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13.11.2014 13:00

Professor Dr. Thomas G. Schulze hat den LMU-Lehrstuhl für Psychiatrische Phänomik und Genomik übernommen

Professor Dr. Thomas G. Schulze (Jahrgang 1969) hat den Lehrstuhl für Psychiatrische Phänomik und Genomik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sowie die Leitung des gleichnamigen neugegründeten Instituts (IPPG) am Klinikum der Universität München übernommen. Dem Institut ist eine Spezialambulanz zur Behandlung von Patienten mit bipolarer Störung angegliedert. Der Mediziner und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie kommt von der Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität; dort leitete er den entsprechenden Forschungsschwerpunkt. Im Fokus seiner Arbeit stehen die Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt mit psychischen Erkrankungen wie der bipolaren (manisch-depressiven) Erkrankung, der Schizophrenie oder der Depression. Die Suche nach neuen individuellen Behandlungsstrategien ist ein erklärter Schwerpunkt in der modernen Psychiatrie.


Der neue Direktor ist gebürtiger Nürnberger, verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat sein Studium der Humanmedizin an der Universität Erlangen-Nürnberg, in Barcelona/Katalonien und in den USA absolviert; 1997 promovierte er in Erlangen. Seit 1997 konzentriert er sich wissenschaftlich auf psychiatrisch-genetische Fragestellungen. In seinen bisherigen Positionen in Deutschland (Universität Bonn, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim) sowie in den USA (University of Chicago, National Institute of Mental Health, Johns Hopkins University) hat er maßgeblich an der Etablierung großer Kollektive von Patienten und Kontrollpersonen mitgewirkt. Solche Kollektive bieten die Grundlage für wirklichkeitsnahe Studien und Forschungen. Ein besonderes Augenmerk seiner Arbeit liegt auf der Untersuchung von möglichen genetischen Gemeinsamkeiten und Überlappungen unterschiedlicher Krankheitsgruppen.

National wie international ist Professor Schulze als Forscher umfassend vernetzt. Er ist u.a. Mitglied im Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bzw. mehrerer NGFN-Folgeprojekte, des Bipolar Disorder Genome Study (BiGS) Consortium in den USA sowie des internationalen Psychiatric Genomics Consortium. Professor Schulze ist Sekretär der International Society of Psychiatrics Genetics (ISPG) sowie Vorsitzender der Genetik-Sektion des Weltverbandes für Psychiatrie (WPA), der ihm kürzlich die Ehrenmitgliedschaft verliehen hat. Im März 2015 beginnt seine Amtszeit als Präsident der American Psychopathological Association (APPA) – damit steht zum ersten Mal ein Nicht-Amerikaner an der Spitze dieser bedeutenden Fachgesellschaft. Der Psychiater hat an die 200 wissenschaftliche Artikel publiziert und wurde in seinem Fachgebiet mehrfach ausgezeichnet.

Professor Schulze: „An den Genen kommt natürlich auch die moderne Psychiatrie nicht vorbei. Nahezu alle häufigen psychischen Störungen besitzen eine erbliche Komponente. So liegt der Anteil erblicher Faktoren bei der Schizophrenie oder bei der bipolaren Störung bei um die 80 Prozent. Die moderne Psychiatrie sucht deshalb intensiv nach neuen Behandlungsstrategien, die bei den Ursachen ansetzen können. Mit dem Blick auf die Gene erhoffen wir uns, psychische Erkrankungen früher erkennen und individueller behandeln zu können. So könnte man auch den Erfolg einer Therapie oder Nebenwirkungen von Medikamenten vorab einschätzen.“

In der klinisch-genetischen Forschung arbeiten Grundlagenforscher wie Genetiker und Epidemiologen mit Medizinern in der klinischen Praxis eng zusammen. Psychiatrisch-genetische Forschung ist kein Neuland. Doch bisher hat sich die Forschung vor allem auf Diagnosegruppen konzentriert. „Was fehlt, ist die Orientierung an klinisch-relevanten Fragestellungen", sagt Professor Schulze. „Denn für den Patienten, seine Angehörigen und den Arzt ist die Frage, wie jemand auf eine Therapie anspricht oder wie sich die Symptomatik über die Zeit ändert, von viel größerer praktischer Bedeutung als die Einordnung in eine Diagnosegruppe. Daher wollen wir uns in unseren Untersuchungen vor allem auf den Verlauf der Erkrankungen konzentrieren und die Patienten, aber auch Probanden aus der Allgemeinbevölkerung, über einen längeren Zeitraum untersuchen.“ Die Erkenntnisse seines Teams in der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschergruppe 241 (www.kfo241.de) sollen klären, warum es unter den bisherigen Strategien zu Rückfällen kommt und warum einzelne Patienten auf bestimmte Verfahren nicht ansprechen.


Ansprechpartner:

Prof. Dr. Thomas G. Schulze

Institut für Psychiatrische Phänomik und Genomik

Nußbaumstr. 7

80336 München

Audio-Icon (0)89/4400-55546 (Sekretariat)

Fax-Icon (0)89/4400-55562

E-Mail-Icon thomas.schulze@med.uni-muenchen.de

 
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