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25.07.2019 12:00

Ältere Menschen und Hitze: Gut durch die heißen Tage

Wissenschaftler des LMU Klinikums erarbeiten Hitzeaktionsplan

  • Ärzte und Wissenschaftler des LMU Klinikums entwickeln Maßnahmenplan für ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen
  • Leuchtturmprojekt mit sieben Pflegeeinrichtungen und der Kommune München soll später bundesweit umgesetzt werden
  • Kostenfreie Schulungsmaterialien für Pflegekräfte und medizinische Angestellte zu hitzeassoziierten

Gesundheitsproblemen in der Pflege
Wie wirkt sich der Klimawandel auf ältere Menschen aus? Wie kann man diese vor Hitze schützen? Wie können sich Pflegeheime auf Hitzewellen vorbereiten? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich derzeit Ärzte und Wissenschaftler des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin sowie des Instituts für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin am Klinikum der Universität München in einem zweijährigen Projekt. Weil durch den Klimawandel auch in Deutschland immer mehr Hitzewellen zu beobachten sind, arbeiten sie an einem sogenannten Hitzeaktionsplan für die stationäre Pflege, der später bundesweit umgesetzt werden soll. Zudem hat das Team bereits Schulungsmaterialien für Pflegekräfte, medizinische Fachangestellte und weitere Multiplikatoren zu hitzeassoziierten Gesundheitsproblemen entwickelt und stellt diese kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Hitze belastet verstärkt ältere Menschen
„Wir sollten während Hitzewellen ein besonderes Auge auf ältere Menschen haben“, sagt Projektleiterin Dr. Julia Schoierer. Ältere Menschen können sich durch ihre eingeschränkte Thermoregulation schlechter an die Hitze anpassen, was für sie sehr anstrengend ist. Zudem ist das Durstgefühl im Alter vermindert. Weitere Risikofaktoren sind unter anderem Pflegebedürftigkeit, chronische und akute Krankheiten, eine verminderte Reaktionsfähigkeit sowie Medikamente, die dem Körper Wasser entziehen.

Hitzeaktionsplan: Risikofaktoren und praktische Tipps
Anders als in anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland noch keinen nationalen Hitzeschutzplan. In dem etwa 40-seitigen Hitzeaktionsplan für die stationäre Altenpflege stellt das Team des Klinikums der LMU unter anderem Risikofaktoren bei Hitze sowie praktische Maßnahmen vor, wie Pflegekräfte und Angehörige ältere Menschen an heißen Tagen gut versorgen können.

„Viel trinken: nicht zu kalt und gut über den Tag verteilt“, rät Hanna Mertes, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, um Austrocknung vorzubeugen. „Und sich das Trinken so angenehm wie möglich machen: zum Beispiel abwechslungsreiche Getränke mixen, die einem schmecken, und in größeren Gläsern bereitstellen.“ Auch äußere Abkühlungen helfen, zum Beispiel Fuß- und Armbäder oder feuchte Tücher im Nacken, um die Waden oder die Unterarme. Ein weiterer Tipp: Die Mittagshitze meiden, die Wohnung morgens und abends lüften und tagsüber die Fenster möglichst abdunkeln.

Kommunales Leuchtturmprojekt – nationale Umsetzung geplant
Der Hitzeaktionsplan wird im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) als kommunales Leuchtturmprojekt in direkter Zusammenarbeit mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt und dem Sozialreferat der Stadt München umgesetzt. Außerdem sind das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, das Institut für Qualität in der Pflege, Landessanitätsdirektion Steiermark sowie sieben Modelleinrichtungen aus der Altenpflege beteiligt. Gemeinsam entwickeln sie derzeit den Maßnahmenplan, setzen ihn ab Sommer 2019 pilothaft um und evaluieren diesen. Ab Frühjahr 2020 soll dieser dann bundesweit Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert das Projekt, das von Oktober 2018 bis September 2020 läuft.

Online-Schulungen für Pflegekräfte und medizinische Fachangestellte
Neben dem Hitzeschutzplan hat das Team des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin bereits Online-Bildungsmodule für Pflegekräfte und medizinische Fachangestellte entwickelt – und bietet diese unter www.klimawandelundbildung.de kostenfrei an. Sie vermitteln Wissen zu hitzeassoziierten Gesundheitsproblemen in der stationären Pflege und Informationen, wie man ältere Menschen während Hitzeperioden adäquat versorgen kann. Das Lehrmaterial beachtet auch die Besonderheiten der ambulanten Pflege und ist zusätzlich auf weitere Gesundheitsberufe übertragbar. In den Schulungen geht es unter anderem um die Bedeutung von Klimawandel und Hitze fürs Gesundheitswesen, um hitzeassoziierte Gesundheitsprobleme, Risikofaktoren und -gruppen, Patientenversorgung und Präventionsmaßnahmen sowie Klimaschutz im Gesundheitswesen.

Ansprechpartnerin:
Dr. phil. Julia Schoierer
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
Klinikum der Universität München
Ziemssenstraße 1
80336 München
089-4400-55392
julia.schoierer@med.uni-muenchen.de

Weitere Informationen zum Hitzeaktionsplan und den Bildungsmaterialien: www.klimawandelundbildung.de

 

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