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Lernen mit psychischen Problemen

Schulte-Körne, Weigl, Spaenle

Das gemeinsame Lernen von gesunden Schülerinnen und Schülern mit psychischen Problemen zu ermöglichen, ist eine Herausforderung für die allgemeinen Schulen, die Grund-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien. Dabei benötigen Lehrkräfte fachliche Unterstützung. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle diskutierte daher bei einem Informationsbesuch an der LMU-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in München mit Experten, darunter Klinikdirektor Prof. Dr. Gerd-Schulte-Körne und Ministerialrat Erich Weigl, über mögliche Kooperationen.

 

Bis zu 20% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden unter psychischen Problemen, die nachhaltig die schulische, soziale und emotionale Entwicklung dieser Menschen beeinflusst. Zu den Problembereichen gehören Verhaltensauffälligkeiten, Ängste und Depression, Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität und Störungen des Essens (sowohl Magersucht als auch Adipositas). Bereits im Grundschulalter zeigen sich die meisten Problembereiche, mit Eintritt in die Pubertät nimmt die Häufigkeit der psychiatrischen Störungen deutlich zu. Psychisch belastete Kinder stellen für unsere Regelschulen eine große Herausforderung dar, da ihre Integration Fachwissen und Erfahrung im Umgang mit psychiatrischen Störung erfordert.

Wenn diese Kinder so schwer erkrankt sind, dass eine stationäre Behandlung notwendig ist, werden sie im Rahmen dieser Behandlung in eigens dafür vorgesehenen Schulen unterrichtet und begleitet. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München hat mit dem Bezirk Oberbayern eine eigene Schule in der Uniklinik integriert. Hier werden die Kinder und Jugendlichen während des stationären Aufenthalts beschult. Ein besonders für den Umgang mit psychisch erkrankten Kindern geschultes Lehrerinnen-Team bietet einen jahrgangsübergreifenden Unterricht in Kleingruppen an. Für Schüler und Schülerinnen aus Gymnasien und Realschulen bestehen zusätzlich stundenweise Unterrichtsangebote in den Fächern Englisch, Latein, Mathematik und Physik durch entsprechende Fachkräfte.

Wesentlicher Aspekt des Schulkonzeptes ist es, den Unterricht an den kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen auszurichten. Dabei gliedert sich der Unterricht in das gesamte therapeutische Behandlungskonzept der Klinik ein. Die Lehrkräfte sind Teil des Behandlungsteams und nehmen an den Visiten zur Behandlungsplanung regelhaft teil.

Vor, während und nach der stationären und teilstationären Behandlung tritt die Lehrkraft in einen intensiven Austausch mit der Heimatschule der Patienten, um die Integration in die Klinikschule optimal vorzubereiten und nach Abschluss der Behandlung die Reintegration in die Klasse oder in eine neue Schulklasse optimal vorzubereiten. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet gemeinsam mit dem Kultusministerium an Plänen, Fortbildungen im Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen für Lehrerinnen und Lehrer an Regelschulen zu koordinieren. Ein ähnliches Angebot für Sonderpädagogen an Förderschulen wird seit einigen Jahren bereits bayernweit erfolgreich in Kooperation mit dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus, den Regierungen und den Kinder- und Jugendpsychiatrien in Landshut, Regensburg und den beiden Unikliniken in Würzburg und München umgesetzt.

 

Link zu: Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie