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25.07.2014 12:00

Geburtshilfe zwischen Aufklärung und Aufarbeitung

Nach dem Bekanntwerden der Festnahme einer Hebamme, die Infusionen manipuliert haben soll und dadurch Schwangere in erhebliche Gefahr brachte, herrschte in der Geburtshilfe in Großhadern zwischenzeitlich der Ausnahmezustand. Dennoch konnten gestern und heute neun gesunde Kinder zur Welt gebracht werden. Auch erhalten die Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen viel Zuspruch von zufriedenen Schwangeren. „Bei der eigens eingerichteten Hotline für Patientinnen sind bislang 21 Anrufe eingegangen“, sagt Dr. Uwe Hasbargen, Leiter der Geburtshilfe am Campus Großhadern und Ansprechperson für besorgte Anruferinnen.


In der gestrigen Pressekonferenz betonten die Ärzte einhellig, dass nur die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit von hoch qualifizierten Fachleuten eine schnelle Aufdeckung der untypischen Verläufe bei den Kaiserschnitt-Entbindungen möglich machte. Prof. Karl-Walter Jauch, Ärztlicher Direktor des Klinikums der Universität München sieht darin auch die Bestätigung, dass das Qualitätsmanagement am Klinikum funktioniert. „In monatlichen Morbiditätskonferenzen werden schwierige, komplexe oder auffällige Fälle besprochen. Dabei lassen sich Besonderheiten erkennen und es sensibilisiert die Mitarbeiter im klinischen Alltag, auf Ungereimtheiten zu achten und zu reagieren.“ In Großhadern werden monatlich zwischen 10 und 20 Fälle in den sogenannten Morbiditätskonferenzen besprochen (von lat. morbidus = krank) – bei insgesamt zwischen 130 und 160 Geburten pro Monat.

Hintergrund

Eine Hebamme des Klinikums Großhadern steht im Verdacht, in vier Fällen Manipulationen bei Infusionen vorgenommen zu haben, die schwangere Frauen vor der Entbindung erhalten haben. Die Frauen hatten Risikoschwangerschaften und neigten zu verstärkten Blutungen. In die Infusionen wurde Heparin beigemischt, wodurch sich die Blutungsneigung noch erheblich steigerte. In allen vier Fällen sind sowohl die Kinder wie auch die Mütter wohlauf. Die unter Verdacht stehende Hebamme befindet sich in Untersuchungshaft. Die betroffenen Frauen wurden in persönlichen Gesprächen durch die Ärzte umgehend informiert. Das Klinikum hat nach Erhalt eines wissenschaftlichen Gutachtens, das den Verdacht der Manipulation bestätigte, umgehend die Staatsanwaltschaft informiert. Die betroffene Mitarbeiterin ist freigestellt.

Die beschuldigte Hebamme arbeitet seit 2012 in der Geburtshilfe in Großhadern. Die jetzt untersuchten Fälle stammen aus dem Zeitraum April bis Juni 2014. Nach internen Untersuchungen aufgrund gehäuft aufgetretener Komplikationen bei der Entbindung von vier Risikoschwangerschaften und der Ermittlung von Laborwerten hat das Klinikum der Universität München nach Vorliegen eines Gutachtens zu den Inhaltsstoffen der Infusionslösung Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft München gestellt. Noch am selben Tag, am 10. Juli, wurde die erste betroffene Patientin informiert, die weiteren Gespräche erfolgten am Tag darauf (11. Juli). Um die laufenden Ermittlungen nicht zu behindern, wurde in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft und der Polizei keine Information an die Öffentlichkeit gegeben. Mit dem heutigen Tag aber sieht sich das Klinikum in der Pflicht, die Öffentlichkeit über den Vorfall zu informieren. Der Ermittlungsstand ist zudem soweit fortgeschritten, dass auch Polizei und Staatsanwaltschaft darüber berichtet haben.

Natürlich wurden auch sämtliche Infusionen auf weitere Manipulationen untersucht. Es wurden jedoch keine weiteren Hinweise darauf gefunden. Auch sind bei den nachfolgenden Entbindungen keine derartigen Fälle mehr aufgetreten. Als Vorsichtsmaßnahme wurden zudem die Prozesse geändert.

Das Klinikum der Universität München ist zutiefst betroffen über die Vorfälle und arbeitet mit den Behörden eng an einer lückenlosen Aufklärung. Sofern sich dabei neue Erkenntnisse für verbesserte Abläufe ergeben, werden diese überprüft und gegebenenfalls übernommen, wenn damit die Sicherheit und Qualität der Patientenversorgung verbessert werden kann. Den betroffenen Patientinnen stehen die Ärzte für Rückfragen und weitere Untersuchungen jederzeit zur Verfügung. Die Hotline für Schwangere und Patientinnen hat die Telefonnummer: 089/4400-73890

 

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