Operative Spermienasservierung (TESE / MESA)

Operative Spermienasservierung für wen?

Konnte in einem zweimalig durchgeführten Spermiogramm und in der weiteren Fertilitätsabklärung eine nichtobstuktive Azoospermie  nachgewiesen werden ist eine operative Spermienasservierung indiziert. Hierzu wird mittels ambulanter Operation eine Spermatozoengewinnung aus dem Hoden zu erreichen. Werden Spermatozoen gefunden, werden diese kryokonserviert. An dieses Verfahren schließt sich eine künstliche Befruchtung  an.

Wann MESA, wann TESE?

Seit der Einführung der Intrazytoplasmatischen Spemieninjektion (ICSI)  1992 kann speziell Paaren mit ausgeprägter Einschränkung der Spermienqualität geholfen werden. Theoretisch wird ein Spermatozoon benötigt. So konnte 1992 die mikrochirurgische epididymale Spermatozoen-Aspiration (MESA) und 1993 die testikuläre Spermatozoen-Extraktion (TESE) entwickelt werden. Eine Azoospermie, die durch eine postentzündliche Obstruktion oder kongenitales, bilaterales Fehlen des Vas deferens (CBAVD)  verursacht wurde, ist nun durch MESA und TESE in Kombination mit ICSI behandelbar.

Klassische Indikationen einer MESA sind eine CBAVD, das Young-Syndrom, eine misslungene Refertilisierung, eine beidseitige nicht operativ therapierbare Obstruktion der Ductus ejaculatorii und konventionell nicht therapierbare Ejakulationsstörungen. Die Indikationen für eine TESE sind grundsätzlich alle Indikationen einer MESA, Vernarbungen aus früheren Operationen, die eine MESA unmöglich machen und eine nichtobstruktive Azoospermie. Auch bei Patienten mit Klinefelter-Syndrom  konnten durch eine TESE Spermatozoen extrahiert werden.

Integriert in die andrologisch-urologische Vordiagnostik ist nach einstimmigem Beschluss des Arbeitskreises Mikrochirurgie der Deutschen Urologen analog zu den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin eine genetische Beratung bzw. Untersuchung des Paares durchzuführen.


Wann Frisch-TESE?

Unter einer „Frisch-TESE“ wird eine operative Spermienasservierung verstanden, an die sich unmittelbar eine künstliche Befruchtung anschließt, hierbei wird auf eine Kryokonservierung  verzichtet. Dieses Verfahren ist zwar auf den ersten Blick reizvoll – so werden die Kosten einer Kryokonservierung gespart, weiter gehen durch das einfrieren keine Spermatozoen  verloren. Allerdings besteht das Risiko keine Spermatozoen zu finden und somit umonst eine hormonelle Stimulation begonnen zu haben. Deshalb ist diese Methode nur in seltenen – ausgewählten Fällen – indiziert.

Operationsablauf

Vor der Operation ist eine Vorstellung in unserer Sprechstunde Andrologie erforderlich, hier erfolgt eine ausführliche Beratung, Aufklärung und Operationsvorbereitung. Weiter empfehlen wir eine genetische Beratung. Bevor eine Operation durchgeführt wird, ist es erforderlich sicher zustellen, dass eine künstliche Befruchtung  bei Ihrer Frau / Partnerin möglich ist. Hierzu bitten wir um eine Vorstellung in einem Zentrum für Reproduktionsmedizin. Grundsätzlich bieten wir diesen Eingriff nur an, wenn eine künstliche Befruchtung ansteht. Als einzige Ausnahme ist hierbei die seltene Indikation bei Patienten zu sehen, die vor einer keimschädigenden Therapie stehen und eine Azoospermie im Spermiogramm zeigten. Eine alleinige Gewebsentnahme aus dem Hoden aus rein diagnostischen Gründen (ohne anschließende Kryokonservierung) ist nicht sinnvoll und wird von uns abgelehnt.

7 Tage bis zur Operation sollten Sie keine blutverdünnenden Medikamente einnehmen. Zur Operation müssen Sie nüchtern erscheinen. Die Operation dauert in etwa 30 Minuten. Wir bitten Sie nach dem Eingriff etwa 1 – 2 Stunden in unserer Ambulanz zu bleiben.

Nach lokaler Betäubung des Samenstranges  und der Hodenhaut wird über einen kleinen Hautschnitt am Skrotum  (ca. 1 – 2 cm) der Hoden freigelegt. Es folgt eine Gewebeentnahme an mehreren Stellen des Hodens (in der Regel an 3 Stellen). Ein kleiner Teil des gewonnenen Gewebes wird an unsere Pathologen gegeben und nach Veränderungen untersucht. Der größere Gewebeanteil wird direkt in unserem IVF-Labor nach Spermatozoen untersucht. Bei positivem Ergebnis werden diese zeitnah in mehreren Proberöhrchen kryokonserviert . Zum Wundverschluss wird die Haut mit einem selbstauflösendem Faden genäht. Somit ist eine nochmalige Vorstellung bei uns zum Fadenzug nicht erforderlich. Die Operation kann auf einer oder beiden Seiten durchgeführt und gegebenenfalls wiederholt werden.

Risiken und Komplikationen durch die Operation

Nach der Operation kommt es selten zu Komplikationen. Neben einer Nachblutung mit Bildung eines Blutergusses und Schwellung des Hodensackes ist vor allem eine Infektion des Nebenhodens  zu nennen.

Zu Beachten nach der Operation

Nach der Operation sollten Sie sich für mindestens 3 – 5 Tage schonen. Duschen ist ab dem darauf folgenden Tag möglich, Baden oder Saunieren ab 2 Wochen nach der Operation. Sie sollten für etwa 1 – 2 Wochen sexuell karent sein.

Kosten

Nach geltendem Recht ist die Diagnostik und Therapie der männlichen Infertilität ein Bestandteil des Leistungskataloges der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Hierbei werden die Kosten einer Hodenbiopsie von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Aufbereitung, Einlagerung im flüssigem Stickstoff (Kryokonservierung) und Lagerungskosten müssen vom Patienten geleistet werden.