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Neue Krankheiten und ein neuer Chef

Prof. Hoelscher ist neuer Direktor der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin

Täglich reisen tausende Kriegsflüchtlinge nach Deutschland – eine soziale, eine organisatorische, aber auch eine medizinische Herausforderung. "Menschen, die aus Syrien und anderen Kriegsgebieten zu uns kommen, konfrontieren uns mit einer Krankheit, die bei uns kaum noch existiert - mit der Tuberkulose", sagt Prof. Michael Hoelscher, Direktor der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin. Der Mediziner hat am 1. Oktober die Führungsposition von seinem Vorgänger Prof. Thomas Löscher übernommen – und neue Herausforderungen in seinem Fachgebiet dazu.

Prof. Dr. Michael Hoelscher arbeitet seit 1996 in der Abteilung, war vielfach in Afrika vor Ort. Sein Spezialgebiet ist neben der HIV-Infektion auch die Tuberkulose.

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkulose-Erregern infiziert, und jede Sekunde kommt ein neuer Fall hinzu. Doch nur 9 von 100.000 Deutschen haben Tuberkulose, dagegen bis zu 300 pro 100.000 Flüchtlinge. Die Krankheit (im Volksmund Schwindsucht genannt) wird durch Bakterien ausgelöst und per Tröpfcheninfektion, also durch Anhusten oder Anniesen, übertragen. Tuberkulose ist eine Krankheit, die nach der Infektion mit den Erregern bis zu einem Jahr braucht, bis sie ausbricht. "Therapiert wird sie mit vier verschiedenen Antibiotika, die sechs Monate lang genommen werden müssen", erklärt Prof. Hoelscher. Für seine Abteilung bedeutet die Tuberkulose ein Engagement auf unterschiedlichen Ebenen: "Wir helfen bei der Untersuchung der Neuangekommenen in der Bayernkaserne, wir haben zusammen mit der Stadt München und  Hilfsorganisationen einen runden Tisch für Gesundheitsbedürfnisse von Flüchtlinge gegründet und wir bieten Weiterbildung für Hausärzte an, die in der Zukunft mehr Patienten mit Migrationshintergrund behandeln werden und vielleicht überhaupt noch nie einen Tuberkulose-Patienten gesehen haben", erzählt Hoelscher. Die Tuberkulose ist dabei nicht die einzige Erkrankung, mit der deutsche Ärzte plötzlich konfrontiert sind: Auch das durch Kleiderläuse übertragene Rückfall-Fieber steht plötzlich im Fokus. Diese vereinzelten Fälle stellen jedoch keine Gefahr für die Gesundheit der Allgemeinbevölkerung dar. Allen fremdenfeindlichen Deutschen, die gleich eine medizinische Gefahr durch Flüchtlinge sehen, gibt Hoelscher mit auf den Weg: "Flüchtlinge sind allgemein eher gesünder als die deutsche Bevölkerung, sie leiden seltener unter Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislaufkrankheiten."

Professor Löscher geht in den Ruhestand … aber nicht ganz!

Thomas_LoescherEr hat eine ganze Ära geprägt: 25 Jahre war Prof. Dr. Thomas Löscher Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin. Unter seiner Leitung entstand das große Forschungszentrum (Mbeya Medical Research Center) in Tanzania, an dem u.a. die HIV-Infektion und ihre Behandlung erforscht wird. Die Region dort war auch die erste in Afrika, an der die HIV-Infektionen zurück gingen. "Die Krankheit hat heute viel von ihrem Schrecken verloren, die Patienten haben eine fast normale Lebenserwartung", sagt Prof. Löscher. Was ihn besonders freut: "Mein Nachfolger, Professor Hoelscher, hat dort als Doktorand angefangen, mit ihm kommt jemand, der unser Haus gut und lange kennt." Weitere Highlights in Löschers Amtszeit: Die Gründung des Center for International Health der LMU und der neue Ph.D.-Studiengang International Health, den seine Abteilung betreut und an dem Studenten aus der ganzen Welt teilnehmen. Ph.D. steht für "philosophiae doctor" und ist in englischsprachigen Ländern der Doktorgrad mit der Berechtigung, an einer Universität zu lehren. Wirklich in den Ruhestand geht Löscher übrigens nicht, er bleibt seinem Nachfolger als Mitarbeiter erhalten. "Ich werde u.a. wieder in Afrika forschen, dazu hatte ich die letzten Jahre viel zu wenig Zeit", so Löscher.

Kontakt:

Prof. Dr. Michael Hoelscher

Direktor der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin

Klinikum der Universität München

Leopoldstraße 5

80802 München

 089/2180-17601

 hoelscher@lrz.uni-muenchen.de