Die Möglichkeit der Nieren- Lebendspende

In Deutschland werden jährlich etwa 2.200 Nieren von Verstorbenen transplantiert. Es stehen allerdings ca. 8.000 Patienten auf der Warteliste, der tatsächliche Bedarf ist wahrscheinlich sogar noch viel höher. Aufgrund dieser großen Diskrepanz beträgt die mittlere Wartezeit mehrere Jahre. Das bedeutet in dieser Zeit durch die Abhängigkeit von der Dialyse eine starke Einschränkung der Lebensqualität.

Eine Alternative zur Transplantation einer Niere eines hirntoten Spenders ist die Nieren-Lebendspende. Darunter versteht man die altruistische Spende einer der beiden Nieren eines lebenden Menschen. Der Anteil der Lebendspende an der Gesamtzahl der Nierentransplantation hat in den letzten Jahren in Deutschland stetig zugenommen und erreicht derzeit ca. 25 %. Erfreulicherweise evaluieren immer mehr Patienten und Angehörige diese Möglichkeiten mit ihren behandelnden Ärzten.

Die Nieren-Lebendspende ist im Transplantationsgesetz genau geregelt, der Kreis der Patienten, die für einen bestimmten Empfänger gesetzlich in Frage kommen, ist genau definiert. Dabei handelt es sich um Verwandte 1. oder 2. Grades, um verheiratete Partner, Verlobte oder Personen, die nachgewiesenermaßen dem Spender in persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen.

Die Lebendspende ist selbstverständlich vollkommen freiwillig, der Spender muss volljährig sein und nach kompletter Aufklärung über die Art und den Umfang des Eingriffes sowie dessen mögliche Spätfolgen der Spende schriftlich zustimmen.

Die Altersgrenzen für eine Nieren-Lebendspende liegen zwischen 20 und 80 Jahren. Medizinische Voraussetzungen sind unter anderem zwei gesunde Nieren, ein gut funktionierendes Herz, normale Gefäße, kein Bluthochdruck und kein Blutzucker.

Die Blutgruppe zwischen Spender und Empfänger muss identisch sein, der Empfänger muss nach den allgemeinen Kriterien für eine Nierentransplantation geeignet und dem entsprechend auf die Warteliste aufgenommen sein.

Darüber hinaus gibt es noch spezielle Voraussetzungen für eine Nieren-Lebendspende (s. Kapitel Lebendspende).

Die Spenderniere wird meistens über einen seitlichen Schnitt im Bereich des Oberbauches entnommen, die Wunde anschließend chirurgisch verschlossen. Durchschnittlicher Krankenhausaufenthalt nach einem solchen Eingriff beträgt 7 bis 10 Tage, die Arbeitsunfähigkeit ca. 1 bis 3 Monate.

Wie jede Operation kann natürlich auch die Entnahme einer Niere bei einem Lebendspender zu Komplikationen führen. Häufig sind hier bei Wundheilungsstörungen, reaktive Temperaturerhöhungen und Harnwegsinfekte. Die meisten der Komplikationen bilden sich zurück oder heilen aus und sind im Langzeitverlauf ohne Bedeutung. Insgesamt kann der Spender mit der verbleibenden Niere sehr gut leben. Sie übernimmt voll die Funktion der entfernten zweiten Niere. Darüber hinaus werden Lebendspender sehr engmaschig nachkontrolliert – eine Funktionseinschränkung des verbleibenden Organs würde frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt.

Die Nieren-Lebendspende hat für den Empfänger viele Vorteile. Die lange Wartezeit auf eine Niere eines Verstobenen kann beträchtlich verkürzt werden. Die Operation ist vom zeitlichen Ablauf her genau planbar. Das Organ hat eine sehr kurze Konservierungszeit da beide Operationen (Explantation beim Spender, Implantation beim Empfänger) in der Regel im gleichen Zentrum durchgeführt werden. Darüber hinaus zeigen die Erfahrungen, dass Nieren von Lebendspendern eine bessere Funktionsrate und letztendlich auch eine längere Funktionsdauer haben, als die Nieren von Verstorbenen.