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Hintergrundinformationen zur fokalen Therapie

Das Prostatakarzinom ist mit 25,4 % die häufigste Tumorerkrankung des Mannes, die Zahl der Neuerkrankungen ist steigend. In der Mehrzahl der Fälle wird das Prostatakarzinom in einem sogenannten organbegrenzten Stadium diagnostiziert, d. h. die Tumorzellen sind noch nicht über die Prostatakapsel hinausgewachsen und haben noch keine Tochtergeschwülste („Metastasen“) gebildet.

Durch die sukzessive Verbesserung bildgebender Verfahren, insbesondere des multiparametrischen MRT („Kernspin-Untersuchung“), können heutzutage viele dieser Prostatakarzinomherde innerhalb der Prostata dargestellt werden und in der Folge gezielt ausgeschaltet werden. Neben den etablierten Therapie-Optionen wie einer Operation („radikale Prostatektomie“), Strahlentherapie oder einer aktiven Überwachung („Active Surveillance“) kann seit einigen Jahren eine gezielte („fokale“) Therapie einzelner Karzinomherde erfolgen.

Für diese fokale Therapie kommen verschiedene Therapieverfahren in Frage. An unserer Klinik kommen zum einen die sogenannten hochintensiven fokussierten Ultraschallwellen (HIFU) zum Einsatz und zum anderen die vaskulär-photodynamische Therapie des Prostatakarzinoms (VTP-Therapie). Die Therapie mittels HIFU wird bereits seit über 20 Jahren zur Behandlung von Erkrankungen der Prostata eingesetzt, bis vor kurzem konnte jedoch nur die gesamte Prostata behandelt werden. Mit der neuesten Gerätegeneration („Focal One“ der Firma EDAP TMS) können auch einzelne Herde therapiert werden. Die vaskulär photodynamische Therapie (VTP) der Prostata mit der Substanz Padeliporfin (Handelsname TOOKAD Soluble®) ist seit November 2017 zur Therapie des organbegrenzten wenig aggressiven Prostatakarzinoms zugelassen. Im Zentrum dieser Therapien steht die Organerhaltung der Prostata und damit die Verringerung bzw. Vermeidung von unerwünschten Nebenwirkungen wie einer erektilen Dysfunktion („Impotenz“) und unwillkürlichem Urinverlust („Inkontinenz“).

Mittels HIFU können einzelne Bereiche der Prostata behandelt werden, man unterscheidet hierbei:

  1. Hemiablation: Halbseitenbehandlung der Prostata bei einseitigem Tumorbefall bei größerem Tumorvolumen

    ft1

  2. Fokale Therapie: gezielte Behandlung des Tumors mit einem gewissen Sicherheitsabstand bei Nachweis eines kleinen Tumorherdes in der Prostatastanzbiopsie und im MRT
    ft2
  3. Salvage-Therapie: Behandlung eines Tumorrezidivs nach Strahlentherapie, HIFU-Behandlung oder Brachytherapie

Im Rahmen der VTP-Therapie wird eine Hemiablation durchgeführt. Eine Salvage-Therapie ist mit der vaskulär photodynamischen Therapie nicht möglich.