Operation

Bei der retropubischen radikalen Prostatovesikulektomie wird ein Unterbauchlängsschnitt von ca. 3-4 cm unterhalb des Nabels bis zum Schambein durchgeführt. Zuerst werden die Lymphknoten im Bereich des Beckens entfernt und feingeweblich untersucht. Im weiteren Verlauf wird die Prostata mit den anhängenden Samenblasen radikal entfernt. Anschließend wird die Harnblase wieder mit der Harnröhre durch eine Naht verbunden. Diese Nahtverbindung nennt man Anastomose. Zum Schutz dieser Anastomose wird ein Dauerkatheter durch die Harnröhre in die Harnblase eingelegt.

Während der Operation wird in der Regel versucht das Gefäßnervenbündel zu erhalten, damit die Erektionsfähigkeit nach der Operation erhalten bleibt. Dies ist allerdings abhängig vom individuellen Befund und kann erheblich variiere. Diese nervschonende Variante ist der moderne Stand der Operation.

Bis zu 10 Tage nach der Operation wird die Anastomose (Verbindungsstelle zwischen Blase und Harnröhre) durch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel auf ihre Dichtigkeit überprüft und der Dauerkatheter entfernt.

Weiterhin ist die radikale Prostatovesikulektomie einschließlich der Entfernung der Lymphknoten auch laparoskopisch mittels robotischer Unterstützung (sog. daVinci-Operation), d.h. mittels (Unter-)Bauchspiegelung (Schlüsselloch-OP) durchführbar. Hierbei werden 4-5 kleine Schnitte gemacht, über die die Operationskamera sowie die Arbeitsinstrumente eingeführt werden. Die Operation läuft wie die retropubische Prostatovesikulektomie ab, jedoch erlaubt die deutliche Vergrößerung durch die Kamera ein feineres Operieren bei gleichzeitiger Schonung der Bauchwandmuskulatur. 

 

Patienten, für die eine Operation in Frage kommt:

Voraussetzung für die Durchführung der Operation ist, dass das Prostatakarzinom die Prostatakapsel noch nicht überschritten hat und dass keine Streuung des Tumors in den Körper stattgefunden hat. Außerdem sollte der Patient unabhängig von seiner Tumorerkrankung eine Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren haben und sein Allgemeinzustand sowie seine Nebendiagnosen müssen eine große Operation zulassen.

Es gibt basierend auf Daten des Tumorregisters München deutliche Hinweise darauf, dass eine radikale Prostatektomie auch bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom Vorteile bringt.

 

Vor- und Nachteile:

Sofern der Patient vom Allgemeinzustand und Alter her für eine Operation in Frage kommt, ist die Entfernung der Prostata, der Samenblasen und der regionalen Lymphknoten die Behandlungsmethode mit der größten Wahrscheinlichkeit, den Prostatakrebs endgültig aus dem Körper zu entfernen.

Die "radikale Prostatovesikulektomie" ist eine anspruchsvolle Operation, die üblicherweise ca. 60-120 Minuten dauert. Der Krankenhausaufenthalt nach der Operation dauert ungefähr 10-12 Tage.

Die meisten Männer erleben gewisse Schwierigkeiten, den Urin unmittelbar nach Entfernung des Dauerkatheters zu halten. Bei einigen Patienten bleibt ein tröpfchenweiser Urinabgang je nach körperlicher Belastung wie Husten, Treppensteigen oder z.B. dem Abschlag beim Golfspiel längerfristig bestehen. Die wenigsten Männer erleiden einen dauerhaften kompletten Verlust über die Urinkontrolle. Informationen zur Erholung der Kontinenz gibt u. a. dieser Fachartikel (PDF, Sprache Englisch).

Die herkömmliche Operation führt in annähernd allen Fällen zur sexuellen Impotenz, das heißt zur Unfähigkeit, eine Erektion zu erlangen. Dies liegt daran, dass die für die Erektion verantwortlichen Nervengeflechte bei dieser Operationstechnik mitentfernt werden. Heute kann das Risiko der Impotenz durch die von uns angewendete nerverhaltende Operationstechnik deutlich gesenkt werden. Allerdings ist diese Operationsmethode, bei der das Nervengeflecht einer Seite erhalten wird - wodurch ein etwas erhöhtes Risiko besteht, Prostatagewebe zurückzulassen - nur für solche Patienten geeignet, bei denen das Karzinom nicht zu nah an die Organkapsel der betroffenen Seite heranreicht.

 

Das Patientenmerkblatt "Radikale Prostatektomie" (PDF) gibt ausführliche Informationen zu den Folgen dieses Eingriffs und der Zeit danach (Verhaltensregeln, Nachsorge, Kontakt).

Hier einige Erfahrungsberichte von Patienten, bei denen eine radikale Prostatektomie durchgeführt wurde:

Erfahrungsbericht (PDF)

Erfahrungsbericht (PDF)

Erfahrungsbericht (PDF)

Erfahrungsbericht (PDF)

Erfahrungsbericht (PDF)

Erfahrungsbericht (PDF)

Erfahrungsbericht (PDF)

Erfahrungsbericht (PDF)

 

 

Fachliteratur

C.G. Stief.
Apical dissection during radical retropubic prostatectomy without ligature.
World J. Urol. 21: 139-143, 2003 - [PubMed]

J.-U. Stolzenburg, M.C. Truss, A. Bekos, M. Do, R. Rabenalt, C.G. Stief, A. Hoznek,
C.-C. Abbou, J. Neuhaus, W. Dorschner.
Does the extraperitoneal laparoscopic approach improve the outcome of radical prostatectomy?
Curr. Urol. Reports 5: 115-122, 2004 - [PubMed]

J.-U. Stolzenburg, M.C. Truss, R. Rabenalt, M. Do, H. Pfeiffer, A. Bekos, J. Neuhaus, C.G. Stief, U. Jonas, W. Dorschner.
Die endoskopische extraperitoneale radikale Prostatektomie (EERPE). Ergebnisse nach 300 Eingriffen.
Urologe [A] 43: 698-707, 2004 - [PubMed] - [PDF]

Literaturreferat zu Publikation über die Lymphadenektomie bei der Prostatektomie; Medical Tribune Onkologie 2010 (Mit freundlicher Genehmigung der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH, Wiesbaden) - [PDF]

G. Gakis, S.A. Boorjian, A. Briganti, S. Joniau, G. Karazanashvili, R.J. Karnes, A. Mattei, S.F. Shariat, A. Stenzl, M. Wirth, C.G. Stief.
The Role of Radical Prostatectomy and Lymph Node Dissection in Lymph Node-Positive Prostate Cancer: A Systematic Review of the Literature. 
Eur. Urol. 66: 191-199, 2014 - [PDF]

W. Khoder, R. Waidelich, A. Buchner, A.J. Becker, C.G. Stief.
Prospective comparison of one year follow-up outcomes for the open complete intrafascial retropubic versus interfascial nerve-sparing radical prostatectomy. 
SpringerPlus 3: 335, 2014 - [PDF]

A. Kretschmer, P. Mander, A. Buchner, C.G. Stief, D. Tilki.
Surgical learning curve for open radical prostatectomy: Is there an end to the learning curve? 
World J. Urol. 2015 - [PDF]