Die Möglichkeit der Teilleber-Lebendspende

Eine Alternative zur Transplantation einer Leber eines hirntoten Spenders ist die Teilleber-Lebendspende. Darunter versteht man die altruistische Spende eines eines Leberteilstücks eines lebenden Menschen: Da die Leber eine hohe Regenerationsfähigkeit hat, kann man einen Leberlappen bei einem gesunden Spender entnehmen, und damit einen Leberkranken transplantieren. Dieses Verfahren kommt für Kinder (Spende des linken Leberlappens) und unter bestimmten Vorraussetzungen auch für Erwachsene in Frage (Spende des rechten Leberlappens). Nach der Spende wächst die verbleibende Leber zu nahezu Ausgangsgröße wieder nach. Das gleiche gilt auch für das verpflanzte Leberteilstück. Auch dieses wächst wieder auf Normalgröße an.

Die Lebendspende (vornehmlich für Nieren, aber auch für Teillebern) ist im Transplantationsgesetz genau geregelt, der Kreis der Patienten, die für einen bestimmten Empfänger gesetzlich in Frage kommen, ist genau definiert. Dabei handelt es sich um Verwandte 1. oder 2. Grades, um verheiratete Partner, Verlobte oder Personen, die nachgewiesenermaßen dem Spender in persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen.

Die Lebendspende ist selbstverständlich vollkommen freiwillig, der Spender muss volljährig sein und nach kompletter Aufklärung über die Art und den Umfang des Eingriffes sowie dessen mögliche Spätfolgen der Spende schriftlich zustimmen.

Die Altersgrenzen für eine Teilleber-Lebendspende liegen ca. zwischen 20 und 60 Jahren. Aufgrund der vergleichsweise großen Operation für den Spender kommen nur absolut gesunde Spender in Frage. Medizinische Voraussetzungen sind unter anderem eine gesunde Leber, ein gut funktionierendes Herz, normale Gefäße, kein Bluthochdruck und kein Blutzucker.

Die Blutgruppe zwischen Spender und Empfänger muss identisch sein, der Empfänger muss nach den allgemeinen Kriterien für eine Lebertransplantation geeignet und dem entsprechend auf die Warteliste aufgenommen sein.

Die Möglichkeit der Spende zwischen Eltern und Kindern mit diesem Verfahren hat dazu geführt, dass die Warteliste für Kinder relativ klein ist. Da die Mindestgröße der Restleber mindestens 30% des ursprünglichen Gesamtvolumens betragen muss, sowie aufgrund ungeeigneter Leberanatomie einiger Spender sind nur 25 % aller anderweitig geeigneten Kandidaten auch potentielle Spender.

Wie jede Operation kann natürlich auch die Entnahme eines Leberteilstücks bei einem Lebendspender zu Komplikationen führen. Häufiger sind hierbei Wundheilungsstörungen und reaktive Temperaturerhöhungen. Da es sich dabei um einen relativ großen operativen Eingriff  im rechten Oberbauch handelt, gibt es darüber hinaus noch weitere potentielle Komplikationen wie vorübergehendes (temporäres) Leberversagen, an der Schnittstelle Nekrosen des Lebergewebes und  Gallenlecks, Entzündungen des Gallensystems (Cholangitis), Pneumonie oder Pleuraerguß. In den meisten Fällen bilden sich diese Komplikationen zurück oder heilen aus und sind im Langzeitverlauf ohne Bedeutung. Insgesamt kann der Spender mit der verbleibenden Leber sehr gut leben. Sie übernimmt voll die Funktion des entfernten Leberteilstücks. Darüber hinaus werden Lebendspender sehr engmaschig nachkontrolliert – eine Funktionseinschränkung der verbleibenden Leber würde frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt.

Die Teilleber-Lebendspende hat für den Empfänger viele Vorteile. Die lange Wartezeit auf eine Leber eines Verstobenen kann beträchtlich verkürzt werden. Die Operation ist vom zeitlichen Ablauf her genau planbar. Das Organ hat eine sehr kurze Konservierungszeit da beide Operationen (Explantation beim Spender, Implantation beim Empfänger) in der Regel im gleichen Zentrum durchgeführt werden. Manchmal ist die Teilleberspende für einen Patienten auch die einzige Möglichkeit ein Spenderorgan zu bekommen.

Aufgrund des relativ großen Eingriffs für den Spender muss der Spender sich aber detailliert mit den möglichen Komplikationsmöglichkeiten, die auch eine Mortalität von 0,3% beinhaltet, auseinandersetzen.