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Diagnose & Therapie

Brustkrebs bei Männern

08.06.2017 - Männer mit Brustkrebs befinden sich in einer paradoxen Situation: Einerseits leiden sie an einer Volkskrankheit mit ca. 70.000 Neubetroffenen pro Jahr, andererseits ist die Krankheit bei ihnen sehr selten. Nur ca. 600 Männer erkranken jährlich in Deutschland neu an Brustkrebs. Trotz der Zunahme von Studien zur Epidemiologie, Diagnostik und den Risikofaktoren des männlichen Brustkrebses ist die Datenlage zur medizinischen Versorgung und zu den psychosozialen Bedürfnissen männlicher Brustkrebspatienten im Behandlungsverlauf bislang nicht zufriedenstellend.

Kein Bewusstsein für die Erkrankung

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts liegt die relative 10-Jahres-Überlebensrate für brustkrebserkrankte Männer bei 65 Prozent, für die betroffenen Frauen bei 82 Prozent. "Die Erklärung für diese schlechte Prognose ist, dass Brustkrebs beim Mann viel später als bei der Frau diagnostiziert wird", erklärt Dr. Rachel Würstlein, Geschäftsführende Oberärztin am Brustzentrum des Klinikums der Universität München. Warum das so ist? "Dass es diese Erkrankung auch beim Mann geben kann, ist vielen nicht bewusst. Männer sind ohnehin zögerlicher, was den Arztbesuch angeht. Und selbst wenn der Gang zum Arzt stattgefunden hat, heißt das noch lange nicht, dass der die Erkrankung auch gleich richtig diagnostiziert", erklärt Würstlein. "Nicht selten werden Tastbefunde in der Brust zunächst als harmlose Geschwulste behandelt, bevor die endgültige Diagnose gestellt wird."

Der Krebs wächst meist hormonabhängig

Gibt es auch Unterschiede in der Behandlung von weiblichem und männlichem Brustkrebs? "Brustkrebs wächst bei weit über 90 Prozent der Männer hormonabhängig. Das heißt, nach der operativen Entfernung des Tumors und Bestrahlung steht eine Antihormonbehandlung im Vordergrund. Üblicherweise kommen dabei Behandlungsmethoden zum Einsatz, die sich auch bei der Frau bewährt haben, z. B. das Tamoxifen, das die Andockstellen für das Hormon Östrogen an Tumorzellen blockiert", erklärt Dr. Würstlein. Ein Problem: Wegen Nebenwirkungen wie Depression, Gewichtszunahme oder Impotenz brechen viele Männer die auf mehrere Jahre angesetzte Therapie vorzeitig ab. Insgesamt liegen nur wenige Daten zur Versorgungsforschung des Mammakarzinoms beim Mann vor. Deshalb orientieren sich die Therapiekonzepte größtenteils an den Leitlinien für das Mammakarzinom der Frau. "Doch es wird immer deutlicher, dass es tumorbiologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, die jeweils nach einer eigenen Therapie verlangen im Sinne einer geschlechtsspezifische Medizin", sagt die Expertin.

N-MALE-Studie 2016 gestartet

Umso wichtiger ist ein Forschungsprojekt, das die medizinischen und psychosozialen Bedürfnisse von männlichen Brustkrebspatienten in den Mittelpunkt stellt: N-MALE startete 2016 und findet unter der Leitung der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn statt. Das Brustzentrum des Klinikums der LMU ist einer der Projektpartner dieser Studie, die von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird. Das primäre Forschungsziel des Projekts ist es, die Patientenbedürfnisse bei der Versorgung des männlichen Brustkrebses in Deutschland darzustellen. Als sekundäres Ziel soll das Projekt außerdem die Sicht der beteiligten Leistungserbringer (wie Hausärzte, Pflegekräfte, Rehabilitationsmediziner, Physiotherapeuten, Sozialarbeiter und Psychoonkologen) auf die Versorgung von Männern mit Brustkrebs im Brustzentrum erfassen. "Durch die Betrachtung beider Perspektiven können wir die deutsche Versorgungssituation möglichst umfassend analysieren und aus den Ergebnissen die Erfordernisse für eine patientenzentrierte Versorgung der Betroffenen ableiten", sagt Dr. Rachel Würstlein.

Internet-Icon Lesen Sie auch die Meldung zum Projektstart N-Male

 



Ansprechpartner

Dr. Rachel Würstlein

Geschäftsführende Oberärztin Brustzentrum

Klinikum der Universität München (LMU)

Campus Innenstadt und Großhadern

+49 (0)89/4400-54279

rachel.wuerstlein@med.uni-muenchen.de

Internet-Icon http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Brustzentrum