Was bringt der Nichtraucherschutz für die Gesundheit?
Test 4
Aus Anlass des Volksentscheids am 4. Juli veranstaltete das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin ein Fachgespräch zur Frage der gesundheitlichen Effekte von Rauchverboten in der Gastronomie. Dabei stand der Nutzen für die Beschäftigten des Gastgewerbes im Vordergrund. An der Konferenz nahmen namhafte Experten aus Irland, Italien und Frankreich teil. In allen drei Ländern sind in den letzten sechs Jahren Gesetze zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens in Kraft getreten. Darüber hinaus wurden auf der Konferenz die Ergebnisse von Feistaubmessungen in Münchener Gaststätten vorgestellt.
Hier die Berichte zweier Referenten des Expertengesprächs über die Erfahrungen mit einem strikten Rauchverbot in anderen Ländern:
Dr. med. Rosanna Bartolotta, Ärztin und Präventionsexpertin, Mitarbeiterin der Gesundheitsbehörden, Padua, Italien
Erfahrungen mit der rauchfreien Gastronomie in Italien
„Im Jahr 2005 ist in Italien nach zweijähriger Vorbereitungszeit ein umfangreiches Nichtraucherschutzgesetz in Kraft getreten. Das Gesetz beinhaltete strenge Vorgaben zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens in der Gastronomie. Es stellte die Gastwirte vor die Entscheidung, das Rauchen entweder ganz zu verbieten oder aber strenge Auflagen zur Einrichtung eines Raucherraums einzuhalten. Vorgeschrieben wurden unter anderem die vollständige bauliche Abtrennung, der Einbau eines separaten Ventilationssystems und automatischer Schiebetüren sowie eine maximal Zahl von Personen, die sich in dem Raum aufhalten dürfen. Diese Vorschriften sollten der Erkenntnis Rechnung tragen, dass sich bei herkömmlichen Raucherräumen der Tabakrauch in der gesamten Gaststätte ausbreitet.
Die Einhaltung der Bestimmungen wurde von den Behörden regelmäßig kontrolliert. Wegen der hohen Anschaffungs- und Instandhaltungskosten haben heute nur etwa 1% der italienischen Gaststätten einen Raucherraum, der den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Neben den regelmäßigen Kontrollen hat es umfangreiche nationale Aufklärungskampagnen als Begleitmaßnahme zum Inkrafttreten des Gesetzes gegeben. So wurden zum Beispiel in ganz Italienregionale Zentren zur Tabakentwöhnung eingerichtet.
Außerdem gab es mehrere Begleitforschungsprojekte zu den gesundheitlichen Effekten der Rauchverbote. So wurde bei einer groß angelegten Follow-Up-Studie in Rom ein Rückgang der Herzinfarkte in der Altersgruppe der 35- bis 64-Jährigen um 11% festgestellt.
Heute halten es neun von zehn Italienern ausdrücklich für richtig, dass die Regierung einen konsequenten Nichtraucherschutz in der Gastronomie durchgesetzt hat. Mit dem Klima hat das übrigens wenig zu tun: In Italien kann es im Winter empfindlich kalt werden. Trotzdem gehen die Raucher vor die Tür.
Dr. med. dent. Yves Bur, Bürgermeister, Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung und Mitglied der deutsch-französischen Parlamentariergruppe, Lingolsheim, Frankreich
Erfahrungen mit der rauchfreien Gastronomie in Frankreich
Frankreich hat lange und schlechte Erfahrungen gemacht mit Ausnahmeregelungen vom Nichtraucherschutz in der Gastronomie: 1992 wurde den Gastwirten in dem so genannten Loi Evin die Möglichkeit eingeräumt, Raucherbereiche zu schaffen. Diese Bereiche waren entweder gar nicht oder unzureichend von den Sitzplätzen für Nichtraucher abgetrennt. Diese Regelung hat dazu geführt, dass über Jahre hinweg über den richtigen Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens gestritten wurde. Ein Grund für diesen Streit war die Ungleichbehandlung der Arbeitnehmer: Es war nicht einzusehen, dass die Beschäftigten in den Bistros weniger Recht auf den Gesundheitsschutz haben als die Arbeitnehmer in allen anderen Branchen.
Erst im Sommer 2005 hatte ich mit einer Gesetzesinitiative Erfolg, die auf einen konsequenten Nichtraucherschutz abzielte. Schon damals unterstützten mehr als 80% der Franzosen diese Initiative – darunter sogar 50% der Raucher. Heute sind es sogar noch mehr. Kaum ein Wirt wünscht sich heute noch die Zeiten der verqualmten Bistros zurück, obwohl es dem Gastgewerbe derzeit wegen der Wirtschaftskrise nicht gut geht.
Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde kann ich dem Bürgermeister der großen Stadt München nur den Rat geben, das Volksbegehren für den Nichtraucherschutz in Bayern zu unterstützen. Die meisten Touristen bevorzugen rauchfreie Bars und Restaurants. Das wird auch dann so sein, wenn München Olympiastadt werden sollte.
Kontakt:
Prof. Dr. med. Dennis Nowak, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- Sozial- und Umweltmedizin


