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18.11.2014 12:00

Neu an der LMU: das Institut für Allgemeinmedizin

Professor Dr. Jörg Schelling leitet die wichtige Einrichtung – der Beruf des Hausarztes soll wieder attraktiver werden

An der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München wurde zum 1. Oktober 2014 das Institut für Allgemeinmedizin gegründet. Seine Aufgabe ist es, Lehre und Forschung in diesem Fach der medizinischen Ausbildung (Medizinisches Curriculum, MeCuM) zu koordinieren und weiterzuentwickeln. An weit über 250 Lehrpraxen in und um München werden Studierende der Medizin in zahlreichen Pflichtveranstaltungen am Patienten ausgebildet, werden sie direkt mit dem Beruf in Berührung gebracht. Zuständig sind ehrenamtlich tätige Lehrbeauftragte, das sind aktive und erfahrene Hausärzte mit besonderem Engagement und didaktischem Geschick.

Leiter des Instituts ist der niedergelassene Facharzt für Allgemeinmedizin, Professor Dr. Jörg Schelling. Er sagt: „In den Lehrpraxen wird der Unterricht unter den Alltagsbedingungen hausärztlicher Praxen durchgeführt. Studierende lernen so die faszinierende Vielfalt der allgemeinmedizinischen Tätigkeit kennen. Wir müssen den Beruf des Hausarztes für den Nachwuchs wieder attraktiv machen.“

Das Institut entwickelte sich aus dem Bereich Allgemeinmedizin, der an der Leitung der Medizinischen Klinik IV angebunden war und von einer Kerngruppe von hausärztlichen Lehrbeauftragten organisiert wurde. Es wurde jetzt als eigenständige Einrichtung innerhalb des Klinikums etabliert. Dies signalisiert eine deutliche Weiterentwicklung der universitären Allgemeinmedizin an der LMU. Professor Schelling: „Das sind wichtige Schritte, um den Beruf des hausärztlich tätigen Allgemeinarztes nachhaltig zu fördern.“

Die dringend notwendige Trendwende soll helfen, um drohende Versorgungslücken, speziell in ländlichen Gebieten, zu schließen. Fachleute gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 jährlich 2.000 Hausärztinnen und Hausärzte ihre Praxen zumachen, Nachwuchs ist Mangelware – immer weniger junge Mediziner haben Lust auf Hausarzt. 2009 wurde ein bundesweites Förderprogramm aufgelegt, zahlreiche Initiativen einzelner Bundesländer, der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Ärztekammern kamen hinzu. Der gewünschte Erfolg blieb aus.

Keine Nachfolger für Landärzte

Professor Dr. Schelling: „Schlagzeilen vom Landarzt, der keinen Nachfolger findet, beunruhigen die Menschen. Bei diesem zentralen Thema herrscht innerhalb der wissenschaftlichen Gesellschaft und bei den Lehrenden an den medizinischen Fakultäten Aufbruchsstimmung. Generell werden alle Studierenden der Medizin so früh wie möglich und durchgängig in allgemeinmedizinischen Lehrpraxen (mit)ausgebildet. Idealerweise kommen sie während ihres gesamten Studiums kontinuierlich mit der Hausarztmedizin in Kontakt. An der LMU geschieht dies bereits in der Vorklinik und wird dann während der klinischen Semester intensiviert. Neben Fertigkeiten und Erfahrungen in typischen Aufgabenstellungen und Arbeitsweisen wird die Freude an diesem abwechslungsreichen Beruf vermittelt. Allgemeinmedizin als Fach ist weit mehr als die Summe der wichtigsten Grundlagen anderer Disziplinen.“

Die Vermittlung der Lehrinhalte geschieht im Rahmen der Novelle der Approbationsordnung. Dazu gehören klassische Lehrformen wie Vorlesungen, Seminare und Unterricht in den Lehrpraxen ebenso wie Online-Kurse, das Pflichtprogramm im praktischen Jahr (PJ) und verschiedene Pflichtwahlseminare. 

Der Arbeitsbereich der Allgemeinmedizin beinhaltet die Grundversorgung aller Patienten mit körperlichen und psychischen Gesundheitsstörungen in der Notfall-, Akut- und Langzeitversorgung. Wesentliche Bereiche der Prävention und Rehabilitation gehören ebenso dazu. Essentielle Lehrinhalte im Studium sind beispielsweise praktische Fertigkeiten wie die körperliche Untersuchung sowie die Vermittlung von guter Gesprächsführung und ärztlicher Haltung. Es gibt eigene Denk- und Herangehensweisen, die speziell von Allgemeinärztinnen und Allgemeinärzten gelehrt werden können.

Wichtige erste Anlaufstelle für Patienten

Klinisch tätige Hausärztinnen und Hausärzte fungieren als erste Anlaufstelle für die Patienten und können auf ihrer Versorgungsebene die Mehrzahl der an sie herangetragenen Gesundheitsprobleme lösen. Professor Schelling: „Darüber hinaus bearbeiten sie im Regelfall mehrere Fragen parallel während eines Arztkontaktes. Hausärztliche Versorgung erhöht zudem die Patientensicherheit durch individuelle, gemeinsame Abwägung von potenziellem Nutzen und Schaden von Diagnostik bzw. Therapie und dient damit teilweise der Vermeidung unnötiger medizinischer Maßnahmen.“

Die Allgemeinmedizin in der universitären Lehre versteht sich als Bindeglied zwischen der ambulanten hausärztlichen Tätigkeit und der klinischen wissenschaftlichen Hochschulmedizin. Professor Schelling: „Das Fach Allgemeinmedizin an der LMU  München wird in Lehre und Forschung weiterhin nach Exzellenz streben und auch als Institut mit mehr Strukturen und Möglichkeiten ein wertvoller Teil der fakultären Vielfalt bleiben. Wir freuen uns auf die jetzt noch intensivere Zusammenarbeit mit den anderen Hauptfächern im Medizinstudium.“

Im Bereich der Forschung werden allgemeinmedizinische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bevorzugt Fragen bearbeiten, die sich aus der Praxis ergeben. Nicht zuletzt durch öffentliche Förderung wird in Deutschland die Versorgungsforschung großzügig unterstützt; in der Allgemeinmedizin gehört sie neben der klinischen Forschung zum Kern des Forschungsfeldes.

Spezialisiert auf den ganzen Menschen

Professor Schelling leitet das Institut als kommissarischer Direktor und ist ein äußerst erfahrener Mann der Praxis. Er sagt: „Die Tätigkeit als hausärztlich aktiver Facharzt für Allgemeinmedizin ist, wie ich aus meiner täglichen Praxis in Martinsried bestätigen kann, ungemein interessant und befriedigend. Der Patient wird in seiner Gesamtheit und in seinem familiären und sozialen Umfeld wahrgenommen und behandelt - Allgemeinmedizin ist spezialisiert auf den ganzen Menschen. Diese Freude am ärztlichen Beruf möchte ich den Studierenden in der Praxis und den Lehrveranstaltungen weitergeben und vermitteln.“


 

Kontakt

Prof. Dr. Jörg Schelling

Institut für Allgemeinmedizin

Pettenkoferstr. 8a

80336 München

Audio-Icon 089/4400-53779

Fax-Icon 089/4400-53520

E-Mail-Icon allgemeinmedizin@med.uni-muenchen.de


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