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Pädiatrische Neurologie

Alkohol in der Schwangerschaft kann fatale Folgen haben

16.06.2016 - Knapp 30 Prozent aller Frauen in Deutschland trinken in der Schwangerschaft in einem moderaten oder riskanten Ausmaß Alkohol. 16 Prozent geben ein Rauschtrinken an, d.h. die Frauen konsumieren mindestens fünf alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit. Eine Unbedenklichkeitsschwelle für Alkohol gibt es jedoch nicht. Die Zahlen beziehen sich auf die Studie Gesundheit in Deutschland Aktuell GEDA 2012.

Schädigungen, die durch Alkoholexposition im Mutterleib hervorgerufen werden, werden unter dem Oberbegriff Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD - fetal alcohol spectrum disorders) zusammengefasst. Laut Expertenschätzung wird in Deutschland von einer Häufigkeit der FASD von mindestens ein Prozent aller Kinder ausgegangen. Zu den FASD gehören das Vollbild Fetales Alkoholsyndrom (FAS), das partielle Fetale Alkoholsyndrom (pFAS) und die alkoholbedingte entwicklungsneurologische Störung (ARND).

Die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml sagte bei der Netzwerktagung FASD Bayern am 15. Juni 2016 im Klinikum der Universität München, "ich unterstütze ausdrücklich Initiativen zur Aufklärung und Wissensvermittlung über die Gefahren von Alkohol in der Schwangerschaft." Die Tagung veranstaltet haben gemeinsam das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, die SBB gGmbH des Landesverbandes Bayern für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. sowie das Dr. von Haunersche Kinderspital des LMU-Klinikums.

"Eine für das ungeborene Kind ungefährliche Menge an Alkoholzufuhr im Mutterleib kann nach aktuellem Wissenstand nicht bestimmt werden", sagt Dr. Mirjam Landgraf, Kinderärztin und Diplompsychologin im Dr. von Haunerschen Kinderspital. "Wegen der Toxizität von Alkohol für das kindliche Gehirn beinhaltet das Krankheitsbild FASD – neben einer möglichen Störung des körperlichen Wachstums und potentieller Gesichtsauffälligkeiten – multiple und schwerwiegende Beeinträchtigungen der Betroffenen in der Entwicklung, in speziellen intellektuellen Fähigkeiten und im Verhalten. Die meisten dieser Beeinträchtigungen persistieren lebenslang", erklärt Frau Dr. Landgraf.

Melanie Huml - Byy. Staatsministerin für Gesundheit und Pflege

Nur ein kleiner Teil der Betroffenen erhält tatsächlich die Diagnose FASD. Eine korrekte und frühe Diagnose ist jedoch wichtig, um die Kinder in einem protektiven Umfeld adäquat zu fördern und damit deren Langzeit-Funktionsniveau im Alltag, insbesondere hinsichtlich eines selbstständigen Lebens und Arbeitens sowie der Vermeidung von sekundären Erkrankungen, zu verbessern. "Wir müssen präventiv noch mehr auf die Frauen zugehen", betont Gesundheitsministerin Melanie Huml, "aber auch informieren und helfen, wenn Kinder betroffen sind." Angesprochen ist letztlich die gesamte Gesellschaft, die Gefahren richtig einzuschätzen. "Wir müssen dahin kommen, dass Schwangeren kein Alkohol mehr angeboten wird."

Das Wissen um die möglichen, gravierenden Schädigungen des Ungeborenen durch Alkoholexposition im Mutterleib ist sowohl in der allgemeinen Bevölkerung als auch in der Fachwelt nicht ausreichend verbreitet und verinnerlicht. Die Vernetzung der relevanten professionellen Helfer im bayerischen Gesundheits- und Sozialsystem in Form des Netzwerkes FASD Bayern soll ein erweitertes Wissen der Fachwelt über FASD bewirken und damit die Basis für eine intensivierte Aufklärung der bayerischen Bevölkerung bilden. Damit soll ein erster Schritt zu einer Verbesserung der Versorgung betroffener Menschen in Bayern getan werden.

 

Kontakt

Dr. med. Dipl.-Psych. Mirjam N. Landgraf

Abteilung für Pädiatrische Neurologie,

Entwicklungsneurologie und Sozialpädiatrie iSPZ Hauner

Dr. von Haunersches Kinderspital

Klinikum der Universität München

E-Mail-Icon mirjam.landgraf@med.uni-muenchen.de