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Tag des Fußes

Wie die moderne Fußchirurgie helfen kann

28.06.2017 - Krumme Zehen, Druckstellen, Schwielen, Hühneraugen, die Füße sind geschwollen, brennen, schmerzen – Probleme mit den Füßen sind weit verbreitet und machen vielen Menschen das Leben zur Qual. Doch so weit sollte man es gar nicht erst kommen lassen, sondern frühzeitig zum Orthopäden gehen. Denn Krankheiten wie ein Hallux valgus oder eine Arthrose im Zehengelenk können etliche Zeit gut mittels maßgefertigter Schuheinlagen oder gezielter Physiotherapie behandelt werden.

"Ein chirurgischer Eingriff ist dann oftmals überhaupt nicht oder erst später nötig", betont Privatdozent Dr. Bernd Wegener, Fußchirurg und Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation am Klinikum der LMU. Im Interview spricht der Experte über die häufigsten Probleme und was man dagegen tun kann.

Der Spreizfuß

Er ist der Ausgangspunkt für sicherlich die meisten Erkrankungen. Davon ausgehend gibt es verschiedene Beschwerden wie etwa den bekannten Hallux valgus, also die Querstellung der Großzehe, mit oder ohne Arthrose. Dazu zählen auch die Schmerzen im Vor- und Mittelfuß, die metatarsalgie. PD Dr. Wegener: "Normalerweise verteilt sich der Fuß relativ gleichmäßig über den Boden, das kann man in der Druckmessplatte sehr schön darstellen. Beim Spreizfuß senkt sich der Fuß in der Mitte ab, die Knochen treten auseinander, spreizen sich. Er entsteht durch die anlagebedingte Schwäche des Bindegewebes sowie durch Fehl- und Überbelastung, oftmals durch zu hohe Schuhe. Es kommt zu einem Mehr an Druck, deswegen auch zu einer vermehrten Beschwielung und zu Schmerzen. Die klassische Vorstellung, dass es dort ein Fußgewölbe gibt, ist inzwischen historisch. Die Standardtherapie ist zunächst mal die Einlage, um die Belastung wieder gleichmäßig zu verteilen, den Schmerz zu reduzieren. Und keine zu engen oder zu hohen Schuhe mehr!"

Hallux valgus (Ballenzeh)

Das Grundgelenk des großen Zehs knickt ein, schiebt sich nach außen, verdickt sich, entzündet sich schließlich, schmerzt. Ursachen auch hier: Veranlagung, falsches Schuhwerk, eventuell Überlastung durch die harten und unnatürlichen Böden, auf denen wir den ganzen Tag herumlaufen. PD Dr. Wegener: "Auch der Hallux valgus kann konservativ behandelt werden. In frühen Stadien helfen Schuheinlagen. Durch eine spezielle Abstützung in der Einlage, die sogenannte retrokapitale Pelotte, wird der Fuß schmaler, dadurch zieht es den Großzeh weniger zur Seite. Je weiter der Großzeh abweicht, umso mehr tritt im Bereich des inneren Fußbandes eine sogenannte Exostose auf, eine knöcherne Ausstülpung. Spätestens dann passt kein Schuh mehr, es entstehen Druckstellen. Das führt die Leute dann am ehesten zum Arzt." Wenn nichts auf Dauer hilft, muss oftmals doch operiert werden. In Abhängigkeit vom Ort oder der Ausprägung der Fehlstellung stehen verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung. Zumeist muss ein weichteiliger mit einem knöchernen Eingriff kombiniert werden, um die Großzehe wieder gerade stellen zu können.


Arthrose im großen Zeh

Die große Zehe schmerzt beim Abrollen, speziell nach dem Aufstehen. Das Grundgelenk ist verdickt, die Zehe weniger beweglich. Als Folge rollt man dann den Fuß unbewusst über den Außenrand ab, was weitere Probleme auslösen kann. Beim Röntgen lässt sich als Ursache eine Abnutzung, also eine Arthrose des Großzehengrundgelenks, deutlich erkennen. Dahinter kann eine Veranlagung stecken, altersbedingter Verschleiß, aber auch Verletzungen von früher. PD Dr. Wegener: "Bei länger andauernden und größeren Fehlstellungen ist es häufig so, dass das Großzehengrundgelenk kaputt geht – dann haben wir dort eine Arthrose." Therapie: Schuhe mit einer steifen Sohle oder Einlagen sowie einer Abrollhilfe im Bereich des Ballens lindern den Schmerz, weil das Gelenk ruhiggestellt wird. Diese Hilfsmittel werden maßgeschneidert vom Orthopädietechniker hergestellt. Die Krankenkasse bezahlt die Kosten.

Wenn das nicht ausreicht, sind verschiedene kleine chirurgische Eingriffe möglich, je nach Diagnose. PD Dr. Wegener: "Wenn wir Knochenvorsprünge am Gelenk abtragen können, reicht das in einem frühen Stadium manchmal. Aber es kann auch sinnvoll sein, das Gelenk versteifen zu lassen. Das lindert den Schmerz sehr gut." Diese Versteifung des Gelenkes ist der Goldstandard. PD Dr. Wegener: "Eine komfortable belastbare Lösung. Die Einschränkung ist relativ gering, für Alltagsbedürfnisse und leichten Sport ist das absolut praktikabel. Eine Alternative sind Prothesen für das Großzehengrundgelenk. Die auf dem Markt befindlichen Implantate haben keine guten Langzeitergebnisse, wir bieten sie deshalb nicht an. Eine Operation sollte gut überlegt sein, vor allem, wenn sie eher auf einem kosmetischen Problem beruht."


Klauen-, Krallen- Hammerzehen

Diese Deformitäten der kleinen Zehen zeigen sich in den Mittel- und Endgelenken. Mit Schmerzen, Druckstellen, Hühneraugen, die Zehen liegen über- und untereinander, kein ästhetischer Anblick. Kein Schuh passt richtig. Schuld ist meist der Spreizfuß, in Kombination mit einem Ballenzeh. Dann verdrängt der große Zeh den kleineren. Veranlagung gehört dazu, am schlimmsten aber wirkt sich falsches Schuhwerk aus. PD Dr. Wegener: "Einlagen, Polster oder Nachtschienen können helfen. Doch auf Dauer ist ein chirurgischer Eingriff das Mittel der Wahl. Jenach Diagnose kann das Köpfchen des Grundgliedes abgetragen und die Zehe gestreckt werden. Diese Eingriffe sind in der Regel unproblematisch."

 


Ansprechpartner

Privatdozent Dr. med. Bernd Wegener

Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation

Klinikum der Universität München (LMU)

Campus Großhadern

Audio-Icon 089/4400-76786

E-Mail-Icon bernd.wegener@med.uni-muenchen.de