Postoperative Immunsuppression

Obwohl die Spenderniere von einem blutgruppen-identischen Spender stammt und auch möglichst nach passenden Gewebemerkmalen zugeteilt wurde, enthält es doch viele genetische Informationen, die das Immunsystem des Empfängers als fremd erkennt. Um eine Reaktion gänzlich zu vermeiden, müsste das Spenderorgan von einer genetisch identischen Person stammen, wie dies nur bei einem eineiigen Zwilling der Fall wäre. Da dies bei einer Nierentransplantation in der Regel nicht der Fall ist, ist schon vor und auch während der Operation die Verabreichung von Medikamenten erforderlich, die das Erkennen des Fremdorgans abmildern und die Abstoßung soweit wie möglich verhindern sollen.

Die Steuerung der immunsuppressiven Behandlung wird dem einzelnen Patienten angepasst. Bereits die Auswahl der einzelnen Substanzklassen zum Zeitpunkt der Transplantation berücksichtigt solche individuellen Besonderheiten. Im langfristigen Verlauf wird dann einerseits das immunologische Risiko, also Gewebeübereinstimmung, frühere Transplantationen und Antikörperstatus gegen den Spender, berücksichtigt, andererseits ist aber auch der individuelle Verlauf und damit das Auftreten immunologischer Reaktionen auf das Transplantat bzw. das Auftreten von Infekten zu berücksichtigen. Die Immunsuppressiva sind leider nicht so spezifisch, dass sie nur die Reaktion des Körpers auf das fremde Organ verhindern; darüber hinaus wird insgesamt die Immunantwort des Körpers auf Eindringlinge von außen – also auch Bakterien, Viren oder Pilze – geschwächt. Deswegen ist die Kombination und Dosierung der Immunsuppression permanent ein Balanceakt zwischen der Unterdrückung der Abstoßungsreaktionen einerseits und dem Risiko der damit verbundenen erhöhten Infektanfälligkeit andererseits.

Generell ist festzustellen, dass in der Frühphase nach Transplantation mehr Immunsuppression erforderlich ist als im Langzeitverlauf. Dementsprechend kann die Zahl der Immunsuppressiva wie auch deren Dosierung im Langzeitverlauf oftmals reduziert werden.