Postoperative Komplikationen und Abstoßungsreaktionen

Jeder Patient, der sich größeren chirurgischen Eingriffen unterzieht, kann postoperative Komplikationen erfahren. Transplantierte Patienten haben das zusätzliche Risiko der Immunsuppression, die ihr Immunsystem schwächt und damit auch die Fähigkeit, Infektionen zu bekämpfen. Die Mehrheit der Patienten erfahren tatsächlich auch kleinere Komplikationen in den ersten Wochen nach Transplantation. Diese sind allerdings kein Grund für ernsthafte Befürchtungen, da sie in der Regel durch die Behandlung von erfahrenen Transplantationsärzten ohne Probleme gemeistert werden können.

Neben den bei jeder Operation möglichen Komplikationen wie unter anderem Wundinfektionen, Lungenentzündung, die Möglichkeit einer Thrombose mit nachfolgender Lungenembolie birgt eine Lebertransplantation auch einige typische Komplikationsmöglichkeiten. Die wesentlichen frühen Komplikationen nach Lebertransplantation bestehen in einer primären Nichtfunktion der Transplantatleber, welche unter Umständen eine notfallmäßige Retransplantation notwendig macht. Aufgrund der teilweise schlechten Blutgerinnung durch die Lebererkrankung und der notwendigen Gefäßnähte besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko. In 1-2% der Transplantationen kommt es zu einem Verschluss (Thrombose) der Leberarterie, die langfristig eine erneute Lebertransplantation nötig macht. An der neu angelegten Gallengangsverbindung kann es zu einem Leck oder Verengungen (Stenosen) kommen. Das Infektionsrisiko, besonders hinsichtlich Pilz- und Virusinfektionen, ist durch die notwendige Immunsuppression erhöht.

Bei einer Abstoßungsreaktion ist es außerordentlich wichtig, die Warnsignale zu kennen und bei deren Auftreten sofort die betreuenden Transplantationsärzte zu kontaktieren. Mögliche Zeichen einer Abstoßungsreaktion sind: Schwächegefühl, schnelles Ermüden, erhöhte Temperatur über 37,5° C über mehrere Stunden, Appetitlosigkeit, Schmerzen im Bauchraum, lehmfarbener Stuhl, dunkler Urin und Gelbfärbung von Augenskleren und Haut.

Die Diagnose einer akuten Abstoßung wird anhand klinischer, laborchemischer und histologischer Kriterien (Nadelbiopsie) gestellt. Die Therapie der akuten Abstoßung besteht in der Applikation von hochdosiertem Kortison (Methylprednisolon (500mg) an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Gleichzeitig wird die Basisimmunsuppression erhöht und ggf. ein zusätzliches immunsuppressives Präparat dazugegeben. Beim Vorliegen einer kortisonresistenten Abstoßung erfolgt die Therapie mit einer gegen T-Zellen gerichteten Antikörpertherapie über 3 bis maximal 10 Tage. Aufgrund der Verbesserung in der Immunsuppression wird die chronische Abstoßung nach Lebertransplantation nur noch selten beobachtet.

Spätkomplikationen nach Lebertransplantation beinhalten die Wiederkehr der Grunderkrankung (Hepatitis, Lebertumor), ein erneutes (chronisches) Leberversagen mit der Notwendigkeit einer erneuten Leber(re)transplantation. Das allgemeine Tumorrisiko ist durch die Immunsuppression auf das ca. 3-fache erhöht. Weiterhin können die notwendigen Medikamente gegen Abstoßung zu Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), zu Bluthochdruck (Hypertonie) und zum langsamen Nierenversagen mit letzten Endes Dialysepflichtigkeit führen.