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Rettungsflüge sind (über-)lebenswichtig

Intensivtransport mit Hubschrauber Campus Großhadern: Intensivtransporthub-schrauber im Anflug

Im Zusammenhang mit Flügen des Intensivtransporthubschraubers „Christoph München“, der am Campus Großhadern stationiert ist, kommt es immer wieder zu Nachfragen. Besonders nächtliche Flüge werden hinterfragt. Dabei steht bei jedem Einsatz möglicherweise ein Menschenleben auf dem Spiel, zumindest aber ist ein akuter medizinischer Notfall zu versorgen. Koordiniert werden die Einsätze über die Koordinierungszentrale für Intensivtransporte in Bayern, angesiedelt in der integrierten Leitstelle München. Der in Großhadern stationierte Intensivtransporthubschrauber ist einer von insgesamt drei in ganz Bayern, neben Regensburg und Nürnberg, die 24 Stunden täglich einsatzbereit sind und somit rund um die Uhr zur intensiv- und notfallmedizinischen Versorgung der Bevölkerung beitragen.

Notfälle kommen in allen Lebenslagen vor

Einwohner von Ballungsgebieten und insbesondere Anwohner großer Kliniken profitieren unmittelbar von der Verfügbarkeit medizinischer Leistungen an allen Tagen im Jahr, 24 Stunden pro Tag. Flächendeckend kann dies nur über den Einsatz der Luftrettung gewährleistet werden. Der Intensivtransporthubschrauber (ITH) „Christoph München“ wurde erstmals 1991 in Großhadern im Auftrag des Rettungszweckverbands München auf Grundlage der Genehmigung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr in der Luftrettung stationiert. Er kommt bei schweren und sehr schweren Erkrankungen oder Verletzungen von Patienten zum Einsatz.

Der in München eingesetzte Hubschrauber des Typs EC 145 ist aufgrund seiner Größe, der intensivmedizinischen Ausstattung, der Platzverhältnisse und seiner Reichweite optimal geeignet, um sogenannte „intensivmedizinische Maximaltherapien“ durchzuführen. Dazu können auch intensivmedizinische Zusatzgeräte aus dem Klinikum der Universität an Bord genommen werden, die es erlauben, Patienten mit akutem Atemnotsyndrom (ARDS) oder Herz-Kreislaufversagen verschiedenster Ursache zu transportieren. Hierbei kommen intensivmedizinischen Verfahren wie eine spezielle Form einer transportablen Herz-Lungen-Maschine (ECLS oder ECMO) oder eine in der Hauptschlagader liegende (intraaortaler) Pumpe zur Herzunterstützung (IABP) zum Einsatz. Auch bei schweren Unfallereignissen mit polytraumatisierten Patienten wird der Hubschrauber als schneller Notarztzubringer und für den anschließenden schnellen und patientenschonenden Transport eingesetzt.

Intensivtransport eines Frühgeborenen

Gleiches gilt für werdende Mütter mit komplizierter Schwangerschaft, die unter intensivmedizinischer Therapie schonend und schnell an ein sog. „Perinatal-Zentrum“ gebracht werden, das auf die Behandlung dieser Mütter und deren Neugeborenen spezialisiert ist. Zudem zählen regelmäßig Inkubatortransporte, bei denen Frühgeborene bzw. Babys mit schweren gesundheitlichen Problemen in einem speziellen Brutkasten transportiert werden, zu den Aufgaben des ITH. Darüber hinaus wird „Christoph München“ Tag und Nacht zur Rettung von Notfallpatienten eingesetzt. Innerhalb von 15 Minuten kann der Hubschrauber jeden Einsatzort im Umkreis von 60 Kilometern erreichen. Durch die Nähe zu den Bayerischen Alpen werden im Bereich der Notfallrettung auch Bergrettungseinsätzen durchgeführt.

Nicht jeder Einsatz bringt Patienten nach Großhadern, ist aber medizinisch immer notwendig

Eine selektive Einsatzübernahme ist in der Praxis nicht möglich: Bei der Auftragsvergabe, also der Alarmierung des ITH, ist insbesondere bei Notfalleinsätzen noch unklar, welches Krankenhaus für die Versorgung des Patienten geeignet und aufnahmebereit ist. Es ist also weder für Disponenten der Rettungsleistelle noch für die Crew des ITH zu diesem Zeitpunkt ersichtlich, ob der Transport ans Klinikum als Krankenhaus der maximalen Versorgungsstufe entweder notwendig oder möglich ist. Somit muss der einsatzbereite Hubschrauber im Sinne des Patienten ohne Zeitverzug zum Einsatz kommen auch wenn das Zielkrankenhaus noch nicht definiert ist.

Durch die Piloten der Station München erfolgt eine Einhaltung der vom Luftamt Südbayern festgelegten Anflugwege bei allen An-und Abflügen. Dies kann durch die Radardaten der Deutschen Flugsicherung sowie über die Daten des Betreiber übergreifenden Flugverfolgungssystems der Luftrettung in Deutschland (Rescuetrack®) nachgewiesen werden. Eine Abweichung von den festgelegten Verfahren ist nur im Einzelfall durch höchste Dringlichkeit zur Rettung von Menschenleben oder Flugsicherheitsgründen zu rechtfertigen. Der Landeplatz darf somit nur im unmittelbaren Zusammenhang mit Patiententransporten angeflogen werden. Er darf nur im Rahmen eines konkreten  Rettungseinsatzes zur Betankung genutzt werden – dazu gehört auch eine Betankung eines „Fremdhubschraubers“, damit dieser wieder an seinen Standort zurückkehren kann. Wird der Landeplatz durch die Polizeihubschrauberstaffel Bayern angeflogen, so erfolgt dies in der Regel im Rahmen eines Patiententransportes, den auch die Polizeihubschrauber im Rahmen der dringlichen Amtshilfe zusammen mit dem Rettungsdienst durchführen.

Jeder profitiert von einer flächendeckenden Versorgung

Die finanziellen Kosten dieses Luftrettungssystems trägt die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten, die Belastungen durch Lärmemmissionen der Luftrettungsmittel kann unsere Gesellschaft ebenfalls nur solidarisch tragen. Die Betreiber bemühen sich, die Belastungen der Anwohner so gering wie möglich zu halten. Ein Menschenleben zu retten ist die vordringlichste Aufgabe der Besatzung eines Intensivtransporthubschraubers und der Kliniken, die die Patienten aufnehmen. Davon profitiert jeder, der unabhängig von der Tages- oder Nachtzeit bei einem Unfall oder einer plötzlichen lebensbedrohlichen Erkrankung dringend intensivmedizinische Hilfe benötigt.

Im Jahr 2012 wurden etwa 457 nächtliche Flugbewegungen für den ITH „Christoph München dokumentiert; dies entspricht ca. 230 Einsätzen, bei denen entweder Start oder Landung in der Zeit zwischen 22:00 und 6:00 Uhr liegen. Alle Einsätze dienten der notfallmäßigen Verlegung von Patienten oder der primären Notfallrettung.

 


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