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11.07.2017 14:15

Prof. Dr. med. Jens Ricke übernimmt LMU-Lehrstuhl für Radiologie

Zum 15. Juni 2017 hat Prof. Dr. Jens Ricke den Lehrstuhl für Radiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie die Direktion der Klinik und Poliklinik für Radiologie am Klinikum der LMU übernommen. Er leitet die beiden Standorte der Klinik am Campus Großhadern und am Campus Innenstadt. Nachdem das vormalige Institut für Klinische Radiologie zur Klinik umformiert wurde, können jetzt Patienten für bildgeführte, mikrotherapeutische Eingriffe ambulant betreut und stationär therapeutisch versorgt werden. Rickes Vorgänger Prof. Dr. Dr. h. c. Maximilian Reiser ist in den Ruhestand getreten.

Der Facharzt für diagnostische Radiologie, Jahrgang 1965, kommt von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Dort war er seit 2006 als Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin tätig. Er ist Mitbegründer und Präsident der Deutschen Akademie für Mikrotherapie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört insbesondere die klinische minimal-invasive Onkologie/Krebstherapie einschließlich der Entwicklung von Eingriffen mittels bildgeführter Mikrotherapie.

Bei der minimal-invasiven Onkologie oder der Mikrotherapie werden bevorzugt bei Tumor-, aber auch bei anderen Patientinnen und Patienten krankhafte Veränderungen unter Einsatz kleinster Instrumente untersucht und behandelt. Bei diesen Eingriffen stützt sich der Arzt auf bildgebende radiologische Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder Röntgendurchleuchtung und kann auf diesem Wege – anders als bei optischen Verfahren wie der Endoskopie oder Laparoskopie – auch in geschlossenen Organen wie Leber, Lunge oder Niere arbeiten, ohne diese oder die Haut eröffnen zu müssen.

Federführend bei neuen Entwicklungen in der Krebsmedizin 

Rickes Arbeitsgruppe hat in den letzten Jahren insbesondere auf dem Gebiet der Onkologie die Entwicklung und klinische Einführung bildgeführter, mikrotherapeutischer Eingriffe vorangetrieben. Die von der Arbeitsgruppe vorgestellte CT-gesteuerte Brachytherapie (eine Strahlenquelle wird direkt am Tumor eingebracht und schädigt diesen) ist mittlerweile Bestandteil der europäischen Leitlinienempfehlungen bei metastasiertem Darmkrebs. Die von Rickes Arbeitsgruppe durchgeführte internationale Multicenter-Studie SORAMIC mit der Kombination der Y90-Radioembolisation (SIRT) mit moderner Systemtherapie bei primärem Leberkrebs zählt mit 665 Patienten und 40 universitären Zentren in elf europäischen Ländern zu den weltweit größten unabhängigen Studien in der Onkologie. Die Ergebnisse werden im Herbst 2017 erwartet.

Ein besonderer Schwerpunkt Rickes ist die Neu- und Fortentwicklung der Bildführung für die Durchführung mikrotherapeutischer Eingriffe. Besonderes Augenmerk liegt auf der Nutzung der MRT für molekulare Bildgebung zur Diagnose und Überwachung sowie als Werkzeug zur Durchführung mikrotherapeutischer Eingriffe. Als strahlungsfreies Medium ist die MRT nicht nur besonders schonend, sondern bietet auch eine überlegene Darstellung des Körperinneren und der Krankheitsherde – und darüber hinaus der Werkzeuge während der Therapie oder bei Positionierung im Körper.

Vorreiter bei der neuartigen klinischen Ausrichtung der Radiologie

Die Radiologische Klinik wird mit eigener Verantwortung in der Führung einer interventionell-radiologischen Station und einer radiologischen Fachambulanz für bildgeführte, mikrotherapeutische Eingriffe außergewöhnlich klinisch ausgerichtet. Die Ambulanz ist im Direktorat der neuen Klinik angesiedelt und steht dort allen Patientinnen und Patienten sowie den Zuweisern zur Verfügung.

