Transplantationszentrum München der LMU

COVID-19: Informationen für Patienten

Wichtige Informationen für Sie während der Corona Pandemie: Bitte kommen Sie zum Schutz der übrigen Patienten auf keinen Fall ins Transplantationszentrum, wenn bei Ihnen der Verdacht auf eine COVID-19 Infektion besteht!

Aktuelles zur Covid-19 Impfung

Nach Einführung der COVID-19 Impfung in Deutschland erreichen uns viele Anfragen, ob und welche Impfung bei Patienten auf der Warteliste zur Organtransplantation und bei organtransplantierten Patienten durchgeführt werden sollte. Eine auf wissenschaftlichen Daten basierende Aussage dazu ist derzeit nicht möglich, da Transplantatempfänger von den kürzlich durchgeführten SARS-CoV-2-Impfstoffversuchen ausgeschlossen waren. Für diese Patientenpopulation sind also leider weder Wirksamkeit, Schutzdauer, noch Sicherheit bekannt. Die Empfehlungen für Patienten nach Organtransplantation basieren deshalb vor allem auf unseren umfangreichen Erfahrungen mit bereits etablierten Impfungen (z.B. der Grippeschutzimpfung). Unter www.corona-schutzimpfung.de sind darüber hinaus allgemeine Informationen rund um die Schutzimpfung abrufbar, u.a. den Einwilligungsbogen, das Aufklärungsmerkblatt, sowie Leitfäden und einen Newsletter-Infoservice. Im Folgenden wollen wir auf einige häufig gestellte Fragen eingehen:

Welchen Anspruch haben transplantierte Patienten auf eine Impfung:
Laut der „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2“ des Bundesgesundheitsministeriums fallen organtransplantierte Patienten in die zweithöchste Risikokategorie (Schutzimpfungen mit hoher Priorität) nach den über 80-Jährigen. Deshalb haben Patienten nach einer Organtransplantation die Möglichkeit, sich bevorzugt gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen.

Empfehlen wir unseren transplantierten Patienten eine COVID-19 Impfung?
Mögliche Bedenken hinsichtlich der verfügbaren SARS-CoV-2-Impfstoffe sind das Fehlen von Langzeitsicherheitsdaten, eine mögliche Verringerung der Wirksamkeit bei immunsupprimierten Patienten, die nicht bekannte Dauerhaftigkeit der Immunantwort und die Möglichkeit einer Abstoßung im Zusammenhang mit der Impfreaktion. Basierend auf unseren Erfahrungen und den umfangreichen Studien bezüglich der Verabreichung anderer Impfstoffe, sowie angesichts der Risiken die mit einer COVID-19 Erkrankung für Patienten nach Organtransplantation einhergehen, empfehlen wir bei allen Patienten mit komplikationslosen Verlauf sich sobald wie möglich gegen eine COVID-19 impfen zu lassen. In der Regel sind dies Patienten mit normaler, nicht erhöhter Immunsuppression und einer geringen Abstoßungsinzidenz. Alle anderen Patienten sollten mit den behandelnden Ärzten des Transplantationszentrums Rücksprache halten. Dies können Sie natürlich auch tun, wenn Sie sich unsicher sind ob Sie unter die Kategorie „komplikationsloser Verlauf“ fallen.

Welche Impfung ist für Patienten nach Organtransplantation geeignet?
Bei den kürzlich zugelassenen mRNA-SARS-CoV-2-Impfstoffen (BioNTech/Pfizer, Moderna) wird synthetische mRNA verwendet, die durch Lipidnanopartikel in Zellen transportiert werden. Mittels der werden nicht infektiöse viralen Spike-Proteine des Coronavirus hergestellt, gegen die dann eine gewünschte spezifische Immunantwort ausgelöst wird. Bedenken sind nach allen bisherigen Erfahrungen nicht berechtigt: Die mRNA repliziert nicht, integriert sich nicht in das menschliche Genom und wird nach der Translation abgebaut. Diese Impfstoffe sollten deshalb nach aktuellem Stand für Patienten auf der Warteliste oder nach Organtransplantation kein Problem darstellen.

