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Behandlung erfolgte gemäß aktuellem Wissensstand

LMU-Klinikum widerspricht der Bewertung von Herz- Transplantationen durch die BÄK-Kommission

15.06.2015 - Das Klinikum der Universität München widerspricht nachdrücklich der Darstellung der Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer, dass in 17 Fällen bei Herz-Transplantationen in den Jahren 2010 bis 2012 manipuliert worden sei. Des Weiteren stehen in vier von insgesamt mehr als 500 Dringlichkeitslistungsfällen Dokumentationsfehler im Raum, die jedoch keinerlei Einfluss auf die Zuteilung der Organe hatten.

Die 17 strittigen Fälle stehen im Zusammenhang mit der Problematik unterschiedlicher Interpretationen der Eurotransplant-Vorgaben zur Gabe von herzunterstützenden Medikamenten (Katecholamine, Phosphodiesterase-Hemmer). Die Verabreichung und die Art und Weise der Verabreichung dieser Medikamente ist eine der Voraussetzungen, um terminal herzkranke Patienten bei Eurotransplant mit höchster Dringlichkeit zu listen und damit die Chance auf ein Organ zu eröffnen.

Die vom Klinikum der Universität München und seinen kooperierenden Krankenhäusern seit Jahren aus medizinischen Gründen bevorzugte und angewandte intermittierende Behandlung (Puls- oder Intervalltherapie) entspricht dem aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse. Eine mehrwöchige oder gar -monatige kontinuierliche Gabe hat indessen keinerlei wissenschaftlich belegten Nutzen und ist mit erheblichen Nebenwirkungen assoziiert. Diese von der Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer als „richtlinienkonform“ geforderte dauerhafte Therapie mit Höchstdosis ohne Pausen wird von mehreren angesehenen Experten, die hierzu um Stellungnahme gebeten wurden, als unterlegene medizinische Alternative bewertet.

Eigene klinische Erfahrungen zur Pulstherapie mit herzunterstützenden Medikamenten bei Patienten, die hochdringlich auf eine Transplantation warten, sind im Fachmagazin „Clinical Research in Cardiology“ im April 2015 unter dem Titel „A single German center experience with intermittent inotrops for patients on the high-urgent heart transplant waiting list“ und bereits vorab online veröffentlicht worden (doi:10.1007/s00392-015-0852-1).

Unabhängig von der vorgenannten medizinisch umstrittenen Auslegung der Vorgaben zum Therapieschema der Medikamentengabe handelt es sich bei allen 17 Fällen zweifelsfrei um Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz, die auf der Intensivstation nach Ausschöpfung aller alternativen Behandlungsmöglichkeiten trotz hoch dosierter Therapie mit Katecholaminen und/oder Phosphodiesterasehemmern nicht rekompensierbar waren und Zeichen des beginnenden Organversagens aufwiesen. Das Klinikum der Universität München hat darüber hinaus bei allen Anträgen auf Gewährung des Dringlichkeits-Status die in der Eutrotransplant-Vorgabe geforderte Mindestdauer der Medikamentengabe unstreitig eingehalten sowie die dort geforderte Dosisgrenze erreicht. Die langsame Dosissteigerung im Rahmen der intermittierenden Gabe war durch Übersendung der Intensivbögen der letzten 48 Stunden vor Listung transparent für Eurotransplant und für die Auditoren der Prüfungs-und Überwachungskommission der Bundesärztekammer erkennbar.

Die Auslegung der Eurotransplant-Vorgaben durch die Prüfungs-und Überwachungskommission der Bundesärztekammer ist deshalb nach Auffassung des Klinikums und seiner Rechtsberater nicht zutreffend. Der Vorwurf einer vorsätzlichen oder gar systematischen Manipulation verbietet sich daher und wird strikt zurückgewiesen.

Das Klinikum der Universität München wurde bereits im Frühjahr 2010 von einer Kommission der Bundeärztekammer visitiert. Diese  Kommission hatte damals alle aktuell im Klinikum und einer kooperierenden Klinik liegenden hochdringlichen Patienten überprüft. Dabei wurde ihr das im Klinikum angewandte Therapieschema der intermittierenden Katecholamingaben erläutert. Die Kommission bewertete dies als völlig unauffällig und lobte die hervorragende Betreuung der Patienten ausdrücklich. Es ist nicht nachvollziehbar, wieso ein Therapieschema, welches im Jahr 2010 als adäquat und richtig beurteilt wurde, retrospektiv nun als systematische Falschmeldung bewertet wird.

Die intermittierende Therapie mit herzunterstützenden Medikamenten bei hochdringlichen Patienten wird derzeit weiterhin vom Klinikum und seinen Kooperationspartnern angewendet, transparent durchgeführt und dokumentiert sowie von den Eurotransplant-Auditoren akzeptiert. Das Klinikum hat darüber hinaus Maßnahmen getroffen, die Dokumentation noch weiter zu verbessern, um zukünftig Missverständnisse oder Fehlinterpretationen weitestgehend ausschließen zu können.

Das Klinikum der Universität München bittet die Bundesärztekammer, die Richtlinien dem Stand der medizinischen Wissenschaften anzupassen und keine unberechtigten Manipulationsvorwürfe zu formulieren.