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Open Science Center der LMU ist eröffnet

09.05.2018 - Am 8. Mai wurde das interdisziplinäre Open Science Center der LMU (OSC) feierlich eröffnet. Sein Ziel: das Engagement für offene, transparente und replizierbare Forschung stärken. Die Maßnahmen: Forschung über Forschungs- und Replikationsprozesse, Fortbildungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Sensibilisierung relevanter Gremien. Das Mission-Statement des neuen OSC macht deutlich: Gute wissenschaftliche Praxis muss zahlreichen Ansprüchen genügen.

Das Logo des neu eröffneten Open Science Centers

So müssen Studien unter anderem transparent durchgeführt werden und reproduzierbar sein. Dies wird durch die Anwendung von Open Science-Standards, wie etwa einer Präregistrierung von Studien oder dem öffentlichen Zugang zu Forschungsdaten und Materialien sichergestellt. Diese Standards durch interdisziplinäre Expertise zu stärken und gleichzeitig junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu sensibilisieren und fortzubilden – das hat sich das OSC auf die Fahne geschrieben.

"Die Gründung des Open Science Centers passt perfekt in die Strategie, gute wissenschaftliche Praxis an der LMU weiter zu fördern. Für eine Exzellenzuniversität wie der LMU ist die Gründung eines solchen Centers sehr zu begrüßen", so Prof. Barbara Conradt, Vizepräsidentin für die Bereiche Forschung und Diversity an der LMU. Die Sprecherin des OSC und LMU-Soziologin, Prof. Katrin Auspurg, bestätigt: "Wir brauchen Institutionen, die sich dem Thema Open Science verschreiben, Forschung dazu betreiben, einheitliche Standards entwickeln, für die Thematik sensibilisieren und zudem in die entsprechenden Gremien hineinwirken. Denn der enorme Wettbewerbsdruck um Fördermittel und Professuren darf nicht dazu führen, dass lediglich möglichst schnell, viel und werbewirksam publiziert wird. Wichtig ist ebenso eine gute Qualitätssicherung, etwa in Form von Replikationsstudien und einer hohen Transparenz. Hier möchte das LMU-Zentrum mit guten Beispielen vorangehen, wichtige Impulse für die Forschungspraxis setzen und damit das Vertrauen in die Forschung stärken."


Schwerpunkte des OSC

In diesem Sinne möchte das neue Center an der LMU arbeiten. Es hat sich drei Schwerpunkte auf die Agenda gesetzt: Zum einen will das OSC insbesondere den wissenschaftlichen Nachwuchs im Rahmen von Workshops, kleineren Konferenzen und weiteren Veranstaltungen im Bereich Open Science schulen und Studierende für das Thema sensibilisieren. Zum anderen soll im Center der wissenschaftliche Prozess selbst Gegenstand der Forschung sein – also Forschung über die Forschung betrieben werden. Hierbei werden gezielt psychologische, soziologische und statistisch-methodische Aspekte untersucht, welche zu verzerrten oder falschen Forschungsergebnissen führen können.

Schließlich möchte das OSC auch auf die Anreizstrukturen im Wissenschaftssystem fokussieren und Empfehlungen und Vorschläge für relevante Gremien ausarbeiten: "Entscheidend ist, dass die Qualität der Forschung und ihre Replizierbarkeit in den Blick genommen werden", so der Psychologe PD Dr. Felix Schönbrodt, der das neue Open Science Center an der LMU als Geschäftsführer wesentlich mit aufgebaut hat. "Das Open Science Center ist ein starkes Signal und ein Programm: Wir stehen für Integrität und Verlässlichkeit, und fördern diese in unserer Lehre, in unseren Personalentscheidungen, als Gutachterinnen und Gutachter, und vor allem in unserem täglichen Handeln als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das soll nicht zuletzt auch die Wettbewerbsfähigkeit der Universität steigern, da zum Beispiel bei der Forschungsförderung der EU oder bei der neu gegründeten `Open Research Funders Group´ das Thema Open Science eine zentrale Rolle einnimmt, wenn es um die Bewilligung von Fördermitteln für neue Forschungsprojekte geht."


Fachübergreifender Fokus

Das OSC ist interdisziplinär aufgestellt. Die aktuell 22 Mitglieder des Zentrums stammen aus zehn verschiedenen Fachrichtungen, von der Soziologie über die Informatik bis hin zur Geografie. Drei Fakultäten der LMU – die Medizinische, die Tiermedizinische sowie die Fakultät für Psychologie und Pädagogik – haben sich der Mission des Zentrums angeschlossen. Zusätzlich unterstützen das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) und die Universitätsbibliothek das OSC.

Das Interesse am Center ist in der LMU sehr groß. "Wir haben viele Leute angesprochen und die Begeisterung war unerwartet groß", freut sich Schönbrodt und verweist auf die enormen Vorteile, die sich für die Wissenschaftler ergeben: "Open Science verbessert schon die Planung, dann die Durchführung und schließlich die Auswertung und Veröffentlichung von Studien. Es kann helfen, Verzerrungen zu vermeiden, bevor diese entstehen. Zudem öffnet das Center ein Feld für Replikationsstudien. Diese seien vielleicht weniger spektakulär, aber unerlässlich, um Validität von vorherigen Behauptungen zu überprüfen. Alles in allem kann Open Science Forscherinnen und Forschern ein wertvolles Werkzeug bieten, um zu robusten und verlässlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gelangen."


Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München