frühgeborenen und Möglichkeiten zur besseren Vorbeugung einer Frühgeburt liefert sie auch Informationen zur Versorgung auf der Frühchenstation und der Zeit nach dem Krankenhaus. Links zu Verbänden und Erfahrungsberichte betroffener Eltern ergänzen das Internet-Angebot. Initiatoren des Frühchen-Portals sind die „European Foundation for the Care of Newborn Infants“ (EFCNI) sowie die nationalen Elternverbände Europas  und das Medizin- und Sicherheitstechnikunternehmen Dräger.

 


Link zu: www.ene-mene-mini.eu

Link zu: European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI)

Link zu: Frühstart ins Leben e.V.