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Wissenschaftliche Spitzenleistungen eröffnen neue Therapiemöglichkeiten

Ernst Jung-Förderpreis geht an Dr. Sebastian Kobold

Priv. Doz. Dr. med. Sebastian Kobold Dr. Sebastian Kobold

Mit dem Ernst Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung 2016 wird der Münchener Tumor-Forscher Privatdozent Dr. med. Sebastian Kobold ausgezeichnet. Seine wegweisenden Arbeiten zu einer besonders bösartigen Krebsart, dem Pankreaskarzinom, befassen sich mit der Entwicklung neuer Eiweiße, die die T-Zellen im menschlichen Immunsystem zur Zerstörung von Pankreaskarzinomzellen befähigen sollen.

Dank des mit 210.000 Euro dotierten Preises der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung kann Dr. Kobold seine Tätigkeit als Assistenzarzt drei Jahre lang unterbrechen und sich ganz der Weiterentwicklung dieses vielversprechenden Ansatzes widmen.

Hoffnung auf neue Behandlungsmethode einer besonders bösartigen Krebsform

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine Tumorerkrankung mit besonders schlechter Prognose. Die in den vergangenen Jahren entwickelten Immuntherapien auf der Basis von T-Zellen sind hier wirkungslos. Eine medizi­nische Innovation könnte dies ändern: Privatdozent Dr. med. Sebastian Kobold, Assistenzarzt am Klinikum der Universität München, arbeitet an der Entwicklung neuer Eiweiße, die T-Zellen zur Zerstörung von Pankreaskarzinomzellen befähigen sollen. Jetzt erhält dieses vielversprechende Projekt eine umfangreiche Förderung: Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung unterstützt Dr. Kobolds Arbeit drei Jahre lang mit dem Ernst Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung. Mit einem Preisgeld von 210.000 Euro zählt er zu Deutschlands höchstdotierten Förderpreisen in seiner Kategorie.

T-Zellen sollen fit werden für den Kampf gegen Pankreaskrebs

Steve Jobs und Patrick Swayze sind daran gestorben, Steffi Grafs Vater Peter, Tenor Luciano Pavarotti und Countrysänger Ray Price, Deep-Purple-Keyboarder Jon Lord, der Medizin-Nobelpreis-Laureat Ralph Steinman und der Mathematiker Benoît Mandelbrot – Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der tödlichsten Krebsformen. Das liegt daran, dass unter anderem Immuntherapien, die sich gegen andere Krebsarten erfolgreich zeigen, gegen Pankreaskrebs unwirksam sind. Das Projekt von PD Dr. Sebastian Kobold und seiner Arbeitsgruppe will das ändern. „Zielgerichtete Therapie des Pankreaskarzinoms durch die Kombination aus bispezifischen Antikörpern und transduzierten T-Zellen“ lautet der Projektansatz: Durch gentechnische Modifizierung von T-Zellen und Entwicklung neuer Proteine sollen T-Zellen so verändert werden, dass sie Pankreaskarzinomzellen zerstören können. Die Förderung durch die Jung-Stiftung ermöglicht Dr. Kobold jetzt, seine Tätigkeit als Assistenzarzt vorübergehend auszusetzen und sich drei Jahre lang ganz auf diesen vielversprechenden Ansatz zu konzentrieren. Das Preisgeld in Höhe von 210.000 Euro unterstützt ihn und sein Team, das innovative Verfahren weiterzuentwickeln und präklinisch zu testen.

Rolf Kirchfeld, Vorstandsvorsitzender der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung, begründet die Förderentscheidung der Fachjury: „Die Jung-Stiftung hon­oriert Ansätze, die das Potenzial haben, neue, klinisch wirksame Therapiemög­lichkeiten hervorzubringen. Ein solcher Ansatz ist der Forschungsgegenstand von Herrn Dr. Kobold.“

Der Ernst Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung zählt nicht nur zu den höchstdotierten Förderpreisen für die medizinische Nachwuchs-Spitzenforschung in Deutschland, sondern will auch gezielt mit dazu beitragen, jungen deutschen Top-Wissenschaftlern im Ausland die Rückkehr an heimische Forschungsinstitutionen zu ermöglichen. Auch bei Dr. Sebastian Kobold ist das der Fall. Nach seinem Studium der Medizin hatte er 2008 seine Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie an der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik (Klinik für Onkologie, Hämatologie, Pneumologie mit der Sektion Stammzelltransplantation) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf begonnen, ehe er 2010 an die Medizinische Klinik und Poliklinik IV am Klinikum der Universität München wechselte. Dort verband er seine klinische Weiterbildung mit dem Aufbau einer experimentellen Arbeitsgruppe in der Abteilung für Klinische Pharmakologie. Er ging 2013 als Visiting Scientist in die USA. Hier brachte er am Dana Farber Cancer Institute in Boston sein tumorimmunologisches Wissen bei der Entwicklung neuer therapeutischer Antikörper ein. Neben seiner wissenschaftlichen und praktischen medizinischen Arbeit widmete sich  Dr. Kobold auch der Lehre. 2014 habilitierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München und nahm im Januar 2015 seine Facharztweiterbildung an der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV wieder auf.

„Medizinische Machtlosigkeit gegenüber manchen Erkrankungen ist nicht hinnehmbar“

„Die Medizin muss sich immer weiter fortentwickeln, bis wir auch den bedrohlichsten Erkrankungen nicht mehr hilflos gegenüberstehen“, das ist Dr. Kobold in seinem beruflichen Engagement Motto und Motivation. Dazu treibt ihn ein wissenschaftlicher Kampfgeist an, der auch persönliche Hintergründe hat: Die geliebte Großmutter erkrankte und verstarb an Krebs. Die Verlusterfahrung wies ihm die Richtung in die klinische und wissenschaftliche Krebsbekämpfung: „Der Zustand medizinischer Machtlosigkeit gegenüber manchen Erkrankungen ist für mich nicht hinnehmbar.“ Gerade Krebs habe etwas erschreckend Faszinierendes, erläutert der junge Mediziner. Er könne sich unbegrenzt vermehren und allen Kontrollmechanismen des menschlichen Körpers entziehen. „Ich denke, aus diesen Prozessen können und müssen wir noch sehr viel lernen, um diese Erkrankung besiegen zu können.“

Auch privat widmet sich Dr. Kobold gern Aktivitäten, die Durchhaltevermögen erfor­dern, macht ausgedehnte Wanderungen, trainiert für Halbmarathons – oder liest ausgiebig. Diese Hobbies, teilt er mit seiner Frau Lisanne Kobold, die er während des Studiums in Frankreich kennengelernt hat.

 

Am 8. Januar 2016 jährt sich der Todestag des Hamburger Reeders, Philanthropen und Stifters Ernst Jung zum 40. Mal. Im Andenken an den großen Förderer der medizinischen Wissenschaft gibt die von ihm ins Leben gerufene Hamburger Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung an diesem Tag die Empfänger ihrer diesjährigen Preise und der Ernst Jung-Medaille 2016 bekannt. Die weiteren Preisträger 2016: Prof. Dr. rer. nat. Hans-Georg Rammensee, Tübingen (Ernst Jung-Preis für Medizin) und Prof. Peter Libby MD, Harvard University (Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold).

 

Quelle: Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung, Foto: Steffen Hartmann


 

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