01.06.2010 00:00

Die Leber ist unersetzlich

Neue Forschungsansätze erhöhen Überlebenswahrscheinlichkeit

830 Lebern wurden seit der ersten Lebertransplantation im Juni 1985 im Klinikum der LMU transplantiert. Mit Erfolg: Je nach Art der Ausgangse krankung – Leberzirrhose, akutes Leberversagen oder Leberkrebs – leben nach fünf Jahren noch 80 Prozent der Patienten. Mit diesem hohen Quali- tätsniveau der Ergebnisse zählt das LMU-Klinikum zu den Top 5 der Transplantationszentren in Deutschland. Neben der langjährigen Erfahrung und Expertise tragen dazu eine Reihe therapeutischer Neuerungen ebenso bei wie die enge Vernetzung der einzelnen Fachrichtungen im Klinikum. „Um unsere Patienten vor, während und nach der Transplantation bestmöglich zu betreuen, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Chirurgie, Anästhesie und Innerer Medizin eine zentrale Voraussetzung“, betont Prof. Alexander Gerbes, stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik II und Internistischer Leiter des Leber- transplantations- Programms am Transplantationszentrum München (TxM).

Die Leberfunktion kann nicht von außen ersetzt werden

Für die Leber, die neben der Entgiftung auch für die Bildung lebenswichti- ger Stoffe verantwortlich ist, gibt es – anders als bei Herz oder Niere – kein Ersatzsystem. Für Patienten mit Lebererkrankungen ist die optimale, inter- disziplinäre Versorgung entscheidend. Die Spezialisten im Leber Centrum München (LCM) begleiten die Patienten bis zur Transplantation, der letzten Option bei akutem und chronischem Leberversagen. Eine Möglichkeit, die Wartezeit auf ein Spenderorgan zu verlängern ist TIPS, der „Transjuguläre Intrahepatische Portosystemische Shunt“. Diese Gefäßstütze in der Leber fördert den Blutfluss im Organ und verbessert so auch die Nierendurchblutung. Bei Patienten mit massiv eingeschränkter Leberfunktion besteht diese Option nicht, hier stehen heute aber Medikamente zur Verfügung, mit denen die Wartezeit besser überbrückt werden kann. Die Organvergabe wird von Eurotransplant über ein zentrales Meldesystem koordiniert. Dabei werden die Organe den kränkesten Patienten nach einem Punktesystem (MELD-score) zugewiesen, das auf drei objektivierbaren Werten der Leberfunktion beruht: Billirubin, Kreatinin und Blutgerinnung. Die Diskrepanz zwischen gelisteten Patienten, die auf eine Leber warten und den verfügba- ren Spenderorganen ist groß: Im Schnitt überlebt jeder fünfte Patient die Wartezeit nicht.

Fortschritte und neue Wege in der Transplantationsmedizin

Aktuell erforschen die Mediziner am LMU-Klinikum die Möglichkeit der Züchtung von Leberzellen, die aus peripheren Blutzellen des Patienten gewonnen werden. „Das sind viel versprechende und originelle Ansätze, an denen wir mit Nachdruck arbeiten. Leider ist dies aber im Moment noch nicht am Patienten anwendbar“, erklärt Gerbes. Forschungsergebnisse wurden bereits erzielt in der Vermeidung und Therapie von gefährlichen Komplikationen der Zirrhose, Verbesserung der Organqualität und der Verminderung des Reperfusions- schadens.

Transplantationszentrum München (TxM)

Die Transplantationsexpertise des Klinikums der Universität München ist im Transplantationszentrum München (TxM) gebündelt. Das TxM ist das erste seiner Art in Deutschland. Es umfasst alle Organe (Niere, Leber, Herz, Lunge, Herz-Lunge, Pankreas, Inselzellen, Dünndarm, Multiorgantransplantationen) und bietet eine kompetente Betreuung von Patienten mit Organerkrankungen im Endstadium und von bereits transplantierten Patienten an – sowohl bei Erwachsenen, als auch im Kindesalter.

Terminhinweis: Patientenforum am Campus Großhadern

Für Patienten besteht am 12. Juni 2010, von 9:30 bis 13:00 Uhr, die Möglichkeit, sich über den aktuellen Stand der Forschung und der Behandlungsmöglichkeiten am Klinikum der Universität München zu informieren. Außerdem stehen Erfahrungsberichte und -austausch von Patienten im Mittelpunkt der Veranstaltung. Journalisten sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen. Wir bitten um kurze Anmeldung bei der Pressestelle unter Tel: 089/5160-8068 oder unter julia.reinbold@med.uni-muenchen.de.

 

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