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"Health and Environment-wide Associations based on Large Population Surveys"

HEALS: Ein europäisches Projekt zur Identifikation der Lebenszeitexposition gegenüber Schadstoffen

Das Projekt HEALS (Health and Environment-wide Associations based on Large Population Surveys) wird im Rahmen des 7th Framework Programms der Europäischen Union finanziert. Mit einer Laufzeit von 2013 bis 2018 sind  insgesamt 29 internationale Kooperationspartner aus 15 Ländern an der Umsetzung beteiligt. HEALS wird von der Université Pierre et Marie Curie in Paris geleitet und umfasst ein Gesamtbudget von 14,8 Mio €. Das Institut und Poliklinik für Arbeits-, Umwelt- und Sozialmedizin des Klinikums der Universität München ist unter Leitung von PD Dr. med. Stephan Böse-O’Reilly in 6 der insgesamt 20 Arbeitspaketen involviert. Aus Deutschland sind außerdem die Universität Stuttgart und das Klinikum der Universität Regensburg beteiligt.

Projektziel  ist die Entwicklung einer ganzheitlichen Methodologie zur Identifikation und Entschlüsselung des individuellen Exposoms über die Lebenszeit, beginnend bei der Empfängnis. Der Begriff Exposom wurde 2005 vom Direktor der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), Chris Wild, etabliert und beschreibt die Abbildung der Gesamtheit von Expositionen gegenüber toxischen Substanzen und anderen Risikofaktoren, die in der Lebensspanne zur Entstehung von Erkrankungen beitragen. Das Exposom wird somit als Ergänzung zum Genom als Ursache von Erkrankungen herangezogen. Im Rahmen von HEALS werden endogene und exogene Expositionen simultan betrachtet.

Das HEALS Konsortium wird gemeinsam eine ganzheitliche Methodik und die Anwendung der zugehörigen analytischen und rechnerischen Instrumente erarbeiten und verfeinern, um umfangreich Studien zu Assoziationen von Gesundheit und Umwelt durchzuführen. Hauptziel ist, die individuelle Exposition über die Lebensspanne abzubilden, indem Wohnortswechsel und somit Expositionswechsel berücksichtigt werden. Neben chemischen Umweltexpositionen werden auch Belastungen durch z.B. UV-Strahlung, Lärm oder auch sozioökonomische und ernährungsbedingte Einflüsse berücksichtigt. HEALS betrachtet  vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Kinder, schwangere Frauen und ältere Menschen schwerepunktmäßig, aber auch Krankheitsbilder wie Allergien, Asthma, neurologische Entwicklungsstörungen,  neurodegenerative Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes bei Kindern sowie spezielle umweltbedingte Gesundheitseffekte.

Neben der Durchführung von eigenen (Zwillings-) Studien werden im Rahmen des Projekts vorliegende Datenbestände von großangelegten Bevölkerungsstudien aus der Europäischen Union verwendet. Die Forscher des Projekts werden Metaanalysen durchführen, indem Daten von unterschiedlichen Studien zusammengeführt werden. Somit kann die statistische Power und die Wahrscheinlichkeit, einen signifikanten Effekt zu finden, erhöht werden. Zwillingsstudien haben eine besondere Bedeutung im HEALS-Projekt, da bei identischem Genotyp  unterschiedliche epigenetische Effekte auf Umweltexpositionen zurückgeführt werden können. Die Verwendung von Analysemethoden zur Identifikation von Kontaminanten in neuen und konservierten Proben sowie die Anwendung von Techniken zur Bestimmung der Genexpression und Proteomik erhöhen das Potential, um Marker als auch Assoziationen zwischen Expositionen und signifikanten Gesundheitsendpunkten aufzudecken.

Das Forscherteam des Klinikums der Universität München ist in leitender Position in der Organisation und Durchführung von Trainings und Workshops zur Verbreitung der HEALS Methodologie tätig. Inhaltlich wird ein Beitrag zur Verknüpfung von Expositionen gegenüber Metallen, Metalloiden und Pestiziden mit neurologischen Entwicklungsstörungen und neurodegenerativen Erkrankungen geleistet. Darüber hinaus trägt das Team um PD Dr. med. Stephan Böse-O’Reilly zu einer umfangreichen Zusammenstellung und Bewertung von vorhanden Methoden und Verfahren zur Analyse von humanem Biomaterial bei. Neben der Mitwirkung am geplanten Expositions- und Gesundheitssurveys ist schließlich auch die Verbreitung der Methoden und Ergebnisse sowie die Sicherstellung des Wissenstransfers ein expliziter Arbeitsauftrag des Münchener Teams.  

 


Kontakt:

PD Dr. med. Stephan Böse-O’Reilly

Klinikum der Universität München

WHO Collaborating Centre for Occupational Medicine

Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin

Arbeitsgruppe Pädiatrische Umweltepidemiologie

Ziemssenstr. 1, 80336 München

E-mail: Stephan.Boeseoreilly@med.uni-muenchen.de

Telefon: 089-5160-2301

Internet: www.klinikum.uni-muenchen.de/Institut-und-Poliklinik-fuer-Arbeits-Sozial-und-Umweltmedizin/de

 


Text:

In Anlehnung an und teilweise übersetzt nach Mercè Garí (CSIC), 2014. Zugriff unter: http://www.dicat.csic.es/dicat/en/noticias/300-heals-proyecto-europeo-para-descifrar-la-exposicion-acumulada-a-contaminantes