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Leibniz-Preis der DFG: LMU-Forscherin Erika von Mutius ausgezeichnet

07.12.2012 - Erika von Mutius, Professorin für Pädiatrische Allergologie an der LMU und Oberärztin in der Kinderklinik und Kinderpoliklinik am Dr. von Haunerschen Kinderspital, bekommt den Leibniz-Preis 2013 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Diese wichtigste Auszeichnung in der deutschen Wissenschaft ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert.

Wie entstehen Krankheiten wie Asthma bronchiale und Allergien – und wie lassen sie sich verhindern? Der Forschungsschwerpunkt von Erika von Mutius lässt sich in dieser einfachen Frage zusammenfassen. Die Antworten darauf aber sind wegen des komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren nur schwer zu finden. Die Medizinerin hat dazu bereits große epidemiologische Studien durchgeführt und etwa – nach der sogenannten Hygiene-Hypothese – gezeigt, dass Kinder eine verringerte allergische Disposition zeigen, wenn sie auf dem Bauernhof und damit in der Nähe von Tieren aufwachsen.

Aber auch Stadtkinder entwickeln seltener Asthma oder Allergien, wenn sie sehr früh mit anderen Kindern in Berührung kommen. Vermutlich nutzt das heranreifende Immunsystem die Krankheitserreger in Stall und Krippe als „Sparringpartner“ und bekommt so gar keine Gelegenheit, beispielsweise harmlose Pollen als vermeintlich gefährliche Eindringlinge zu bekämpfen. Neben der Umwelt spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle: Im Rahmen des EU-Projekts GABRIEL, das von Mutius mit koordinierte, konnte sie eine Genvariante nachweisen, die wesentlich zu Asthma beiträgt.

Jedes zehnte Kind leidet an Asthma

Aber auch andere genetische Risikofaktoren sind bekannt, die der Lungenerkrankung Vorschub leisten. Dabei handelt es sich um Varianten von Genen, die normalerweise dabei helfen, das Immunsystem auf Schäden in den Schleimhäuten, die die Atemwege auskleiden, aufmerksam zu machen. Andere Gene kontrollieren möglicherweise, in welchem Umfang die geschädigten Atemwege repariert werden. Fraglich ist nun, wie es zu den Schleimhautdefekten kommt. Noch sind viele Zusammenhänge nicht geklärt. An Antworten – und neuen Therapien – aber gibt es Bedarf: In Deutschland leiden bereits rund zehn Prozent aller Kinder an Asthma – und die Zahlen steigen weiter.

Erika von Mutius leitet als Oberärztin die Asthma- und Allergieambulanz am Dr. von Haunerschen Kinderspital des Klinikums der Universität München. Im Oktober 2004 wurde sie zur Professorin für Pädiatrische Allergologie an der LMU berufen. Von Mutius, Jahrgang 1957, studierte von 1976 bis 1984 Medizin an der LMU, seit 1992 ist sie Fachärztin für Pädiatrie. Nach der Habilitation im Jahr 1998 erwarb sie im Jahr 2000 zusätzlich den Master of Science an der Harvard School of Public Health. 2010 bekam sie die Ehrendoktorwürde der Universität Helsinki verliehen. Im gleichen Jahr wurde sie mit einem hochdotierten Advanced Investigator Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) ausgezeichnet.

Der Leibniz-Preis gilt als die wichtigste Auszeichnung in der deutschen Wissenschaft, in diesem Jahr bekommen ihn elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Preisgeld von 2,5 Millionen Euro können die Ausgezeichneten bis zu sieben Jahre lang für ihre wissenschaftlichen Arbeiten verwenden.

 


 

Video: Video: "Der Stall-Effekt" (auf lmu.de)

PDF-Download: Artikel: "Der Stallfaktor schützt vor Asthma" (Auf Seite 35 im Jahresbericht des Klinikums 2011)

Link: Meldung auf lmu.de