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14.04.2014 12:00

LMU-Kliniken führen erstmals eine Stuhltransplantation bei Reizdarmpatienten durch

Ärzte des Klinikums der Universität München haben am Campus Großhadern erstmals eine Stuhltransplantation bei einem chronisch kranken Patienten mit einem Reizdarmsyndrom durchgeführt. Die Ergebnisse sind erfolgsversprechend und bieten in Zukunft möglicherweise ein Verfahren, um dem langen Leiden von Reizdarmpatienten ein Ende zu setzen.

Ca. 9-10 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einem Reizdarmsyndrom. Die Beschwerden, wie starke Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfälle, sind bei den meisten Patienten dauerhaft präsent und führen teilweise zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität und Arbeitsausfall. Die Entstehung der Erkrankung ist bislang nur ungenügend verstanden. Zu den vermuteten Ursachen zählen unter anderem eine veränderte Darmaktivität, psychologische Faktoren, Stress, Darminfektionen und Veränderungen der Darmflora oder deren Funktion.

Ein Ärzte-Team aus dem LMU-Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, führte nun erstmals eine Stuhltransplantation an einem 48jährigen Patienten durch. Dieser leidet schon seit über 10 Jahren an einem Reizdarmsyndrom mit erheblichen Einschränkungen im Alltag. Seine lange Leidensgeschichte beinhaltete, unter anderem, mehrfache Diätversuche und Therapieversuche mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten sowie Probiotika. Alle bisherigen Maßnahmen blieben ohne Erfolg.

„Die Erfolgsaussichten gerade bei Patienten mit einem Reizdarmsyndrom vom Diarrhö-Typ sind Studien aus Australien folgend gut, wobei aktuell noch nicht klar ist, wie der Transfer der Darmflora am besten durchgeführt wird“, so Prof. Dr. Martin Storr. „Zusammen mit dem Patienten haben wir uns nach sorgfältiger Abwägung für diese Behandlungsmethode entschieden“. Mittels einer Koloskopie wurde dem Patienten die aufbereitete, gesunde Darmflora eines Familienmitglieds übertragen. Reizdarmpatienten weisen eine im Vergleich zu Gesunden deutlich veränderte Darmflora auf, was mitunter als ein Grund für die Entstehung der Erkrankung angesehen wird. Mittels der Stuhltransplantation, die medizinisch „fäkaler Mikrobiom-Transfer“ heißt, transferiert man eine gesunde Darmflora in einen Patienten mit einem Reizdarm mit dem Ziel, das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen.

Mehrere Studien über derartige Stuhltransplantationen bei Patienten mit Darminfektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile konnten aufzeigen, dass 80% der infizierten Patienten mit einer Stuhltransplantation geheilt werden konnten (siehe Literaturangaben). Laut einer Studie, die Anfang 2013 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, konnte durch eine Stuhltransplantation wieder eine normale Darmflora aufgebaut werden und die Infektion war geheilt. Ein ähnliches Konzept erhofft man sich auch bei Patienten mit einem Reizdarmsyndrom.

Der in München behandelte Patient berichtete schon kurz nach der Stuhltransplantation über ein gebessertes Allgemeinbefinden. Auch die Stuhlunregelmäßigkeiten besserten sich im Verlauf, aber erst die nächsten Monate werden zeigen, ob die Behandlung zu einem langfristigen Erfolg geführt hat.

 


Wissenschaftliche Literatur:

Fecal microbiota transplantation: indications, methods, evidence, and future directions.

Borody TJ, Paramsothy S, Agrawal G.

Curr Gastroenterol Rep. 2013 Aug;15(8):337. doi: 10.1007/s11894-013-0337-1 .

Duodenal infusion of donor feces for recurrent Clostridium difficile.

van Nood E, Vrieze A, Nieuwdorp M, Fuentes S, Zoetendal EG, de Vos WM, Visser CE, Kuijper EJ, Bartelsman JF, Tijssen JG, Speelman P, Dijkgraaf MG, Keller JJ.

N Engl J Med. 2013 Jan 31; 368(5):407-15. doi: 10.1056/NEJMoa1205037

 


Ansprechpartner:

Prof. Dr. Martin Storr

Medizinische Klinik II

Klinikum der der Universität München, Campus Großhadern

Telefon: +49 (0)89/7095-0 (über Telefonzentrale anfunken lassen)

 martin.storr@med.uni-muenchen.de

 
Prof. Martin Storr führt eine Koloskopie-Untersuchung durch