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Stabsstelle für Antibiotika-Beratung am LMU-Klinikum

22.08.2017 - Die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen ist ein weltweites Problem – vor allem in den Krankenhäusern. Am Klinikum der Universität München gibt es seit Mai eine eigene Stabsstelle Antibiotika-Beratung, die sich mit der Therapie von resistenten Keimen, aber auch mit anderen Fragestellungen befasst. Im interdisziplinären Antibiotic Stewardship (ABS)-Team, so die englische Bezeichnung für die Stabsstelle, arbeitet die Internistin und Infektiologin Prof. Dr. Rika Draenert mit der Fachapothekerin Dr. Alexandra Weber und der Mikrobiologin Dr. Jette Jung zusammen.

Eine Infektion mit Staphylococcus aureus-Bakterien kann tödlich enden

Was sind die Aufgaben des Trios? "Wir unterstützen die einzelnen Kliniken bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen mit rationalen evidenzbasierten Therapieempfehlungen", sagt die Stabsstellenleiterin Prof. Dr. Draenert. "Ziel ist es, optimale klinische Behandlungsergebnisse für einzelne Patienten zu erreichen und gleichzeitig günstig auf die Resistenzentwicklung einzuwirken." Für die Stationen bietet das Team Antibiotika-Visiten und -Konsile unter anderem für Patientinnen und Patienten mit komplizierten infektiologischen Fragestellungen, z. B. einer Staphylococcus aureus-Bakteriämie (StauB), an. Bei dieser Infektion sterben bis zu 30 Prozent der Betroffenen, vor allem wenn eingebaute Fremdmaterialien besiedelt werden oder die Bakterien gegen Antibiotika resistent sind.

Die Pharmaindustrie ist wenig motiviert, Reserve-Antibiotika zu entwickeln

Multiresistente Keime, gegen die kaum ein Antibiotikum hilft, erfordern neue Medikamente. Aber diese werden von der Pharmaindustrie nicht ausreichend geliefert. In der 'Goldenen Ära' der Antibiotika-Entwicklung (ca. 1940 bis 1970) kam eine Fülle neuer Substanzen auf den Markt, die den Eindruck erweckten, man habe auf jede Resistenz-Entwicklung eine Antwort. Irgendwann stieß die Wissenschaft aber an ihre Grenzen. Hinzu kommt die ganz spezielle Situation bei der Entwicklung neuer Bakterien-Killer: Die Entwicklung neuer Antibiotikaklassen hat sich als äußerst herausfordernd erwiesen. Aber die Ertragsaussichten für solche Präparate sind weniger rosig: Als Reserve-Antibiotika sollen sie möglichst wenig zum Einsatz kommen, weswegen sie wenig Gewinn abwerfen. Keine große Motivation für die Industrie.

Um zunehmende Resistenzen zu vermeiden, achten Prof. Draenert und ihr Team darauf, nur dann Breitband-Antibiotika einzusetzen, wenn es wirklich nötig ist. "Darüber hinaus gehört die Erstellung von klinikübergreifenden Behandlungsleitlinien für häufige Infektionen sowie deren Bekanntmachung und Hilfe bei der Umsetzung zu unseren Aufgaben", erklärt Prof. Draenert. So wird eine Antibiotika-Fibel erarbeitet, in der aufgelistet ist, welches Medikament jeweils bei verschiedenen Infektionen geeignet ist. Denn die Behandlung von bakteriellen Infektionen werden eines der großen Themen in der Medizin bleiben.

Fortbildungsveranstaltungen als weitere interne Maßnahme

Fortbildungsveranstaltungen für verschiedene Berufsgruppen am Klinikum sind ebenso wesentlicher Bestandteil des Teams wie die Auswertung von Resistenzdaten und Antibiotika-Verbrauchszahlen. "Wir arbeiten eng mit der Apotheke, der Sektion Klinische Infektiologie der Medizinischen Klinik IV, der Klinischen Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, der Arzneimittelkommission und dem Max von Pettenkofer-Institut zusammen", so Prof. Draenert. Das Team ist am Standort Großhadern angesiedelt.


Ansprechpartner:

Prof. Dr. Rika Draenert

Leiterin der Stabsstelle Antibiotic Stewardship

Klinikum der Universität München

Campus Großhadern

Audio-Icon 089-4400 72017

E-Mail-Icon rika.draenert@med.uni-muenchen.de