Mögliche Bedenken hinsichtlich der neuen viralen Vektorimpfstoffe (AstraZeneca/University of Oxford) haben sich auf eine außer Kontrolle geratene Virusinfektion konzentriert, insbesondere wenn der Wirt immungeschwächt ist. Diese Bedenken haben auch keine wissenschaftliche Grundlage: Die derzeitigen adenoviralen Impfstoffe enthalten ein nicht replizierendes Virus; diese Plattform wird seit Jahrzehnten zur Gentherapie seltener Krankheiten und Krebs eingesetzt.

Andere Impfstoffe, die derzeit untersucht werden, umfassen inaktivierte Impfstoffe gegen Viren und Proteinuntereinheiten; ähnliche Impfstoffe wurden bei Transplantatempfängern für andere Infektionen verwendet, einschließlich Hepatitis A- und B-Viren, Pertussis und humanem Papillomavirus.

Die potenzielle Kontraindikation von abgeschwächten Lebendimpfstoffen ist für SARS-CoV-2 nicht relevant, da es derzeit keine derartigen SARS-CoV-2-Impfstoffe gibt. Solche Impfstoffe kämen nur für nicht-immunkompromittierten Patienten vor der Transplantation in Frage, die in stabilem Zustand auf der Warteliste sind.

Zusammengefasst gibt es derzeit keine Präferenz für einen bestimmten Impfstoff in Bezug auf transplantierte Patienten, Sie sollten auf jeden Fall (wenn Sie in einem stabilen Zustand sind) jeden Ihnen angebotenen Impftermin annehmen, unabhängig von verfügbaren Impfstoff.

Ab wann sollten organtransplantierte Patienten geimpft werden?
Die Wirksamkeit der Impfung könnte bei immunsupprimierten Patienten durch die unterdrückte Funktion des Immunsystems beeinträchtigt sein. Insbesondere in den ersten sechs Monaten nach Organtransplantation ist die Immunsuppression in der Regel höher eingestellt als im späteren Verlauf. Deshalb sollten Patienten in dieser frühen Phase immer erst Rücksprache mit den behandelnden Ärzten des Transplantationszentrums halten, bevor
sie sich impfen lassen. Alle anderen Patienten mit stabilem Verlauf sollten sich so bald wie möglich impfen lassen.

Besteht bei der COVID-19 Impfung ein Risiko für das Transplantat?
Nach Organtransplantation gehen wir analog zu anderen Impfungen (z.B. der Grippeschutzimpfung) nicht von einer erhöhten Gefahr für Organabstoßungen durch eine überschießende allgemeine Immunreaktion aus, da der Impfstoff sehr spezifisch für SARS-COV-2 ist.

Sollten Patienten auf der Warteliste für eine Organtransplantation geimpft werden?
Patienten auf der Warteliste sollten möglichst zeitnah geimpft werden, da diese in der Regel noch nicht unter medikamentöser Immunsuppression stehen. Es ist daher von einem besseren Impfansprechen im Vergleich zu der Zeit nach der Organtransplantation auszugehen, zumal in den ersten 6 Monaten keine Impfung erfolgen sollte (siehe oben). Die Transplantationschancen werden von einer COVID-19-Impfung nicht beeinflusst.

Wie steht es mit dem Anspruch für Patienten auf der Warteliste:
Diese sind in der Impfverordnung nicht explizit benannt. Wir empfehlen, bei der individuellen Anmeldung für eine Impfung eine mit Transplantierten vergleichbare Priorisierung zu beantragen.

Können Patienten im Transplantationszentrum geimpft werden?
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass eine COVID-19 Impfung bei uns im Zentrum/in der Klinik derzeit nicht stattfinden kann. Wir haben aufgrund der aufwendigen Transportlogistik und wegen der zurzeit noch sehr knappen, nach vorgegebenen Kriterien zugeteilten Impfstoff-Ressourcen keine Möglichkeit, Impfstoff für Patienten zu beschaffen. Sie müssen sich in den dafür vorgesehenen Impfzentren anmelden. Sollte sich das ändern, werden wir Sie umgehend informieren.

