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LMU-Mediziner entdecken Zusammenhang zwischen Gerinnungshemmern und Herzinfarkt-Risiko

02.12.2016 - LMU-Mediziner zeigen, warum eine neue Klasse von Gerinnungshemmern in seltenen Fällen das Risiko für Herzinfarkte erhöhen kann. Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern können zur Bildung von Blutgerinnseln im Herzen führen und dadurch Schlaganfälle auslösen. Deshalb erhalten betroffene Patienten zur Schlaganfall-Prävention Gerinnungshemmer.

Dr. Tobias Petzold Dr. Tobias Petzold

Die sogenannten Neuen Oralen Antikoagulantien (NOACs), zu denen die oralen Thrombin-Inhibitoren (OTI, zum Beispiel Dabigatran) gehören, stellen eine wertvolle Alternative zu herkömmlichen Blutverdünnern, den Vitamin-K Antagonisten (VKA, zum Beispiel Marcumar) dar. LMU-Mediziner haben nun untersucht, warum diese statistisch gesehen überraschenderweise zu einer geringfügig erhöhten Zahl von Herzinfarkten führen, wie frühere klinische Studien zeigten. Wie sie im Fachmagazin Science Translational Medicine berichten, ist dies insbesondere bei Patienten mit atherosklerotisch veränderten Gefäßen der Fall.

Herkömmliche Gerinnungshemmer (VKA) wirken indirekt, indem sie die Produktion von funktionierenden Gerinnungsfaktoren hemmen. Dagegen hemmen orale Thrombin-Inhibitoren direkt den zentralen Gerinnungsfaktor Thrombin und stellen deshalb eine ganz neue Wirkstoffklasse dar. Blutuntersuchungen zeigten nun, dass es bei einer Behandlung mit oralen Thrombin-Inhibitoren unter Flussbedingungen zu einer verstärken Thrombozytenaggregation und Blutgerinnselbildung an Gefäßverletzungen kommt. "Diese Mechanismen spielen insbesondere während der frühen Phasen eines Herzinfarktes an sogenannten rupturierten, atherosklerotischen Plaques eine wichtige Rolle", sagt Dr. Tobias Petzold, Erstautor der Studie.

Wie die Wissenschaftler zeigen konnten, verändert sich unter der Einnahme des Medikamentes die Interaktion von Thrombin mit einem Rezeptor, der die Bindung der Thrombozyten an weitere wichtige Faktoren der Blutgerinnung vermittelt. Dadurch werden die Thrombozyten aktiviert. Durch die zusätzliche Gabe von Aspirin können diese Effekte verhindert werden. "Die klinischen Vorteile einer Behandlung mit einem oralen Thrombin-Inhibitor gegenüber einem VKA wurden in verschiedenen Studien eindeutig belegt", sagt Petzold. "Aus unseren Ergebnissen schließen wir aber, dass bestimmte Patienten von einer personalisierten Gerinnungshemmer-Therapie profitieren können und dass vor Beginn einer Therapie mit oralen Thrombin-Inhibitoren das individuelle Risiko des Patienten für das Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung sowie das Risiko für einen Herzinfarkt eingeschätzt werden sollten."

Zur Publikation in Science Translational Medicine 2016


Ansprechpartner

Dr. med. Tobias Petzold

Medizinische Klinik und Poliklinik I

Klinikum der Universität München (LMU)

Campus Großhadern

E-Mail-Icon tobias.petzold@med.uni-muenchen.de