Hodentumore

Keimzelltumore des Hodens stellen die häufigste solide maligne Erkrankung bei Männern zwischen dem 15. und dem 35. Lebensjahr dar.[1] In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch Institutes ca. 9 pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Dies entspricht einer Inzidenz von ca. 4500 Fällen pro Jahr in Deutschland. Nach Dänemark weist Deutschland die höchste Erkrankungsrate in der Europäischen Union auf. Eine genaue Erklärung für diese Häufig ist bisher nicht bekannt.

Keimzelltumore werden ihrer Histologie nach unterschiedlichen Gruppen zugeordnet. Dabei können histologisch zum einen reine Tumore oder auch nur dominierende Hodentumoranteile beschrieben werden.  Nicht selten lassen sich mehrere völlig unterschiedliche histologische Formen in einunddemselben Hoden diagnostizieren.

Aus therapeutischen Gesichtspunkten werden zwei Hauptkategorien unterschieden: Zum einen die reinen Seminome (hier lassen sich keine weiteren nicht-seminomatösen Tumoranteile finden) und zum anderen alle anderen malignen Tumore, die als nicht-seminomatöse Keimzelltumore (NSCGTs) bezeichnet werden. (siehe Tabelle 1) In den meisten Veröffentlichungen liegt das Verhältnis bei 60% für die Seminome und 40% für die Nicht-Seminome. [2] Die Nicht-Seminome haben ihren Erkrankungsgipfel zwischen dem 25-35sten Lebensjahr, wohingegen bei Nichtseminomen zwei Gipfel zwischen 25-35 Jahren sowie zwischen 40-50 Jahren zu beobachten sind. Die Inzidenz der Keimzelltumore hat sich über die vergangenen 20 Jahre in nahezu allen westlichen Industrienationen nahezu verdoppelt.

Die Therapie des Hodenkarzinoms gilt weithin als eine der Erfolgsgeschichten in der modernen Medizin. Der Durchbruch gelang Ende der 1970er mit Einführung der ersten Platin basierten Chemotherapien zur Behandlung von Hodentumoren.

Vor dieser Zeit war das Hodenkarzinom für bis zu 11 Prozent aller krebsassoziierten Todesfälle bei Männern im Alter zwischen 25 und 34 Jahren verantwortlich, wobei das Fünfjahresüberleben bei nur 64 Prozent lag.[3] Die aktuelle Fünfjahresüberlebensrate liegt in den Industrienationen mittlerweile bei über 95 Prozent.[1]

Im Folgenden soll das klinische Erscheinungsbild sowie die notwendigen Diagnose- und Stagingverfahren von Hodentumoren vermittelt werden.

 

Tabelle 1: Histologische Typen von Keimzelltumoren

Seminome
Seminome mit synzytiotrophoblastischen Zellen
Spermatozystische Seminome
Nicht-seminomatöse Keimzelltumore
Embryonalzellkarzinome
Teratome
   Dermoid Zysten
   Monodermale Teratome
   Teratome vom somatischen Typ
Trophoblastische Tumore (Choriokarzinome)
Dottersacktumor (Endodermale Sinus Tumore)
Gemischte Keimzelltumore