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Personalisierte Medizin in der Strahlentherapie

11.09.2013 - Jährlich erkranken in Deutschland etwa 20.000 Menschen an Krebs im Hals- und Kopf-Bereich. Die Heilungschancen für diese lange Zeit wenig untersuchte Krebsart sollen unbedingt verbessert werden. Aus diesem Grund erforscht die Klinische Kooperationsgruppe „Personalisierte Radiotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren“, anhand welcher molekularer Marker in den Tumoren sich die Wirksamkeit einer Strahlentherapie vorhersagen lässt. Die enge Verzahnung von Klinik und Forschung gewährleistet dabei, dass die Erkenntnisse der Forscher möglichst rasch den Patienten zugutekommen.

PD Dr. Anna Friedl PD Dr. Anna Friedl

Tumorzellen entstehen aus normalen Körperzellen durch die Anhäufung einer großen Zahl genetischer und epigenetischer Veränderungen. Einige dieser Veränderungen haben einen Einfluss darauf, wie gut Tumore auf verschiedene Therapieformen ansprechen. Würde man die Bedeutung einzelner Veränderungen für den Therapieerfolg kennen, könnte man den Patienten maßgeschneiderte, also personalisierte, Therapiekonzepte anbieten.

Die Klinische Kooperationsgruppe (KKG) „Personalisierte Radiotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren“ ist eine gemeinsame Einrichtung des „Helmholtz Zentrums München - deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt“ und der „Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Klinikum der Universität München“. KKGs fördern translationale Forschung. Diese Art der Forschung dient dazu, Erkenntnisse aus der Grundlagenwissenschaft möglichst zeitnah auch für die klinische Praxis verwertbar zu machen.

Forschern der Abteilung Strahlenzytogenetik1 des Helmholtz Zentrums München ist es in Vorarbeiten gelungen, chromosomale Veränderungen zu identifizieren, die gehäuft bei Plattenepithel-Karzinomen des Kopf-Hals-Bereiches auftreten, die wenig empfindlich auf Strahlentherapie reagieren. „Im Rahmen der KKG soll die Aussagekraft dieser Marker durch Untersuchungen an weiteren Patientengruppen validiert, also in ihrer Gültigkeit bestätigt werden“, erläutert PD Dr. Anna Friedl, Leiterin der KKG "Personalisierte Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren" am Klinikum der Universität München. Zugleich wird mit neuesten genetischen und epigenetischen Methoden genomweit nach weiteren, für den Therapieerfolg relevanten, Veränderungen gesucht. Systembiologische Ansätze ermöglichen die Integration der verschiedenen experimentellen Datensätze sowie eine Verknüpfung mit den klinischen Daten. Sie verfolgen das Ziel, prädiktive, also vorhersagende, Marker und Signaturen für die Wirkung von Strahlentherapie zu identifizieren. Die Kenntnis derjenigen Stoffwechselwege, die zu einer Resistenz der Tumorzellen gegenüber ionisierender Strahlung beitragen, erlaubt es gleichzeitig nach Wirkstoffen zu suchen, die für eine Verbesserung der Therapieempfindlichkeit der Tumoren eingesetzt werden können. Anna Friedl: „Ziel des gemeinsamen Projektes ist somit die Verbesserung der Heilungschancen bei gleichzeitiger Minimierung der Nebenwirkungen der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren, indem individuelle Konzepte für Prognose und Therapie entwickelt werden.“

 


1  Die Abteilung beschäftigt sich mit der Analyse strahleninduzierter Chromosomen- und DNA-Schäden in verschiedenen Zellsystemen und in menschlichen Tumoren.

Link zur Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie