Therapie

Die richtige Therapie bei einer Harnsteinerkrankung ist nicht nur von der Steinzusammensetzung, der Steingröße und der Anzahl der Steine, sondern auch von deren Lokalisation abhängig. Neben der konservativen Therapie (ohne Operation) stehen zur Steinbehandlung die Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL), die Ureterorenoskopie (URS) mit oder ohne Laser-induzierte-Stoßwellenlithotripsie (LISL) und die perkutane Nephrolitholapaxie (PNL) zur Verfügung. Dies sind alles minimal-invasive Verfahren, welche ausgesprochen schonend und nur mit einer geringen Komplikationsrate durchgeführt werden können. Ein offener operativer Eingriff ist nur noch sehr selten (<1%) in ganz speziellen Situationen erforderlich.

Konservative Therapie: Ca. 80% der Steine können aufgrund ihrer Größe von selbst abgehen. Neben der Schmerzreduktion kann der spontane Steinabgang mit Hilfe bestimmter Medikamente positiv beeinflusst werden. Sollte es zu keinem spontanen Steinabgang kommen, ist es Aufgabe des Urologen, die richtige Therapie einzuleiten.

ESWL: Bei der ESWL (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie) handelt es sich um ein Verfahren, welches seit Anfang der 80-Jahre zur Steintherapie eingesetzt wird. Es wurde an der LMU München im Klinikum Großhadern entwickelt und wird seit einigen Jahren weltweit zur Steintherapie angewandt. Das Prinzip besteht in einer Zertrümmerung von Nieren- und Harnleitersteinen mit Hilfe von Schallwellen. Die Schallwellen werden außerhalb des Körpers durch eine Energiequelle erzeugt und mit Hilfe einer Röntgen- oder Ultraschallkontrolle auf den zu behandelnden Stein fokussiert. Die dabei entstehenden Zug- und Scherkräfte führen zu einer Steinfragmentierung. Die kleinen Steinfragmente können dann mit dem Urin auf dem natürlichen Weg ausgeschieden werden. Bei der ESWL handelt es sich um eine ausgesprochene schonende Vorgehensweise mit einer sehr geringen Komplikationsrate. Es kann in der Regel mit einer leichten Betäubung über die Vene schmerzfrei angewandt werden. Dies ist auch der Grund, warum sie insbesonders auch bei Kindern zur Steintherapie eingesetzt wird. Zusätzlich ist ein stationärer Aufenthalt in der Regel nicht erforderlich.

URS mit oder ohne LISL: Mit Hilfe von Geräten, die nur wenige Millimeter dick sind, können Harnleiter und Nierenbecken endoskopisch beurteilt werden (Ureterorenoskopie). Durch den Zugang über die Harnröhre ist nach dem Eingriff keine Narbe sichtbar. Kleine Steine können mit kleinsten Zangen oder Körbchen über das Endoskop problemlos und schonend entfernt werden. Sind die Steine zu groß, werden diese zuerst mit Hilfe eines Lasers zerkleinert und dann entnommen. Dieser Eingriff wird unter Vollnarkose und somit schmerzfrei durchgeführt. Häufig erfordert er jedoch eine Harnleiterkatheteranlage, welcher vom Niedergelassenen Urologen schon nach wenigen Tagen wieder entfernt werden kann. Durch die Miniaturisierung der Geräte ist auch dieses Verfahren in den Händen eines erfahrenen Operateurs ausgesprochen komplikationsarm. Der stationäre Aufenthalt dauert in der Regel 2-3 Tage.

PNL: Die PNL (perkutane Nephrolitholapaxie) ist ein Verfahren, welches in der Regel bei z.B. Nierenbeckenausgusssteinen oder sehr vielen Steinen eingesetzt wird. Dabei wird das Instrument über einen sehr kleinen Schnitt in der Haut unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle in die Niere geführt. Die Steine können dann mit speziellen Ultraschall- oder Lasersonden zerkleinert und über das eingebrachte Instrument ausgespült werden. Nach Entfernen des Instruments wird in der Regel vorübergehend eine Nierenfistel (Harnableitung nach außen) oder Harnleiterschiene (innere Ableitung) angelegt. Wie die URS-Behandlung wird auch die PNL unter Vollnarkose durchgeführt. Die Komplikationsrate ist sehr gering und die stationäre Behandlung dauert ca. 4-5 Tage.

Sämtliche aufgezählten Verfahren zur Steintherapie können in der Urologischen Klinik und Poliklinik der LMU München am Klinikum Großhadern durch erfahrene Operateure durchgeführt werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das „Steinteam“ unter der Leitung von Dr. Frank Strittmatter und Dr. Yasemin Hocaoglu in der „Steinsprechstunde“ jeden Freitag von 11:00-13:00 Uhr.

 

 

PD Dr. med. Frank Strittmatter

 

Dr. med. Yasemin Hocaoglu