Prof. Dr. med. Jens RickeProf. Ricke, gebürtiger Krefelder, studierte Humanmedizin in Düsseldorf und an der UC Davis School of Medicine in Sacramento/USA. Er promovierte 1993 in Düsseldorf und habilitierte 2001 an der Charité, Universitätsmedizin Berlin. Dort am Campus Virchow-Klinikum trat er 2004 eine Professur für Interventionelle Radiologie an. Zwei Jahre später folgte er einem Ruf nach Magdeburg als Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin. Einen Ruf auf den Lehrstuhl für Radiologie an der Universität Regensburg hat er 2010 zurückgegeben. Neben seiner Tätigkeit als Arzt engagiert er sich in einer Reihe radiologischer und onkologischer Fachgesellschaften, letztere auf europäischer Ebene mit der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC) und der European Society of Medical Oncology (ESMO). Er ist Autor von über 200 Publikationen.

Das umfassende Leistungsspektrum der Radiologie

Die Radiologie am Klinikum der LMU beinhaltet das gesamte Spektrum der bildgebenden Verfahren und bildgesteuerten minimal-invasiven oder mikrotherapeutischen Eingriffen. Das umfasst klassische Röntgenaufnahmen und Durchleuchtungsuntersuchungen, die Mammographie, die Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT, auch Kernspin genannt) und den Ultraschall. Molekulare Bildgebung wie die Positronen-Emissions-Tomographie mit integrierter Computertomographie (PET-CT) wird interdisziplinär mit der Klinik für Nuklearmedizin angeboten. Die Klinik und Poliklinik für Radiologie führt eine eigene Bettenstation für therapeutische Eingriffe mit entsprechender Fachambulanz. Die Ausrichtung ist interdisziplinär. Wie bisher werden beispielsweise Tumorpatienten in interdisziplinären Tumorboards besprochen, bei alleiniger interventioneller radiologischer Therapie aber direkt vom Radiologen betreut.

Wichtiges Anliegen: ein sehr persönlicher Kontakt mit Patientinnen und Patienten

Prof. Dr. Ricke: "Als Teil eines der Hochleistungsmedizin verpflichteten Uni-Klinikums nehmen wir ganz unterschiedliche Aufgaben in Forschung, Lehre und Krankenversorgung wahr. Innovationen in der Forschung sowie technische und methodische Weiterentwicklungen kommen unseren Patientinnen und Patienten unmittelbar zugute. Die Entwicklungszyklen vom Konzept bis zur klinischen Erprobung beispielsweise bildgeführter Eingriffe sind durch die enge Verzahnung von Labor, Präklinik und klinischer Forschung in einer Klinik, häufig sogar in Personalunion, erfreulich kurz. Ein besonders wichtiges Anliegen gerade in einem so technikaffinen Fach wie der Radiologie ist ein enger, sehr persönlicher Patientenkontakt, den die eigene Fachambulanz und Therapiestation sicherstellen."

Mit leidenschaftlicher Lehre die Begeisterung der Studierenden wecken

"Für die Zukunft wünsche ich mir, sowohl die patientennahe Hochleistungsdiagnostik als auch die herausragend innovativen, bildgeführten Therapien der Klinik und Poliklinik für Radiologie interdisziplinär verankern und gemeinsam mit den anderen Fachdisziplinen des Universitätsklinikums weiterentwickeln zu können. Und, nicht zuletzt, über eine leidenschaftliche Lehre die Begeisterung für ein wirklich sensationelles Fach und seine für die Patienten so hilfreichen Methoden bei unseren Studenten wecken zu können."


 

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Jens Ricke

Klinik und Poliklinik für Radiologie

Klinikum der Universität München (LMU)

Campus Großhadern und Innenstadt

Audio-Icon 089/4400-72750
E-Mail-Icon jens.ricke@med.uni-muenchen.de