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Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 31.10.2015

Überprüfung ergibt auch in diesem Einzelfall keine Hinweise auf Manipulationen

Das Klinikum am Campus Großhadern Campus Großhadern

Der Bericht der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Wem gehört das Herz“ über angebliche Manipulationsversuche zur HU-Listung am Klinikum Großhadern und am kooperierenden Klinikum Neuwittelsbach stützt sich auf die Aussage eines Patienten. Eine bereits vorgenommene interne Prüfung hat keine Hinweise auf systematische Manipulationen ergeben. Vielmehr zeigen sich Widersprüche zu etlichen der geäußerten Vorwürfe (siehe dazu den Abschnitt „Hintergrund“).

Dennoch wirft der Fall Fragen auf und erfordert eine sorgfältige Betrachtung.

Das Klinikum Großhadern bedauert, dass die Kommunikation, ob schriftlich oder mündlich, durch den oder die behandelnden Ärzte und Pflegekräfte in diesem Fall wenig angemessen und offensichtlich geeignet war, Missverständnisse hervorzurufen.

Das Klinikum Großhadern ist bereits allen in diesem Zusammenhang geäußerten Vorwürfen sorgfältig nachgegangen und wird dies auch weiterhin machen und dabei – sofern erforderlich – selbstverständlich mit externen Stellen zusammenarbeiten. Das gilt auch für die nach wie vor nicht zu Ende geführte Diskussion um die Behandlung von schwer herzkranken Patienten mit Kreislauf unterstützenden Medikamenten auf der Intensivstation vor der Listung als high urgent bei Eurotransplant (http://www.klinikum.uni-muenchen.de/de/aktuelle_startseite/aktuelles/150615_herz-tx/index.html).

 

Abkürzungen: U=urgent (dringend); HU=high urgent (sehr dringend, „überlebenswichtig“), T=transplantierbar, NT (nicht transplantierbar); BÄK=Bundesärztekammer; PÜK=Prüfungs- und Überwachungskommission der Auftraggeber (Bundesärztekammer, Krankenkassen, Krankenhausgesellschaft); Dekompensation=Entgleisung der Organfunktion(en); Rekompensation=nach D. erfolgt Wiederherstellung der Organfunktion(en)

 


Hintergrund:

Wurden HU-Anträge für Patienten gestellt, die nicht auf der Intensivstation lagen und damit auch nicht für eine HU-Listung in Frage gekommen wären?

Es gibt keinen Fall, wo Ärzte in Großhadern oder im Krankenhaus Neuwittelsbach für Patienten einen Antrag auf HU Listung an Eurotransplant gestellt hätten, die nicht auf der Intensivstation lagen. Um dies zu dokumentieren, werden bei allen Anträgen regelhaft die Kopien der Intensivbögen der letzten 48 Stunden mitgeschickt. Auch die intensive Überprüfung durch die PÜK hat keine Hinweise darauf ergeben, dass sich Patienten im HU Status nicht auf der jeweiligen Intensivstation befanden.

Gab es Patienten im HU Status, die keine Kreislauf unterstützenden Medikamente erhielten?

Es gibt durchaus Fälle von Patienten, die im Status HU nicht auf kreislaufunterstützende Medikamente angewiesen sind, z.B. Patienten mit malignen, therapierefraktären Rhythmusstörungen oder mit nicht behandelbarem Lungenhochdruck. Diese Fälle werden transparent an die Auditoren übermittelt und von diesen ggf. akzeptiert. Auch der oben beschriebene Einzelfall, ein Patient, der sich nie im HU Status befand und für den auch nie ein entsprechender Antrag gestellt wurde, hätte aufgrund seiner Erkrankung nicht mit diesen Medikamenten behandelt werden können. Insofern konnte sich bei ihm – selbst wenn jemand die Absicht gehabt hätte – nie die Frage einer Manipulation mit Kreislauf unterstützenden Medikamenten stellen.

Ist es möglich, dass Ärzte Druck auf Patienten ausgeübt haben, um diese zu einer HU-Listung zu überreden?

Es würde ärztlichem Handeln widersprechen, Druck auf Patienten auszuüben. Dafür gibt es keine Hinweise. Auch hat das Klinikum keinerlei Interesse, auf Patienten Druck auszuüben, um sie zu einer HU-Listung zu bewegen. Dies wäre rechtlich und ethisch überaus fragwürdig. Zudem kann man einen Patienten nicht einfach HU listen, es geht zunächst um die Evaluation des klinischen Zustands, der bei Dekompensation ggf. zur HU-Listung führen kann.

Die Patienten stellen sich in der Regel in kurzen regelmäßigen Intervallen bei den sie ambulant betreuenden Internisten/Kardiologen vor. Diese übermitteln unseren Herztransplantationsspezialisten die jeweils aktuellen Werte. Wenn es zu einer Verschlechterung dieser Werte kommt, muss davon ausgegangen werden, dass bei dem jeweiligen Patienten die akute Gefahr einer kardialen Dekompensation besteht.

