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Anschlag in München

Schnelle Verfügbarkeit umfassender Notfallkapazitäten

Die Notaufnahme am Campus Großhadern Campus Großhadern

25.07.2016 - Beim Katastrophenalarm aufgrund des Anschlags in München am Freitagabend wurden im Klinikum der Universität München mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter binnen kurzer Zeit in die Kliniken gerufen. Am Campus Großhadern standen 15 Teams in der Nothilfe für die Versorgung von Verletzten zur Verfügung. Am Campus Innenstadt standen mit 11 komplett einsatzfähigen Notfallteams (acht in der Chirurgischen Klinik und drei in der Haunerschen Kinderklinik) die gleichen Ressourcen zur Verfügung. Koordiniert wurde der Einsatz mit maßgeblicher Unterstützung des Institutes für Notfallmedizin und Medizinmanagement am LMU-Klinikum.

Ein Team besteht jeweils aus Fachärzten der Chirurgie und Anästhesie sowie Pflegekräften und umfasst 6-8 Personen. Diese Teams begleiten die Patienten vom Schockraum, in dem die Erstversorgung stattfindet, über eine gegebenenfalls erforderliche bildgebende Diagnostik bis in den OP. "Diese Teams können dann auch den Eingriff vornehmen, dadurch entfällt die Übergabe, es gibt keinen Zeit- und Informationsverlust", erklärt Dr. Andreas Beyer, Einsatzleitung am Campus Großhadern, das Konzept. Um eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten stehen chirurgische Experten der Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie, Neurochirurgie und Kinderchirurgie sowie Experten aus der Radiologie zur Verfügung.

"Die Lage in der Innenstadt wurde erheblich erschwert durch die Tatsache, dass wir Informationen hatten, dass eine weitere höherwertige Amoklage in unmittelbarer Nähe am Stachus bestünde und darüber hinaus an mehreren Orten in der Innenstadt geschossen würde. Damit konnten wir eine Gefährdungslage für den Campus Innenstadt bzw. die Chirurgische Klinik nicht ausschließen", fasst Dr. Gordon Hoffmann, Oberarzt der Klinik für Anaesthesiologie, die Lage am Freitagabend zusammen. "Dementsprechend entschlossen wir uns - ad hoc und ohne die Möglichkeit auf Vorausplanungen zurückgreifen zu können - mehrere mögliche Schutzräume im Gebäude zu definieren und die Teams und Mitarbeiter dort dezentral zu verteilen", so Hoffmann. Alle stationären Patienten wurden in den Kliniken am Campus Innenstadt versorgt.

Insgesamt wurden fünf Patienten versorgt, darunter ein ambulanter Fall und vier Patienten, die stationär aufgenommen wurden. Zwei mussten operativ nach Schussverletzung versorgt werden, alle Patienten sind stabil. Insgesamt standen an beiden Standorten rund 30 Intensivbetten zur Verfügung. Prof. Dr. Wolfgang Böcker, Leiter der Unfallchirurgie am Klinikum der Universität München: "Als zertifiziertes Traumazentrum erwartet man von uns schnelle und kompetente Hilfe. Da ist es gut zu wissen, dass es in der Praxis auch funktioniert und wir im Notfall umfangreiche Kapazitäten im Schockraum, bei Operationen und auch auf den Intensivstationen zur Verfügung stellen können." Für die Versorgung standen sechs Computertomographen für eine rasche Bildgebung bereit.

"Umso beeindruckender ist diese Notfallkapazität als zugleich bereits große Operationen liefen, wie etwa eine Lungentransplantation und ein neurochirurgischer Notfalleingriff", ergänzt Prof. Dr. Karl-Walter Jauch, Ärztlicher Direktor des Klinikums der Universität München.