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isaac e.V. Kongress 2015 in Dortmund

Vom 24. – 26. September 2015 fand unter großem Interesse von rund 800 Besuchern die 13. Fachtagung der isaac – Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation (UK) im Messezentrum der Westfalenhallen Dortmund statt.

Kooperationspartner von isaac war erneut die TU Dortmund unter Federführung von Herrn Jun. Prof. Dr. Ingo Bosse.

„UK wird erwachsen – Initiativen in der Unterstützten Kommunikation“, so lautete das Motto des Kongresses, der gleichzeitig ein silberner Jubiläumskongress war, denn 1990, vor 25 Jahren gründete sich isaac e.V. auch in Deutschland.

Es war eine Tagung voller qualitativ hochwertiger Veranstaltungen in verschiedenen didaktischen Formaten, die wichtige Denkanstöße zur gelebten Vielfalt, Inklusion und Partizipation durch Kommunikation und Sprachkompetenz gaben. Rund um die Fachverträge sorgte die Ausstellung von Hilfsmittelanbietern, Verlagen und Organisationen wie dem Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V. für fachspezifische Informationen, Beratungen und Gespräche in einem professionellen Miteinander.

isaac e.V. versteht sich als eine Gesellschaft nicht nur für verschiedene Berufsgruppen sondern ebenfalls für unterstützt kommunizierende Menschen und ihre Familien. Daher gab es auch außerhalb der Fachvorträge vielfältige Möglichkeiten des fachlichen und privaten Austausches. Social Events wie das Come Together und die Jubiläumsfeier sorgten für einen angenehmen Rahmen mit vielen Gesprächen und mit viel Freude am Zusammensein. Arne Maiwald als Gründungsmitglied von isaac e.V. trug einen kabarettistischen Beitrag auf der Jubiläumsfeier vor.

Das Motto „UK wird erwachsen“ wurde in einem doppelten Sinn umgesetzt: Das 25jährige Bestehen von isaac e.V. in Deutschland zeigt zum einen eine Entwicklung auf, dass UK alle Lebensspannen eines Menschen umfasst. Vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention ermöglicht UK Barrierefreiheit in der Kommunikation und Informationsverarbeitung, so dass soziale Teilhabe als Zielperspektive für Kinder, Kleinkinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Erwachsene erreicht wird.

Das Motto „UK wird erwachsen“ nimmt zum anderen UK für Erwachsene verstärkt in den Blick. Deshalb fand erstmalig im Rahmen der Tagung ein Symposium unter dem Titel „UK in nachschulischen Lebenswelten“ statt.

Die Themen der Tagung bildeten darüber hinaus das weite Spektrum UK-Versorgung ab: frühe Förderung, vorschulischer und schulischer Bereich, Arbeiten und Wohnen, Unterricht und Sprachtherapie, Intensivstation und Hospiz sowie spezielle Fragestellungen und Herangehensweisen in der UK wie Augensteuerung, auditives Scanning, Tablet-Systeme und die Schnittstellen zwischen UK und Leichter Sprache. UK in der Logopädie und Sprachtherapie ist nach wie vor ein Fachgebiet mit großem Entwicklungspotential, in dem einige engagierte Kolleginnen und Kollegen arbeiten. Hier wäre es wichtig, UK in der Schnittstelle zu logopädischen Fachgebieten wie Literacy, Wortschatz, Grammatikerwerb etc. auszubauen sowie im Rahmen logopädischer Handlungsfelder wie Diagnostik, Beratung und Therapie weiter zu etablieren. Gerade die individuelle und ICF-orientierte Diagnostik, durchgeführt von Berufsangehörigen der Logopädie bzw. Sprachtherapie mit entsprechender Expertise, stellt eine entscheidende Grundlage für den interdisziplinären Austausch und die UK-Interventionsplanung dar.

Der Vortrag „Profis in eigener Sache“ der vier unterstützt kommunizierenden Referentinnen und Referenten Michaela Koebele, Annemarie Schuster, Konstantin Eichmann und Dominik Engelhardt machte deutlich, dass trotz einer hohen Sprachkompetenz und Ausdrucksfähigkeit der betreffenden Personen sowie trotz der großen Unterstützung seitens ihrer Bezugspersonen unterstützt kommunizierende Menschen auch heute noch immer viele negative Erfahrungen des Ausgegrenzt-seins und der Fremdbestimmung im Alltag machen müssen. Eine Sensibilität und empathische Haltung sowie ein Perspektivwechsel sind wichtige Voraussetzungen für alle Personen im sozialen Umfeld eines unterstützt kommunizierenden Menschen.

Hier kann eine engagierte Logopädin bzw. ein engagierter Logopäde ihre bzw. seine Expertise einbringen, aufklären und den Bezugspersonen helfen, ihr Verhalten und ihre Einstellung zu reflektieren und eine entsprechende innere Haltung einzunehmen.

Von der Staatlichen Berufsfachschule am Klinikum der Universität München besuchten der Oberkurs und Kerstin Nonn gemeinsam die UK-Fachtagung.

Es war für die angehenden Kolleginnen und Kollegen eine erfahrungsreiche Zeit mit der Möglichkeit, fachspezifisches Wissen zu erwerben, unterstützt kommunizierende Menschen persönlich kennenzulernen und Perspektiven aufzubauen, wie erfolgreiche Versorgungswege in die Unterstützte Kommunikation durch ein humanistisches Weltbild geprägt gelingen können.

Kerstin Nonn

Fotos gibt es hier!