Informationen für Ärzte zum Heidelberger Elterntraining

Das Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung –

ein Gruppenprogramm für Eltern von Kindern mit verzögerter Sprachentwicklung

 

Das Heidelberger Elterntraining richtet sich an Eltern, deren Kinder mit 24 Monaten noch keine 50 Wörter aktiv gebrauchen. Diese Kinder, auch als Late Talker bezeichnet, kennzeichnen sich durch einen verspäteten Sprechbeginn. Ihre ersten Wörter erwerben sie in der Regel erst zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat, wobei es sich meist um schwer verständliche lautsprachliche Äußerungen handelt. Häufig nutzen sie Mimik sowie Zeige- und symbolische Gesten zur Kommunikation und können um den 2. Geburtstag noch keine Wörter zu Zweiwortäußerungen kombinieren.

Als Late Talker werden laut Definition nur Kinder bezeichnet, die eine umschriebene Verzögerung der sprachlichen Fähigkeiten zeigen, was bedeutet, dass alle anderen Entwicklungsbereiche unauffällig sind. Die Ursachen für eine verzögerte sprachliche Entwicklung sind noch nicht geklärt.

Ein Teil dieser Kinder holt diese Verzögerung bis zum 3. Geburtstag wieder auf. Welche Faktoren für dieses Aufholen verantwortlich sind, ist dabei noch unklar, so dass derzeit diesbezüglich noch keine Prädikatoren benannt werden können.

 

Der frühkindliche Spracherwerb ist ein komplexer Prozess, der durch genetische und neurobiologische sowie umweltbedingte Faktoren beeinflusst wird. Bezüglich der Umweltfaktoren spielt das sprachliche Elternvorbild eine wichtige Rolle. Eltern nutzen intuitiv „Sprachlehrstrategien“, die den kindlichen Spracherwerb positiv beeinflussen. Im zweiten Lebensjahr schaffen die Eltern wiederkehrende Situationen, in denen Begriffe hochfrequent wiederholt werden, und die Kinder fordern ihrerseits die Erwachsenen auf, Dinge zu benennen, so dass sich Begriffe festigen können.

In Untersuchungen sprachgesunder Kinder kann nachgewiesen werden, dass durch das Optimieren des elterlichen Sprachverhaltens beim gemeinsamen Bilderbuch-anschauen die Sprachentwicklung positiv beeinflusst wird. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass nach einem gezielten Training die Kinder gegenüber einer Kontrollgruppe im Hinblick auf ihre sprachliche Entwicklung durchschnittlich 8,5 Monate voraus waren.

Eltern von Kindern, deren sprachliche Entwicklung stagnierend und verzögernd verläuft, sind häufig bezüglich ihres eigenen sprachlichen Vorbilds und ihres Verhaltens dem Kind gegenüber verunsichert und ratlos oder wenden aus Unkenntnis im Hinblick auf den Spracherwerb ungünstige Strategien an.