Indikationen für eine Nierentransplantation

Es gibt viele unterschiedliche Erkrankungen, die die Nieren betreffen können. Eine Transplantation kommt dann in Frage, wenn sich das aus diesen Erkrankungen resultierende Versagen der Nieren nicht mehr zurück bilden kann - also endgültig ist - und deshalb zur Erhaltung des Lebens eine Dialysebehandlung bereits notwendig ist oder in Kürze notwendig sein wird. Einschränkend kommt eine Transplantation für Patienten, bei denen die Dialyse „erst“ in Kürze erforderlich sein wird, nur in Ausnahmefällen in Frage. Dabei handelt es sich vor allem um Kinder, um Patienten, bei denen eine Lebendspende möglich ist oder um bereits Nierentransplantierte, bei denen das Transplantat langsam seine Funktion aufgibt.

Nierenerkrankungen, die zu dem oben genannten terminalen Nierenversagen führen können sind unter anderem:

  • Diabetische Nephropathie auf Grund einer langen bestehenden Zuckerkrankheit, die sekundär zu Nierenschäden geführt hat.

  • Glomerulonephritis, eine Erkrankung der Nierenkörperchen (Glumerula), die häufig durch verschleppte Infektionen (z.B. Grippe) verursacht werden.

  • Pyelonephritis ist eine Nierenbeckenentzündung. Eine solche Infektion kann von der Harnblase in die Nieren aufsteigen. Wenn die Nieren häufiger von Entzündungen betroffen sind oder diese nicht richtig ausheilen, kann es zu einem schweren Nierenschäden führen.

  • Schrumpfniere durch Medikamente: Hier handelt es sich vor allem um eine über lange Zeit andauernde übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln.

  • Nephrosklerose aufgrund eines langen, schlecht eingestellten Bluthochdrucks, der die Nieren schädigen kann.

  • Zystennieren sind erblich bedingt. Viele Menschen haben - häufig als Zufallsbefund entdeckt -  ein oder zwei Zysten in der Niere. Dies hat keine Auswirkung auf die Nierenfunktion. Wenn allerdings die Niere durch zahlreiche Zysten durchsetzt ist, und das funktionsfähige Gewebe der Niere dadurch verdrängt wird, kann auch dieses zu einer terminalen Ausfall der Funktion führen.

  • Schrumpfniere: Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die durch eine angeborene oder untererworbene Unterversorgung des Nierengewebes mit Blut entsteht. Das Gewebe geht zu Grunde, die Niere schrumpft und funktioniert nicht mehr.

  • Hydronephrose oder auch Wassersackniere entsteht durch einen Abflussstau des Urins. Der Rückstau drückt auf das Nierengewebe und schädigt dieses, wenn die Ursache auf (z.B. Verengung des Harnleiters) nicht rechtzeitig behoben wird.


Durch die oben genannten Erkrankungen können die Nieren nicht mehr in suffizienter Weise Urin bilden bzw. diesen konzentrieren und damit die Giftstoffe ausscheiden. Dies hat eine ganze Reihe von Folgeerscheinungen: So ist häufig der Phosphatstoffwechsel und der Säure-Basenhaushalt des Körpers gestört. Die reduzierte Flüssigkeitsausscheidung führt dazu, dass sich Ödeme bilden – z.B. in den Beinen, aber auch in der Lunge. Die im Körper zurückgehaltenen Giftstoffe können verschiedene Organe schädigen.

Als einzige akute Möglichkeit, in einer solchen Situation Abhilfe zu schaffen, bleibt die Blutwäsche (Hämodialyse). Alternativ kann auch über eine Bauchfellwäsche (Peritonealdialyse) versucht werden, die Giftstoffe zu entfernen. Die chronische Dialyse bringt allerdings viele Einschränkungen für die Lebensqualität des Patienten mit sich. Der Patient muss sich bei der Zufuhr von Nahrungsmitteln und Flüssigkeiten erheblich einschränken, er ist drauf angewiesen, sich permanent in der Nähe einer Dialysestation aufzuhalten und darüber hinaus hat die Dialyse – auch bei regelmäßiger Durchführung und Überwachung des Patienten – nicht unerhebliche Langzeit-Nebenwirkung.

Deshalb ist die Nierentransplantation sicherlich für die Patienten, die dafür in Frage kommen, die derzeit optimalste Lösung. Der behandelnde Nephrologe und der Patient müssen gemeinsam evaluieren und entscheiden, ob die Nierentransplantation in Frage kommt.