Aktuelles zu Sprechstunden/Transplantationen

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie müssen wir die Sprechstunden für unsere Patienten an die aktuellen Vorgaben des Klinikums für den Infektionsschutz anpassen. Selbstverständlich gewährleisten wir weiterhin die suffiziente Versorgung all unserer Patienten.
Wenn Sie einen Termin bei uns haben, betreten Sie bitte nach Ankunft nicht sofort das Transplantationszentrum, sondern warten Sie zunächst im Bereich davor, bis eine Mitarbeiterin zu Ihnen kommt. Sie wird Ihnen dann einen Fragebogen aushändigen, der uns hilft abzuschätzen, ob bei Ihnen ein Risiko für eine Covid-19 Infektion besteht. Darüber hinaus wird sie mittels einer Ohrsonde Ihre Körpertemperatur bestimmen. Erst wenn die Mitarbeiterin Sie danach dazu auffordert können Sie das Zentrum betreten. Auf Grund der räumlichen Enge bitten wir Sie außerdem darum darauf zu verzichten, Begleitpersonen ins Zentrum mitzubringen, es sei denn Sie sind auf deren Hilfe und Unterstützung angewiesen. Wir bitten um Ihr Verständnis für diese Maßnahmen zum Schutz unserer Mitarbeiter, vor allem aber zu Ihrem Schutz und dem Ihrer Mitpatienten.

Vorbereitung auf die Warteliste
Die Sprechstunde bzw. die Aufklärungsgespräche für Patienten, die auf die Aufnahme zur Warteliste für eine Transplantation vorbereitet werden, wird weiterhin durchgeführt, wenn die Listung auf Grund der zugrundeliegenden Erkrankung sehr dringlich erscheint. Bitte
übermitteln Sie uns Ihnen vorliegende Ergebnisse noch ausstehender Untersuchungen, damit die Vorbereitung zur Listung unabhängig von Ihrem Besuch intern weitergehen kann.

Nieren Lebendspende
Das Nieren Lebendspende-Programm wird derzeit wieder weitergeführt. Die Patienten werden umgehend informiert, sobald sich diesbezüglich etwas ändert.

Patienten auf der Warteliste
Patienten, die sich bereits auf der Warteliste befinden werden einbestellt, wenn ein für die Weiterführung der Listung essentielles Update des Patienten-Status durchgeführt werden muss. Soweit möglich ersetzen wir sonstige Routine-Termine durch telefonische Kontakte. Bitte informieren Sie uns umgehend, wenn sich etwas an Ihrem Krankheitsstatus geändert hat, selbstverständlich inklusive eines Verdachts auf oder einer tatsächlichen Bestätigung einer Infektion mit dem Corona Virus.

Organtransplantationen
Wenn Eurotransplant ein passendes Organ für einen Patienten auf unserer Warteliste anbietet, führen wir nach wie vor die entsprechende Transplantation durch, sofern der Empfänger in einem transplantablen Zustand ist. Es gibt bisher keinerlei Hinweise, dass Transplantationen derzeit ein größeres Risiko für die Empfänger darstellen.

Transplantationsnachsorge
Die Sprechstunden in der Transplantationsambulanz für bereits transplantierte Patienten werden reduziert und finden vor allem für nicht verschiebbare, dringliche Patienten statt. Dies sind insbesondere frisch transplantierte Patienten (< 6 Monaten nach Tx) oder Patienten mit akuten Komplikationen. Routineuntersuchungen wie z.B. jährliche Nachuntersuchungen werden soweit möglich verschoben.

Mit den Patienten, die wir nicht einbestellen bzw. bei bereits vereinbarten Terminen ausbestellen werden wir telefonischen Kontakt halten. Auch für kurzfristig aufgetretene medizinische Probleme bieten wir bei Bedarf eine Telefonsprechstunde an. Wir werden Sie über aktuelle Entwicklungen/Änderungen hier auf unserer Webseite auf dem Laufenden halten.