19.07.2012 12:00

Hoffnungsschimmer bei schwarzem Hautkrebs

Neue Wirkstoffe und Konzepte sind das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung

Top-Thema der 23. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie 2012

München, 19. Juli 2012 – Zwei neue Medikamente erweitern das Behandlungsspektrum beim malignen Melanom. Dabei handelt es sich um einen chemischen Wirkstoff und einen menschlichen Antikörper. Damit können einerseits Wachstumsprozesse von Tumoren gestoppt werden, andererseits menschliche Immunzellen angeregt werden, die Krebsgeschwulst zu bekämpfen. Allerdings ist deren Wirkung zeitlich begrenzt und nicht alle Tumorzellen sprechen auf die Wirkstoffe an. Dennoch gelten die Präparate als Durchbruch, handelt es sich bei Vemurafenib und Ipilimumab doch um die ersten neu zugelassenen Medikamente zur Behandlung des fortgeschrittenen malignen Melanoms seit 35 Jahren.

Laut Deutscher Krebsgesellschaft erkranken in Deutschland jährlich fast 16.000 Menschen an einem malignen Melanom. Das Risiko, im Laufe des Lebens ein Melanom zu entwickeln, betrage demnach in Deutschland etwa 1:17,1 für Männer und 1:16,6 für Frauen. Damit ist die Inzidenz in den letzten 30 Jahren auf das Vierfache angestiegen, die Mortalität allerdings ist gleich geblieben. „Sehr häufig tritt ein malignes Melanom im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf, mitunter aber auch in jüngeren Jahren“, sagt Frau Prof. Carola Berking von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). „Tückisch sind die Melanome vor allem deshalb, weil die Patienten oft keine Beschwerden haben, trotzdem aber bereits Metastasen auftreten können.“ Neben der operativen Entfernung des Tumors und einer bei Hochrisikotumoren gegebenenfalls begleitenden (adjuvanten) Therapie mit Interferon zur Stimulierung des Abwehrsystems kommen mit den beiden neuen Medikamenten nun weitere Optionen hinzu und ermöglichen dem Arzt damit, Patienten mit fortgeschrittener Krankheit zumindest für einen Zeitraum von einigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren effektiv behandeln zu können.

Allerdings wird die Behandlung zunehmend komplexer, denn einerseits müssen Genmutationen in den Tumorzellen exakt bestimmt werden, um die richtigen Medikamente einzusetzen, andererseits kann die Kombination von Wirkstoffen entscheidend für den individuellen Behandlungserfolg sein. „Ipilimumab ist zugelassen im Anschluss an eine nicht erfolgreich wirkende Vortherapie, wie zum Beispiel eine Chemotherapie. Der Antikörper stimuliert durch Blockade eines inhibitorisch wirkenden Rezeptors die T-Zellen. Diese körpereigenen Immunzellen bekämpfen den Tumor und spielen bei der systemischen Behandlung von Metastasen eine wichtige Rolle.“ Die Ansprechrate liegt bei ca. 15-20 %. In einigen Fällen kann damit allerdings auch eine mitunter schwere Autoimmunreaktion ausgelöst werden, bei der sich die aktivierten T-Zellen gegen gesundes Gewebe richten, etwa im Darm oder in der Leber. Insofern muss bei der Therapie immer zwischen individuellem Nutzen und Risiko abgewogen werden.

Eine deutlich höhere Ansprechrate (bis zu 65 %) zeigt der chemische Wirkstoff Vemurafenib. „Dieser ist in Europa im Februar dieses Jahres zugelassen worden und greift in einen Signalweg ein, der zum Überleben und Wachstum des Tumors beiträgt“, erklärt Frau Prof. Berking. Auch bei Vemurafenib treten aber nicht selten Nebenwirkungen auf, wie Hautausschläge, Gelenkschmerzen, Müdigkeit oder starke UV-Lichtempfindlichkeit..

Der Erfolg der Behandlung mit Vemurafenib ist nach den bisherigen Erfahrungen aber leider zeitlich begrenzt. In der Regel treten nach durchschnittlich sieben Monaten Resistenzen auf, in seltenen Fällen jedoch auch deutlich später. „Trotzdem besteht ein Gewinn an Lebenszeit und wir haben es hier mit vielen jungen Patienten zu tun, die in dieser Zeit, in der sie auf das Medikament ansprechen, ihr Leben noch einmal in die Hand nehmen können. Trotz aller Euphorie kann die Therapie aber hier nicht stehen bleiben“, sagt Prof. Carola Berking. „Es gibt bereits weitere vielversprechende Ansätze, etwa die Hemmung des entscheidenden Signalwegs an anderen Stellen oder die zusätzliche Hemmung anderer wichtiger Signalwege. Ansatzpunkte, um auch hier das Wachstum der Tumorzellen zu bremsen oder gar zu stoppen sind derzeit Gegenstand wissenschaftlicher Studien.“

 


Kontakt:

Prof. Dr. Carola Berking

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie

der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)

Frauenlobstr. 9-11/Thalkirchner Str. 48

80337 München

Telefon: +49 (0)89/5160-6325

( Während der Fortbildungswoche: +49 (0)89/48098 97100

 


PDF-Download: Pressemeldung