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02.06.2016 15:00

Der Sonderforschungsbereich "Xenotransplantation" wird durch die DFG weitere vier Jahre gefördert

Transplantationen von menschlichen Zellen, Geweben und Organen verlängern nicht nur das Leben der Empfänger, sondern verbessern auch deren Lebensqualität. Limitierender Faktor ist der gravierende Zell-, Gewebe- und Organmangel. Alternative Techniken sind deshalb gefordert. Methoden der Xenotransplantation stellen Alternativen dar, deren klinische Anwendungen in absehbarer Zeit Realität sein werden.

Xenotransplantationen bedeuten Verpflanzungen von tierischen Geweben und Organen – in diesem Fall von Schweinen – auf Primaten und letztendlich auf den Menschen. Um die zu erwartenden starken Abstoßungsreaktionen beherrschen zu können, müssen Schweinezellen, -gewebe und –organe genetisch verändert sein. Bei Zellen kann alternativ eine Ummantelung (Verkapselung) vor Angriffen des Immunsystems schützen.

Der Sonderforschungsbereich "Biologie der xenogenen Zell-, Gewebe- und Organtransplantation – von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung" ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von Grundlagenforschern, Veterinärmedizinern, Virologen, Klinikern, Juristen und Ethikern. Beforscht werden Schweineinselzellen (Insulin-produzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse zur Behandlung von Zuckerkranken), Schweineherzklappen (für den Ersatz erkrankter Klappen im Kindes- und Adoleszenten-Alter) und Schweineherzen.

Gerade eben wurde der bereits 2012 für vier Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte SFB/Transregio 127 um vier weitere Jahre verlängert. Universitäre Partner der beiden Münchner Universitäten sind die Medizinische Hochschule Hannover und die TU Dresden; unterstützende Einrichtungen sind das Robert-Koch-, Paul-Ehrlich- und Friedrich-Loeffler-Institut und das Deutsche Primatenzentrum. Die Fördersumme allein für die bayerischen Projektpartner beträgt 6,3 Millionen Euro. Sprecher und damit Vorstandsvorsitzender war bislang Professor Dr. Bruno Reichart, Herzchirurg und ehemaliger Direktor am Klinikum Großhadern, der sich in der neuen Förderperiode diese Funktion mit Professor Dr. Eckhard Wolf vom Lehrstuhl für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie der LMU München teilt. Die LMU bzw. ihre medizinische Fakultät ist federführende Einrichtung.

Bei der Begutachtung wurde die Einzigartigkeit des Konsortiums von den internationalen und nationalen Gutachtern herausgestellt und dessen Ergebnisse als sehr gut bis exzellent benotet. Auch wurde erwähnt, dass die Fortschritte der vergangenen vier Jahre die Erwartungen übertroffen hätten. Die klinische Behandlung von zuckerkranken Menschen wird für die nun folgende Förderperiode erwartet: Dabei sollen die unbehandelten Inselzellen verkapselt in den Bauchraum des Zuckerkranken eingebracht werden (Methode Dresden). Die Münchner Diabetologen arbeiten mit genmodifizierten Zellen. Eine Hannoveraner Gruppe beschäftigt sich mit der präklinischen Reife von transgenen Herzklappen, die Münchner Herzchirurgen der LMU mit der orthotopen Herztransplantation.

Große Fortschritte wurden beim Generieren von multi-transgenen Spenderschweinen erzielt. Die Gruppe von Professor Dr. Eckhard Wolf generierte dabei unter anderem dreifach genmodifizierte Herzen, die am National Institut of Health (Bethesda/USA), im Bauchraum von Primaten verpflanzt, bis zu drei Jahren schlugen. Erfolgreiche multi-transgene Schweine schufen ebenso die Arbeitsgruppen um Angelika Schnieke (TU München) und Heiner Niemann (Friedrich-Loeffler-Institut, Mariensee). Weitere Durchbrüche gelangen auf dem Gebiet der Gewebe- und Organpräservation und der Entwicklung von wenig toxischen Immunsuppressions-Schemata. Symposien zur Untersuchung ethischer, rechtlicher und gesellschaftspolitischer Aspekte wurden und werden weiterhin durchgeführt.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Dr. h.c. Bruno Reichart

Walter-Brendel-Zentrum

Klinikum der Universität München

Campus Großhadern

bruno.reichart@med.uni-muenchen.de


Prof. Dr. Eckhard Wolf

Lehrstuhl für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie

Genzentrum der LMU

 ewolf@lmu.de

 

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