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Aktuelle Information zur Transplantationsmedizin

17.04.2013 - Die Untersuchungen von Lebertransplantationen an deutschen Kliniken sind nach wie vor Thema in den Medien. Am LMU-Klinikum haben sich sowohl die vom bayerischen Wissenschaftsministerium beauftragte „Mühlbacher-Kommission“ wie auch die Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) der Bundesärztekammer ein Bild von den Lebertransplantationen der vergangenen Jahre gemacht. Die intensiven Prüfungen beider Gremien haben erwartungsgemäß keinerlei Anhalt für Manipulationen oder Datenfälschungen ergeben.

Transplantationschirurgie am LMU-Klinikum Transplantation im LMU-Klinikum

Darüber hinaus konnte der Vorab-Zusammenfassung der Auditoren entnommen werden, dass entsprechend dem Sachstand zum Ende der Prüfung die gegenüber Eurotransplant angegebenen Dialysen und Hämofiltrationen indiziert waren und auch tatsächlich durchgeführt wurden, die übertragenden Laborwerte korrekt und plausibel waren, die Rescue-Allokation berechtigt und nachvollziehbar waren, alle HU („high urgency“)-Meldungen einwandfrei waren und die in den Richtlinien vorgegebene Alkoholkarenz immer eingehalten wurde. Letztes wurde als geradezu vorbildlich bezeichnet.

Unterschiedliche Meinung zwischen der Kommission und den Experten des Klinikums gab es lediglich in Bezug auf die Auslegung der Richtlinien zu den Standard-Exceptions für HCC´s. Es geht darum, ob singuläre Lebertumore mit einem Durchmesser unter zwei Zentimetern ein ausreichender Grund für eine Bevorzugung bei Lebertransplantationen sind. Der Leiter der Transplantationschirurgie, Prof. Dr. Karl-Walter Jauch, betrachtet das Vorgehen als regelkonform. „Es macht doch keinen Sinn, wenn eine Regelung vorschreiben würde, dass man Tumore erst wachsen lassen muss, bevor der Patient transplantiert wird und er aufgrund der Leberzirrhose sowieso dringend einer Transplantation bedarf.“ Ein Konsens konnte hier nicht erzielt werden, es bestand allerdings zweifelsfrei Einigkeit darüber, dass sowohl Formulierung als auch Inhalt dieser Richtlinie dringend überholt und konkretisiert werden müssen.

Der Leiter des Transplantationszentrums München der LMU, Prof. Dr. Bruno Meiser, betont, dass vor allem die guten Ergebnisse bei den Überlebensraten die Arbeit und Qualität am LMU-Klinikum bestätigen. „Im Zeitraum seit 2007 haben wir bei mehr als 270 durchgeführten Lebertransplantationen eine durchschnittliche Einjahresüberlebensrate von über 82 Prozent erreicht“, so Meiser. In Bayern erzielte lediglich Würzburg einen noch besseren Wert. Dort wurden allerdings im gleichen Zeitraum nur 16 Patienten transplantiert

Die Zuteilung von Spenderlebern in Deutschland erfolgt im Wesentlichen nach dem Kriterium der Dringlichkeit. Die Dringlichkeit einer Lebertransplantation wird mit Hilfe des MELD-Scores abgeschätzt. Der MELD score beinhaltet die Laborparameter Serum-Bilirubin, Serum-Kreatinin und INR (Gerinnungsparameter). Bestimmte Erkrankungen werden in ihrer Dringlichkeit nicht ausreichend im MELD-Score abgebildet. Patienten mit diesen Erkrankungen (z. B. Hepatozelluläres Karzinom, Primär sklerosierende Cholangitis) erhalten daher Sonderpunkte, um eine zeitgerechte Transplantation zu ermöglichen.

Die Erfolgsaussicht einer Lebertransplantation lässt sich jedoch nur unzureichend mit mathematischen Gleichungen berechnen, weshalb auch in Zukunft die ärztliche Erfahrung und Einschätzung essentiell für den Erfolg einer Lebertransplantation sein werden.

Die Indikation für eine Organtransplantation wird am Klinikum der Universität München grundsätzlich interdisziplinär gestellt. Bei der Lebertransplantation sind daran federführend Viszeralchirurgen, Hepatologen, Anästhesisten und Intensivmediziner sowie Psychiater beteiligt. Die Patienten werden in gemeinsamen Konferenzen besprochen (mehr als 10 Mitglieder), die Entscheidung im Konsens getroffen. Darüber hinaus wird während der wöchentlichen interdisziplinären Lebertransplantations-Konferenzen auch der Status jedes Patienten besprochen, Updates des MELD scores werden anschließend an das Transplantations-Zentrum weitergeben.

Mit mehr als 1.300 Leber-, Nieren-, Pankreas, Herz-, Lungen- und Dünndarmtransplantationen in den letzten 5 Jahren zählt das Klinikum der Universität München zu den fünf größten derartigen Zentren in Deutschland

 


Weitere Informationen zur Transplantationsmedizin am Klinikum der Universität München finden Sie auch in unserem Magazin KLINIKUMaktuell

PDF-Download: Link zur Ausgabe 1/2013

PDF-Download: Link zur Ausgabe 4/2012