Startseite » Aktuelles » Aktuelles » Langzeit-Archiv » 50 Jahre Notarztdienst
Jubiläum in der Unfallrettung

50 Jahre Notarztdienst

05.04.2016 - Am 30. März 1966 um 12:02 Uhr rückte die Berufsfeuerwehr München zusammen mit einem Notarzt aus dem Klinikum der LMU zum ersten Mal zu einer Unfallstelle aus. Die Beamten holten den Arzt in der Poliklinik am Campus Innenstadt ab, um ihn anschließend zum Einsatzort an die Isar zu fahren. Dieser Tag vor 50 Jahren stellt die Geburtsstunde des organisierten Notarztdienstes in München dar. Seit dieser Zeit hat sich der Dienst zu einer Institution entwickelt, die im Großraum München nicht mehr wegzudenken ist.

Foto: Berufsfeuerwehr München (Wagen ist 1972 in Dienst gegangen) Foto: Berufsfeuerwehr München

Angefangen mit 151 Einsätzen im Jahr 1966, musste der Notarztdienst 2015 ganze 37.782 Mal ausrücken. Ins Leben gerufen hatten den Notarztdienst damals der Unfallchirurg Prof. Fritz Holle und der Chef der Münchner Feuerwehr Karl Seegerer, nachdem es immer wieder an der Einsatzstelle Probleme bei der Versorgung der Verunglückten gegeben hatte. Damals war das Prozedere bei einem Notfall noch umständlich - und kostete wertvolle Minuten. "Heute ist die Notfallversorgung in wichtigen Bereichen standardisiert und folgt Leitlinien, so z.B. bei der Versorgung von Patienten mit Polytrauma, bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sepsis", erklärt Prof. Uwe Kreimeier, Leitender Oberarzt in der Klinik für Anästhesiologie und Ärztlicher Leiter Rettungsdienst München.


Der Beginn des Notarzt-Rendezvous-Systems

Der damalige Oberbranddirektor Karl Seegerer hatte aus seiner Zeit bei der Kölner Berufsfeuerwehr mitgenommen, wie wichtig ein Notarzt in einem Rettungssystem ist. Dort hatte er den ersten Notarztwagen kennengelernt, der dort versuchsweise bei der Feuerwehr in Zusammenarbeit mit der Chirurgischen Klinik der Universität betrieben wurde. Seegerers Gedanke war es, auch in München sicherzustellen, dass Notfallpatienten (Brandverletzte wie Unfallopfer) zu jeder Zeit eine erste sachgerechte ärztliche Versorgung am Ort des Geschehens erhalten. Dazu fehlten anfangs die ärztlichen Partner. Nach dem Angebot von Prof. Holle, kam es einige Zeit später zu einem persönlichen Kontakt. Kurz darauf sicherte die Klinik der LMU der Berufsfeuerwehr zu, auf telefonischen Abruf jederzeit einen geeigneten Arzt an den Unfallort zu entsenden. Damit entstand das sogenannte "Rendezvoussystem".

Im Januar 1968, zwei Jahre nach dem ersten Notarzteinsatz, wurde der erste Notarztwagen an der Chirurgischen Universitäts-Poliklinik in Dienst gestellt. Er brachte entscheidende Verbesserungen bei der Behandlung, Betreuung und Begleitung der Patienten auf dem Transport mit sich. Gleichzeitig gab man im Januar auch das bisherige Rendezvous-System auf. Schon früh war der Klinikleitung und der Branddirektion klar, dass die Einführung eines Stationierungssystems für eine Großstadt im Vergleich zu einem Rendezvous-System mit Abholen des Notarztes von einer Klinik die bessere Lösung ist.

"Auch heute noch ist der Notarzt an der Chirurgische Klinik in der Nußbaumstraße ein sehr wichtiger Faktor in der Versorgung verunfallter Patienten in München, aber das Behandlungsspektrum hat sich mit internistischen, pädiatrischen und anderen chirurgischen Notfällen deutlich erweitert", erläutert der Direktor der Klinik, Prof. Dr. Wolfgang Böcker. "Heute wird der Notarztwagen Mitte gemeinsam durch Chirurgen, Anästhesisten und Internisten betrieben. Durch die enge Anbindung der präklinischen Notfall-Versorgung an den Klinik wird weiterhin auch ein hohes Niveau gewährleistet", sagt Böcker.
"Für die Behandlung häufiger oder besonders schwerwiegender Einsatzmeldungen wie zum Beispiel 'akuter Brustschmerz', 'Polytrauma', oder 'Bewusstlosigkeit' wird nach speziellen Algorithmen vorgegangen um eine möglichst standardisierte und effektive Behandlung des Patienten zu gewährleisten", erläutert PD Dr. Viktoria Bogner-Flatz, Leiterin des Notarztstandorts München Mitte.

Heute gibt es 11 Notarztstandorte, die rund um die Uhr besetzt sind. Zusammen mit dem fliegenden Notarzt im Rettungshubschrauber, dem toxikologischen Notarzt, dem Kinder-Notarzt sowie dem Neugeborenen-Notarzt gewährleistet der Münchner Notarztdienst eine optimale ärztliche Erstversorgung im Stadtgebiet und im Landkreis.


Heute ist die Chirurgische Klinik in der Nußbaumstraße München einer der wichtigsten Standorte für die Unfallchirurgie im Großraum München und zugleich ein Zentrum des Traumanetzwerks München-Oberbayern. Die Chirurgische Klinik am Campus Innenstadt des Klinikums der Universität München feiert heuer 125 Jahre Jubiläum.

Quelle: Feuerwehr München