Strahlentherapie (Radiotherapie)

Perkutane Strahlentherapie

Bei der perkutanen Strahlentherapie, das heißt der Strahlentherapie von außerhalb des Körpers, werden hochenergetische Röntgenstrahlen eingesetzt, um die Krebszellen abzutöten. Wenn die erhobenen Befunde (PSA-Wert und Histologie) den Verdacht auf einen Lymphknotenbefall durch das Prostatakarzinom nahe legen, so können die Lymphknoten vor Durchführung einer Strahlentherapie laparoskopisch, d. h. mittels Schlüssellochchirurgie, entfernt und feingeweblich untersucht werden. Wie bei der radikalen Operation ist hiervon abhängig, ob eine Strahlentherapie sinnvoll ist, oder besser eine Hormonbehandlung durchgeführt werden muß.

Die Strahlentherpie wird nach ausführlicher Beratung durch einen kompetenten und erfahrenen Kollegen aus der Klinik für Strahlentherapie in unserem Hause eingeleitet. Die gesamte Behandlung erstreckt sich über ca. 6 Wochen und wird werktäglich ambulant durchgeführt. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft und dauert jeweils nur einige Minuten.

Entsprechend der aktuellen S3 Leitlinie für das Prostatakarzinom stellt die perkutane Strahlentherapie neben der Operation eine Behandlungsalternative bei Prostatakarzinom dar.

 

Patienten, für die eine Strahlentherapie in Frage kommt:

Kommt eine radikale Operation aufgrund fortgeschrittenen Alters oder eines hohen Operationsrisikos durch Begleiterkrankungen nicht in Betracht, oder entscheidet sich der betroffene Patient gegen einen operativen Eingriff, so kann alternativ die perkutane Strahlentherapie durchgeführt werden.

 

Vor- und Nachteile:

Die Vorteile der Strahlentherapie liegen darin, dass die prinzipiellen Risiken inklusive des Narkoserisikos und Belastungen einer Operation vermieden werden. Manche Männer haben weniger Angst vor Strahlung als vor einem chirurgischen Eingriff. Auf der anderen Seite kann der Gedanke, bestrahlt zu werden, psychologische Probleme aufwerfen.

Da der Strahlengang auf seinem Weg zum Zielorgan, der Prostata, auch andere Organe wie Darm und Blase durchquert, werden in geringerem Maße auch gesunde Zellen geschädigt. Hierdurch könne Durchfälle und Probleme beim Wasserlassen im Sinne einer Blasenentzündung entstehen. Die Probleme können bei einigen Patienten auch längerfristig bestehen. Ca. 10-40 % der bestrahlten Männer erleiden einen Potenzverlust. Ferner müssen die Patienten über temporäre Störung beim Wasserlassen und das erhöhte Risiko von Zweittumoren ausführlich aufgeklärt werden.

 

Eine bisher nur an wenigen Zentren verfügbare Form der Strahlentherapie ist die Bestrahlung mit Protonen. Theoretisch soll die Bestrahlung mit Protonen das gesunde Gewebe in der Umgebung des Tumors besser schonen und somit weniger Nebenwirkungen verursachen. Eine aktuelle Studie aus den USA zeigte allerdings, dass bei Patienten nach Protonenbestrahlung deutlich mehr den Darm betreffende Nebenwirkungen auftraten als bei Patienten mit der aktuellen Standardbestrahlung (IMRT = intensity-modulated radiation therapy). Hier ein Link zum betreffenden Artikel: The Washington Times (31.01.2012)

Entsprechend der Datenlage wird die Protonentherapie weder in der deutschen S3 Leitlinie noch in der Leitlinie der Europäischen Fachgesellschaft für Urologie erwähnt.

 

Brachytherapie

Bei dieser Art der Strahlentherapie von innen werden kleinste radioaktive Teilchen, sog. I-125 Seeds unter Ultraschallkontrolle durch den Damm über Hohlnadeln in die Prostata eingebracht. Die Behandlung ist ambulant oder kurzstationär durchführbar. Zur Betäubung wird eine Vollnarkose oder eine Rückenmarksanästhesie angewendet. Die Radioaktiven Seeds bestrahlen die Prostata von innen, bis sie im Laufe eines Jahres ihre Radioaktivität verlieren. Dadurch kann eine hohe Strahlendosis dort erzielt werden, wo sie benötigt wird, nämlich im Prostatakrebs. Die Strahlendosis außerhalb der Prostata ist äußerst gering. Eine Strahlenbelastung an der Körperoberfläche tritt praktisch nicht auf. Trotzdem wird den Patienten geraten, sich für einige Monate nicht in der Nähe kleiner Kinder oder schwangerer Frauen aufzuhalten.

 

Patienten, für die eine Brachytherapie in Frage kommt:

Bei entsprechenden Niedrigrisiko-Befunden, die stark für einen lokal begrenzten Tumor sprechen und die technische Durchführung erlauben, wird die Brachytherapie, oder interstitielle Strahlentherapie als jüngstes und modernstes der etablierten kurativen Verfahren angeboten.

 

Vor- und Nachteile:

Durch die Bestrahlung der Prostata direkt von innen können hohe Strahlendosen auf den Tumor wirken, da die umliegenden Organe besser als bei der extrakorporalen Strahlentherapie geschont werden.

Probleme, die nach dem Einbringen der radioaktiven Teilchen auftreten, können in der Regel gut mit Medikamenten kontrolliert werden. Kurzfristig können Probleme beim Wasserlassen auftreten, die eine vorübergehende Katheterbehandlung notwendig machen. Sehr selten entsteht eine längerfristige Inkontinenz. In 50-85 % der Fälle kann die Potenz erhalten werden.