Postoperative Komplikationen und Abstoßungsreaktionen

Jeder Patient, der sich größeren chirurgischen Eingriffen unterzieht, kann postoperative Komplikationen erfahren. Transplantierte Patienten haben das zusätzliche Risiko der Immunsuppression, die ihr Immunsystem schwächt und damit auch die Fähigkeit, Infektionen zu bekämpfen. Die Mehrheit der Patienten erfahren tatsächlich auch kleinere Komplikationen in den ersten Wochen nach Transplantation. Diese sind allerdings kein Grund für ernsthafte Befürchtungen, da sie in der Regel durch die Behandlung von erfahrenen Transplantationsärzten ohne Probleme gemeistert werden können.

Neben den bei jeder Operation möglichen Komplikationen wie unter anderem Wundinfektionen, Lungenentzündung, die Möglichkeit einer Thrombose mit nachfolgender Lungenembolie birgt eine Dünndarm oder Multiviszeraltransplantation auch einige typische Komplikationsmöglichkeiten. Die wesentlichen frühen Komplikationen bestehen in einer primären Nichtfunktion der transplantierten Organe, welche unter Umständen eine notfallmäßige Retransplantation notwendig macht. Aufgrund der teilweise schlechten Blutgerinnung durch die oft begleitende Lebererkrankung, der großen Wundfläche und der notwendigen Gefäßnähte besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko. Aufgrund der oft bestehenden Gefäßproblematik kommt es zu einer höheren Rate von Gefäßverschlüssen aufgrund technischer Ursachen oder Thrombose.

Eines der größten Probleme nach Dünndarmtransplantation ist aber die hohe Abstossungsrate des transplantierten Darms, so dass es sogar zu einem Verlust des Transplantats durch eine massive Abstoßungsreaktion kommen kann. Bei einer Abstoßungsreaktion ist es außerordentlich wichtig, die Warnsignale zu kennen und bei deren Auftreten sofort die betreuenden Transplantationsärzte zu kontaktieren. Mögliche Zeichen einer Abstoßungsreaktion sind: Schwächegefühl, schnelles Ermüden, erhöhte Temperatur über 37,5° C über mehrere Stunden, Appetitlosigkeit, Schmerzen im Bauchraum, lehmfarbener Stuhl, dunkler Urin und Gelbfärbung von Augenskleren und Haut.

Die Diagnose einer akuten Abstoßung wird anhand klinischer, laborchemischer und histologischer Kriterien (endoskopische Biopsie) gestellt. Die Therapie der akuten Abstoßung besteht in der Applikation von hochdosiertem Kortison (Methylprednisolon (500mg) an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Gleichzeitig wird die Basisimmunsuppression erhöht und ggf. ein zusätzliches immunsuppressives Präparat dazugegeben. Beim Vorliegen einer kortisonresistenten Abstoßung erfolgt die Therapie mit einer gegen T-Zellen gerichteten Antikörpertherapie über 3 bis maximal 10 Tage. Aufgrund der Verbesserung in der Immunsuppression wird die chronische Abstoßung nach Lebertransplantation nur noch selten beobachtet.

Das Infektionsrisiko, besonders hinsichtlich Pilz- und Virusinfektionen, ist durch die notwendige Immunsuppression erhöht.

Das allgemeine Tumorrisiko ist durch die Immunsuppression auf das ca. 3-fache erhöht. Weiterhin können die notwendigen Medikamente gegen Abstoßung zu Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), zu Bluthochdruck (Hypertonie) und zum langsamen Nierenversagen mit letzten Endes Dialysepflichtigkeit führen.