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10.06.2013 17:00

Fortschritte in der Diabetes-Behandlung mit Stammzellen?

Europäisches Projekt setzt auf die Freisetzung von Wachstumsfaktoren zur Vermeidung von Folgeschäden

Tierversuche sind häufig nötig, um neue Therapien zu testen und abzuschätzen, ob sie überhaupt beim Menschen wirken könnten. „Aber die Vorhersagekraft von Tierexperimenten ist auch begrenzt“, sagt Prof. Hans-Joachim Anders von der Ne-phrologie und Allgemeinen Inneren Medizin am Klinikum der Universität München. Um dieses Problem zumindest für neue Therapien gegen die verschiedenen Folgeschäden des Diabetes anzugehen, haben Anders´ Team und zehn Partner-Gruppen aus verschiedenen europäischen Ländern eine neue Test-Plattform gegründet. „Sie soll uns relativ sichere Aussagen darüber ermöglichen, ob eine innovative Behandlung für Diabetes-Patienten vielversprechend ist“, sagt der Mediziner. Die erste Therapie, die es zu testen gilt, beruht auf menschli-chen Stammzellen. Das Projekt wird drei Jahre lang von der Europäischen Union mit sechs Millionen Euro unterstützt.

Der Diabetes ist eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Allein in Europa nehmen geschätzte 60 Millionen Leute Medikamente, um ihre erhöhten Blutzuckerspiegel auf normale Werte zu bringen. Nicht oder schlecht „eingestellte“ Diabetiker leiden oft an Folgeschäden im ganzen Körper: Sie können erblinden, ihre Nierenfunktion nimmt ab, ihre Nerven veröden, ihre Gefäße verstopfen mit entsprechenden Folgen wie Herzin-farkt oder Schlaganfall, ihre Wunden heilen nicht. Haben Forscher eine mögliche neue Therapie beispielsweise gegen die diabetischen Nierenschäden entdeckt, testen sie die Behand-lung an sogenannten Tiermodellen – etwa an Mäusen, die genetisch so verändert sind, dass sie an Diabetes und Nierenschäden erkranken. Ob und wie sie auch gegen die andere Folgeschäden wirken könnte, wurde bislang nicht ge-prüft. „Das ändern wir mit unserem Projekt REDDSTAR“, sagt Anders, ein Experte für diabetische Nierenschäden. Das heißt im Klartext: Die Münchner Gruppe wird Gewebeproben an die am Projekt beteiligten Forschergruppen schicken, die auf andere Organkomplikationen spezialisiert sind. Und umgekehrt.

 Als erstes testen die Wissenschaftler eine Therapie mit menschlichen Stammzellen, die von einer irischen Firma mit einem neuen Verfahren aufbereitet wurden. Das Ziel: „Zu sehen, ob diese Stammzellen einen günstigen Effekt auf vielleicht alle, aber vielleicht nur einige Organe hat“ wie Hans-Joachim Anders es formuliert, „und wenn mehrere unserer Partnergruppen positive Effekte feststellen würden, wären wir zuversichtlich, dass man das auch beim Menschen erwarten kann.“ Bisherige Experimente deuten darauf hin: Solche Stammzellen können den Diabetes-bedingten schädlichen Umbau der verschiedenen Gewebe günstig beeinflussen, indem sie Wachstumsfaktoren freisetzen. Sie ersetzen verloren gegangenes Gewebe offenbar aber nicht selbst, wie früher angenommen.

Die Forscher planen auch eine Patientenstudie, allerdings aus-schließlich an einem dänischen Diabeteszentrum. Doch am Nephrologischen Zentrum am Klinikum der Universität Mün-chen prüfen Anders und seine Kollegen derzeit in einer großen klinischen Studie andere innovative Therapieansätze. Zum Beispiel ein neues antientzündliches Medikament, das die Ent-zündung in den Nieren von Diabetikern vermindern und den Verlust der Nierenfunktion verlangsamen soll. „Wir haben an der Entwicklung des Behandlungskonzepts selbst mitgewirkt“, erklärt Anders, „im Tierversuch hat sie sehr gut funktioniert.“ Sie verhindert, dass Entzündungszellen in die Nieren einwan-dern. Für diese Studie suchen die Ärzte noch Patienten mit Typ2- oder Typ1-Diabetes. Interessenten melden sich bitte im Nephrologischen Zentrum der Ludwig-Maximilians Universität München (089-51603325).

 


Ansprechpartner:

Prof. Dr. Hans-Joachim Anders

Medizinische Klinik IV

Klinikum der Universität München – Campus Innenstadt

Allgemeinmedizin und Nephrologie

Telefon: +49 (0)89 / 5160-3325

E-mail: hans-joachim.anders@med.uni-muenchen.de

 

PDF-Download: PM16/2013

 

 

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