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Hebamme vor Gericht

Der Prozess gegen eine ehemalige Hebamme sorgt für große öffentliche Aufmerksamkeit. Die begleitende Berichterstattung in den Medien enthält bisweilen unterschiedliche Darstellungen der Vorgänge. Das Klinikum der Universität München stellt daher nochmals die Informationen zur Verfügung, die im Jahr 2014 bereits der Presse und der Öffentlichkeit mitgeteilt worden sind und stellt insbesondere klar, dass bei keiner unserer damals betroffenen Patientinnen die Gebärmutter entfernt werden musste.

29.07.2014 – Die Vorgänge, die von der MTK-Klinik in Bad Soden bekannt gegeben wurden, unterstreichen, dass die Verdächtige erhebliche kriminelle Energie aufbrachte, um Manipulationen bei Schwangeren auszuführen. Nur durch die hoch qualitative Arbeit in den Geburtseinrichtungen konnten die Vorfälle schnell entdeckt und weitere verhindert werden. Mangels eines Beweises, eines gerichtlichen Urteils oder eines Geständnisses musste man trotz der unbestätigten Vorfälle in Bad Soden von einer Unschuldsvermutung ausgehen. Es wurde aber verstärkt im Team in München darauf geachtet, ob derselbe Wirkstoff erneut manipulativ eingesetzt wurde. Die Manipulationen in München waren jedoch von ganz anderer Art und noch schwieriger festzustellen.

Die Hinweise aus Bad Soden auf missbräuchliche Medikamentenanwendung gingen acht Wochen nach der Einstellung ein, von Kiel lagen keine Hinweise vor. Bei der Einstellung legte die Hebamme ein einwandfreies Zeugnis vor. Die besondere Beobachtung nach dem zeitnah geführten Personalgespräch konzentrierte sich vor allem auf die vom vorherigen Arbeitgeber gemachten Anmerkungen zum missbräuchlichen Medikamenteneinsatz. Dabei ging es um einen Wirkstoff, der Wehen auslösen kann. Die Arbeit um Uniklinikum in München verlief bis dahin ohne Auffälligkeiten. Auch im Anschluss gab es keine Anhaltspunkte für Manipulationen durch die Hebamme.

Die 2014 festgestellten Manipulationen in München unterscheiden sich grundlegend von den aus Bad Soden berichteten Hinweisen auf missbräuchlichen Medikamenteneinsatz und es wurden Patientinnen/Schwangere ausgewählt, die auf Grund ihrer vorbestehenden geburtshilflichen Diagnosen ein hohes Blutungsrisiko aufwiesen. Dadurch war es besonders schwierig, hier zunächst überhaupt einen unnatürlichen Verlauf zu erkennen. Dass die Manipulation aber so schnell festgestellt wurde, gelang nur aufgrund der interdisziplinären Expertise der Mediziner am Uniklinikum München. Nachdem die Fakten bei vier Fällen einen Verdacht auf Manipulation mit Heparin ergaben, erstattete das Klinikum der Universität München Anzeige gegen unbekannt, was in der Folge zur Festnahme der beschuldigten Hebamme führte.

Internet-Icon Pressemitteilung vom 25.07.2014 - Geburtshilfe zwischen Aufklärung und Aufarbeitung