Neubau eines Radiopharmazie-Zentrums am Campus Großhadern
Das Klinikum betreibt bundesweit eine der größten nuklearmedizinischen Einrichtungen und stellt nun mit einer eigenen Produktionsstätte sicher, dass die Patientenversorgung sowie die Forschung und Lehre im Bereich der Nuklearmedizin gewährleistet ist. Dazu wird am Campus Großhadern in Kooperation mit der Erlanger Firma PET Net GmbH ein neues innovatives Radiopharmazie-Zentrum errichtet. Ähnliche Anlagen existieren in Bayern bereits an den Universitätskliniken in Erlangen, Regensburg, Würzburg und am Klinikum rechts der Isar in München.
Die Bestimmung der Vitalität von Gewebe mit Hilfe schwach radioaktiv markierter Substanzen spielt nicht nur in der Krebsmedizin, sondern zum Beispiel auch bei der Diagnostik eines Herzinfarktes, in der Kinderheilkunde, bei Erkrankungen des Skelettsystems oder in der Neurologie (Alzheimer, Parkinson) eine wichtige Rolle. Therapeutisch eingesetzt werden Radiopharmaka etwa bei bestimmten Schilddrüsen-Erkrankungen oder in der Tumorbekämpfung. In der Diagnostik steht die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) im Vordergrund, ein bildgebendes Verfahren, das eine erhöhte diagnostische Genauigkeit bietet und in der Kombination mit der Computertomographie (CT) seit Jahren steigende Untersuchungszahlen aufweist. Insgesamt werden in der Klinik für Nuklearmedizin derzeit rund 6.500 Untersuchungen jährlich durchgeführt.

„Durch die nur schwach strahlenden Radiopharmaka, die dem Patienten verabreicht werden, können so beispielsweise sicher und exakt Untersuchungen verschiedener Gewebetypen vorgenommen werden“, erklärt Prof. Dr. Peter Bartenstein, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin. „Auf Basis dieser Daten ist dann z. B. eine individuelle Therapieplanung möglich.“ Die Strahlenexposition für den Patienten selbst ist in der modernen Nukleardiagnostik wegen der verwendeten kurzlebigen Radionuklide eher gering einzuschätzen, vergleichbar einer Röntgenuntersuchung.

Dr. Franz J. Gildehaus, Projektleiter der Nuklearmedizin, erklärt: „Die geplante Produktionsstätte wird die Möglichkeit eröffnen, neue Biomarker für die Diagnostik und Radiotherapeutika für die individualisierte Therapie zukünftig noch schneller der Patientenversorgung zugänglich zu machen.“ Dabei wird das neue Gebäude mit Zyklotron und Pharmaproduktion nach den aktuellen Strahlenschutz- und Arzneimittelrichtlinien konzipiert, so dass für Mitarbeiter, Patienten und Umwelt ein Optimum an Sicherheit erzielt wird.
„Für das Klinikum der Universität München ist dieser Neubau ein Meilenstein im Rahmen der gesamten strukturellen Entwicklung“, betont Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums. „Organisatorisch betreten wir mit diesem Projekt zwar Neuland, haben aber einen erfahrenen Partner an unserer Seite. Zudem lässt sich das neue Gebäude gut in die bestehenden Baulichkeiten eingliedern, so dass eine optimale Anbindung an die Patientenversorgung einerseits und an die Forschungslabore andererseits gegeben ist.“
Das Radiopharmazie-Zentrum wird in Kooperation mit der PET Net GmbH, einem Spin-off der Universität Erlangen, errichtet. Das Projekt mit einem Finanzierungsvolumen von ca. 15 Mio. Euro soll im Rahmen einer Public-Private Partnership (PPP) abgewickelt werden und eine langfristige Kooperation zur Produktion und Entwicklung von heute gängigen und neuen Radiopharmaka beinhalten. Die PET Net GmbH betreibt bereits zwei Produktionsstätten nach dem PPP-Prinzip in Bayern an den Standorten Erlangen und Regensburg und verfügt über langjährige Erfahrung im Betrieb von Anlagen zur Herstellung radioaktiver Arzneimittel, im Umgang mit Arzneimittelzulassungen, Herstellerlaubnissen und Betriebsgenehmigungen.
Das neue Radiopharmazie-Zentrum mit einer Grundfläche von 20 mal 30 Meter wird durch die für diesen Zweck gegründete PET Net München GmbH gemeinsam mit dem Konsortialpartner Perner GmbH Rosenheim errichtet. Und zwar am westlichen Teil des Klinikums (Hörsaaltrakt), mit direktem Zugang zur Nuklearmedizin, die sich auf Ebene 0 befindet. Der Bau wird nach Einschätzung des Projektleiters Dr. Gildehaus im Frühjahr 2012 starten. Aus der Symbiose der jeweils langjährigen Erfahrungshintergründe zum Bau von medizinischen und industriellen Objekten (Perner) und der Planung und dem Betrieb radiopharmazeutischer Anlagen (PET Net) wird das nach neuesten Arbeitsprozess-Gesichtspunkten konzipierte Produktions- und Forschungsgebäude eine klare, auf Nachhaltigkeit ausgelegte, Grundstruktur erhalten und durch seine Optik, seine Funktionalität und die Erweiterbarkeit des Baus bestechen.
Kontakt:
Prof. Dr. Peter Bartenstein, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin:
Peter.Bartenstein@med.uni-muenchen.de
Dr. Franz Gildehaus, Projektleiter Klinik für Nuklearmedizin
Franz.Gildehaus@med.uni-muenchen.de
Links:
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Klinikum der Universität München