In diesen Fällen wird den Patienten angeboten, sich stationär, bei entsprechendem marginalem Zustand auch auf einer Intensivstation, untersuchen zu lassen. Dazu muss natürlich ein Bett verfügbar sein. Wenn der Patient aus persönlichen Gründen das Angebot einer solchen Evaluation ablehnt, liegt das in seiner eigenen Verantwortung.

Sollte sich aus diesen Evaluationen die mit aufwändigen und umfangreichen klinischen und laborchemischen Untersuchungen verbunden sind, ergeben, dass der Patient aktuell klinisch dekompensiert ist, wird er entsprechend behandelt, mit dem Ziel ihn zu rekompensieren. Sollte dies nicht möglich sein und erfolgten die vorangegangenen Dekompensationen in kurzen Abständen, wird mit dem Patienten die Frage eines möglichen HU Antrags bei Eurotransplant besprochen, ebenso die Alternative der Implantation eines Herzunterstützungssystems.

Es ist nicht bekannt und prinzipiell ausgeschlossen, dass HU gelistete Patienten die Klinik Neuwittelsbach zwischendurch für eine Woche verlassen haben. Bei der ausführlichen Auditierung durch die PÜK von 64 der in dem entsprechenden Zeitraum transplantierten 95 Patienten ist es in keinem einzigen Fall zu einer Auffälligkeit bezüglich des Aufenthaltes auf der Intensivstation gekommen.

Ist es möglich, dass einem Patienten in Aussicht gestellt wurde, durch Manipulation seiner Werte eine HU-Listung zu erreichen?

Es gibt durchaus immer wieder schwerstkranke Patienten, die nach Ansicht der vor Ort betreuenden Ärzte dringlich ein Herz benötigen, von Auditoren (die ja bei der Beurteilung lediglich auf die mitgeschickten Befunde angewiesen sind und den Gesamtzustand des Patienten nicht kennen) aber abgelehnt werden. Für diese Patienten gibt es dann tatsächlich alternative Möglichkeiten, z.B. die Implantation eines Herzunterstützungssystems. In Großhadern wurden nach derzeitiger Kenntnis weder für Patienten, die nicht HU waren, Anträge auf HU-Listung gestellt, noch wurden nicht notwendige Maßnahmen ergriffen, die HU-Anträge erlaubt hätten.

Leider wurden in einigen wenigen Arztbriefen, Patientendokumentationen oder bei der Kommunikation mit Patienten offensichtlich Maßnahmen, die der Evaluation des klinischen Patientenzustandes dienten und lediglich bei entsprechenden Ergebnissen zu einem Antrag auf HU Status bei Eurotransplant hätten führen können, pauschal unter dem Begriff „HU-Listung“ subsumiert. Dass dabei der falsche Eindruck entstehen konnte, diese Maßnahmen seien nur zum Zwecke eines folgenden HU-Antrags durchgeführt worden, ist bedauerlich. Gerade ein Patient/medizinischer Laie kann daraus natürlich auch falsche Schlüsse ziehen, die ihn verunsichern. Insofern wird unser Bestreben sein, zukünftig sicherzustellen, dass in der Kommunikation eindeutige Formulierungen verwendet werden.

Ist es möglich, dass HU-gelistete Patienten sich außerhalb der Intensivstation aufhalten oder in der Intensivstation „Trainingsgeräte“ installiert bekommen?

Das Klinikum Großhadern hält es für ausgeschlossen, dass HU-gelistete Patienten im Krankenhaus Neuwittelsbach, abgesehen von vorsichtigen, dem kritischen Zustand angepassten Mobilisationen, die bei bis zu sechsmonatigen Intensivaufenthalten für die Operabilität des Patienten unabdingbar sind, „auf der Station herumliefen“. Dies würde darüber hinaus voraussetzen, dass der fragliche Patient, der damals selber in einem sehr kritischen Zustand war, wusste, wer HU gelistet war und mitbekam, wer auf dem Flur herumlief. Das gleiche gilt für die Installation einer „Stange für Klimmzüge“.

Werden Patienten ohne Notwendigkeit in eine intensivmedizinische Umgebung gebracht, um eine HU-Listung nach außen hin zu rechtfertigen?

Ein solches Szenario ist nicht vorstellbar. Welchen Sinn würde ein solches Vorgehen machen? Zum Zeitpunkt, an dem sich eine solche Inszenierung abgespielt haben soll, gab es noch keinerlei „Vorort-Überprüfungen“ der U oder HU Meldungen. Darüber hinaus war bei diesem Patienten, wie oben bereits dargestellt, die Gabe von Kreislauf unterstützenden Medikamenten nicht indiziert und hätte aufgrund der Grunderkrankung bei einem entsprechenden Antrag auch keine Rolle gespielt.