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Die Zentrale Sterilgutversorgung: Kreislauf der Instrumente

Metall klirrt und klappert, Maschinen brummen und rauschen, Atmosphäre wie in einem Hochsicherheitstrakt mit Zugangskontrollen: Hier im Bauch des neuen Operationszentrums (OPZ) am Campus Großhadern ist im letzten Herbst die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) in Betrieb gegangen. Das heißt, Technologie der Zukunft und modernstes Knowhow, konzentriert auf 1.600 Quadratmetern entsprechend den aktuellsten Hygieneanforderungen. Jeden Tag werden hier komplexe Medizinprodukte (beispielsweise Endoskope, Roboterinstrumente) und ca. 65.000 Instrumente fachkundig aufbereitet ­ – also gereinigt, desinfiziert, durch Sterilisation keimfrei gemacht und wieder für die Anwendung am Patienten bereit gestellt bzw. auf den Weg geschickt.

Operationsinstrumente müssen perfekt sein: keimfrei, ohne Beschädigungen und funktionsfähig.

Nach Meinung von Fachleuten dürfte es derzeit wohl keine modernere ZSVA in Deutschland als die am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) geben.

Sie ist als Dienstleister für 46 Fachkliniken der Maximalversorgung, Abteilungen und Institute am Klinikum am Campus Großhadern und am Campus Innenstadt sowie für externe Kunden tätig. Ca. 2,5 Millionen Euro hat der Freistaat Bayern in die Ausrüstung im OPZ-Untergeschoss mit OP-Fallwagenversorgung investiert.

Das Klinikum der LMU zählt zu den größten Gesundheitseinrichtungen in Deutschland. Pro Jahr werden etwa 500.000 Patienten behandelt, stationär, teilstationär, ambulant. Mit dem Umzug in das OPZ im Herbst 2014 wurden die davor einzelnen Aufbereitungseinheiten zu einer ZSVA zusammengeführt. Eine strategische und organisatorische Neuausrichtung – damit stellte der Vorstand des Klinikums den medizinischen Fortschritt sicher und ebenso die kontinuierliche Optimierung der Patientenversorgung und Patientensicherheit. Denn die Hochleistungsmedizin im OPZ mit neuen OP-Techniken und Diagnostikmöglichkeiten brachte enorme Herausforderungen mit sich, mit innovativer Medizintechnologie und speziellem anspruchsvollem Instrumentarium.

Transport und Lagerung

Benutztes Operationsbesteck wird bis zur Reinigung in der ZSVA gelagert.

Dekontamination

Die benutzten Instrumente werden in speziellen Transportcontainern im unreinen Bereich angeliefert.

Dekontamination

Mit Bürsten, Ultraschall sowie Reinigungs- und Desinfektionsbädern werden die Geräte vorgereinigt.

Dekontamination

Die maschinelle Reinigung erfolgt bei Temperaturen von 90 Grad.

Kontrolle, Pflege und Wartung

Nach der Reinigung werden die Instrumente auf Restverschmutzungen und Schäden untersucht.

Kontrolle, Pflege und Wartung

Im Anschluss an die Prüfung werden die Geräte nach Herstellerangaben zusammengesetzt und gepflegt.

Sterilisation

Die Sterilisation erfolgt meist per Dampf bei 134 Grad und einem Druck von 3 bar, um sämtliche vermehrungsfähige Keime abzutöten.

Verpackung und Kennzeichnung

Alle Sets werden nach Packlisten zusammengestellt und gekennzeichnet.

Verpackung und Kennzeichnung

Alle Utensilien müssen zur Sterilisation in spezielle Container bzw. Materialien verpackt werden. Ansonsten sind sie nach der Herausnahme aus dem Sterilisator sofort unsteril.

Überprüfung und Freigabe

Mit verschiedenen Möglichkeiten wird überprüft, ob die Sterilisation erfolgreich abgelaufen ist.

Überprüfung und Freigabe

Ist der Aufbereitungsprozess insgesamt ordnungsgemäß vonstatten gegangen und ist die Verpackung unbeschädigt, dokumentiert der freigebende Mitarbeiter das entsprechende Protokoll mit seiner Unterschrift.

Die ZSVA wurde als eigene Stabsstelle in die Pflegedirektion integriert.

Leiter ist Anton Forster, Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen, ein ausgewiesener Profi mit umfassender Expertise und entsprechenden Publikationen. Er hat bereits andernorts eine ZSVA aufgebaut und geleitet und engagiert sich stark für die Anerkennung des Berufes Technische/r Sterilisationsassistent/in. Er sagt: "Die höchst anspruchsvollen Aufbereitungsprozesse sowie die verstärkten gesetzlichen und normativen Vorgaben haben die Entwicklung zum eigenständigen Spezialgebiet notwendig gemacht. Durch neue Therapieverfahren mit nahezu grenzenlosem Leistungsspektrum hat sich die Qualität der Behandlungen enorm erhöht. Neben der modernsten Technik erfordert die Aufbereitung vor allem eine spezielle Qualifizierung und Ausbildung der Mitarbeiter. Schließlich muss gewährleistet sein, dass für die sichere Behandlung der Patienten zu jeder Zeit die richtigen Instrumente und Geräte in einwandfreier Qualität und Funktionsfähigkeit zur Verfügung stehen."

Die ZSVA versorgt täglich 45 OP-Säle und 268 Versorgungsstellen am Klinikum.

Die Instrumente werden in OP-Siebe gepackt, von Pinzetten und Klemmen bis zu kompletten Sets für einen Hüftgelenkersatz oder eine stereotaktische Gehirnoperation, aber auch eine Organtransplantation. Die OP-Siebe tragen zusätzlich zur Kennziffer die entsprechende Bezeich Bezeichnung, anhand der Kennziffer lässt sich nachverfolgen, welcher Mitarbeiter es in Händen hatte. Die Zusammenstellung der OP-Siebe wird kontinuierlich mit den Klinikdirektoren (Chefärzten) besprochen und optimiert. Täglich werden ca. 100 sogenannte Fallwagen zusammengestellt und zum angemeldeten OP-Termin zu den OP-Sälen geschickt. Sie sind nach präzisen Stücklisten jeweils mit dem nötigen individuellen Sterilgut für Patient und Eingriff gepackt. Dafür werden die Daten aus dem OP-System (geplantes Vorgehen, Materialbedarf) direkt in das ZSVA-System übermittelt. Die Fallwagen-Logistik erlaubt ein wesentlich effizienteres Bestandsmanagement. Sie verbessert die Abläufe der Beschaffung und Lagerung sowie der zeitnahen Bereitstellung und senkt dadurch auch die Kosten.

Die ZSVA am Klinikum wurde in Zusammenarbeit mit der Fachschule für Hygienetechnik, Bodenschatz (FHT) als eine von 60 Bildungsstätten in Deutschland für die Fachkundeausbildung und Qualifizierung der Mitarbeiter von der Deutschen Gesellschaft für Sterilgutversorgung (DGSV e. V.) als Ausbildungsstätte anerkannt. Anton Forster ist fachlicher Leiter der Bildungseinrichtung der DGSV.